Ein Dachdecker startet durch

Matthias Wahl (links) gemeinsam mit seinem persönlichen Trainer Vladimir Pavlic

Viel hat er sich vorgenommen: Matthias Wahl, Jahrgang 1977, ist von Beruf Dachdecker und seit 14. Januar 2016 dabei, für den „Iron Man“ zu trainieren. Im Jahr 2018 werden zwei Wettkämpfe stattfinden, einmal im Kraichgau und dann in Rügen, bevor es dann 2019 zur Europameisterschaft nach Frankfurt geht. Der „Iron Man“ ist ein Triathlon, bestehend aus den Teilen Schwimmen (3,86 km), Fahrradfahren (180,2 km) und einem Marathonlauf (42,195 km).

Der Bauch muss weg

Ursprünglich wollte er nur ein klein wenig trainieren, um sein minimales Übergewicht loszuwerden. In seinem früheren Nachbarn Vladimir Pavlic fand er einen Profi, der es sich zum Beruf gemacht hat, Privatpersonen oder Firmen als persönlichen Trainer zu betreuen. Beim betrieblichen Gesundheitsmanagement werden Abläufe in einer Firma optimiert, damit sich die Arbeitnehmer wohler fühlen und durch entsprechende Maßnahmen Krankheitstage reduziert werden oder durch Motivationstraining sich das Arbeitsklima untereinander verbessert. Im Fall von Matthias Wahl hat Pavlic mit ihm gemeinsam einen genauen Trainingsplan erstellt. Mit einer kompletten Ernährungsumstellung und einem speziell auf ihn abgestimmten Training hat er mit Hilfe seines persönlichen Betreuers schon einige Kilos abgenommen und seine Fitness um ein vielfaches verbessert.

Training, wenn andere noch schlafen

Seinen Tag beginnt Wahl zu einem Zeitpunkt, an dem andere noch friedlich in ihrer Bettdecke kuscheln. „Da ich wie jeder andere tagsüber ins Geschäft gehe, muss ich meine Trainingseinheiten um die Arbeitszeit herum verteilen“ sagt der gelernte Zimmermann. Morgens um 04:50 Uhr hat er bereits seine Trainingshose an und beginnt das Lauftraining im Fitness-Studio. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 12 km/h flitzt er über das Laufband und wenn er um 07:00 Uhr im Geschäft ist, hat er schon mehr Kilometer hinter sich, als andere den ganzen Tag über zurücklegen. Nach Feierabend geht es dann ins Emma-Jaeger-Bad, dort schwimmt er 76 Bahnen – was einer Strecke von 1900 m entspricht – zieht dann nochmal die Laufschuhe an und läuft in 36 Minuten einen Rundkurs durch den Enzauenpark mit einer Distanz von acht Kilometern. Als wäre das noch nicht genug, geht es dann zurück ins „Emma“und es folgen weitere 76 Schwimmbahnen.

Seine beste Trainingszeit lag für die 1900 Meter Schwimmen bisher bei 34:39 Minuten in der Badehose, nachdem er sich nun einen Ganzkörper-Neoprenanzug zugelegt hat, wurde diese Zeit verbessert auf 31:08 Minuten.

Mit dem Film wird die Technik verbessert

Beobachtet wurde er anfangs auch von seinem Trainer mit der Videokamera, bei der anschließenden Analyse der Filme kann man Fehler aufdecken und durch die richtige Technik wird das Schwimmen dann verbessert. Durch spezielles Training im Studio werden bestimmte Bereiche des Körpers gesondert trainiert. Die Kraft fürs Schwimmen holt der gebürtige Uckermünder aus dem Oberkörper, hier werden Trockenschwimm-Übungen an den Geräten gemacht, im Stand werden also Gewichte an Seilen mit  Kraulbewegungen nach oben gezogen. Die Kraft zum Laufen kommt aus den Beinen, die Muskeln dieser Region werden mit Kniebeugen auf dem Wackelbrett trainiert.

Ein guter Zweck motiviert

Damit die Plackerei auch einen guten Zweck erfüllt, hat sich Matthias Wahl dazu entschlossen, sein Training mit einer guten Sache zu verbinden. Deshalb möchte er für jeden gelaufenen Kilometer, den er zurücklegt, drei Euro an eine soziale Einrichtung spenden. Da er selbst keine Familie und eigene Kinder hat, möchte er die Niefernburg finanziell unterstützen. In dieser sozialpädagogischen Einrichtung werden ausschließlich Mädchen und junge Frauen betreut, die in besonders schwierige soziale Lebenslagen geraten sind. Und um diesen Spendentopf noch weiter zu füllen, sucht Wahl noch einige Spender, die ihn auch mit einem Kilometergeld auf die Reise schicken. Auch nur Cent-Beträge sind gerne gesehen, im Endeffekt kommt es auf die Gesamtsumme an, die am Ende zusammenkommt. Auch Firmen dürfen sich gerne als Sponsoren beteiligen, an verschiedenen Stellen seiner Sportkleidung ist noch Platz für Werbung.

„Hör nicht auf, wenn du müde bist sondern erst, wenn du dein Ziel erreicht hast“

Unterhält man sich mit Matthias Wahl, merkt man sofort, dass er einen eisernen Willen hat, sein Vorhaben durchzuziehen.
„Ich will beweisen, dass aus einem faulen, pizzafressenden Raucher mit Willen und Disziplin ein durchtrainierter Sportler werden kann“ und dass man auch mit 40 noch solche Ziele erreichen kann. Dass er zielstrebig ankommen will, bewies er, als er beim Training vom Fahrrad stürzte und bereits zwei Stunden nach der Krankenhausentlassung schon wieder auf seinem Rennfahrrad saß und weiter trainierte. Sein Erfolgsrezept verrät der durchtrainierte Single noch am Schluss: „Der positive Gedanke muss jeden Tag da sein und im Kopf darf man nicht aufgeben.“

 

Über Björn Fix 137 Artikel
Björn Fix (bf), Jahrgang 1970, passionierter Fotoreporter und ständiger Mitarbeiter bei PF-BITS seit der ersten Stunde. Als gut informierter, zuverlässiger und gern gesehener Zuschauer und Beobachter ist er vor allem zuständig für aktuelle und "fixe" Berichterstattungen aus der Region.