Pforzheimer wagt sich an den IRONMAN 70.3 Kraichgau

Man merkt ihm die Nervosität an: Matthias Wahl zupft nervös an seiner grünen Bademütze und rückt seine Schwimmbrille zurecht. Er hat sich im dritten von fünf Startblöcken eingereiht und geht mit 3500 anderen Sportlern ins kalte Wasser des Hardtsees bei Ubstadt-Weiher. Der enganliegende Neoprenanzug ist wie eine zweite Haut und man spürt nichts von der Wassertemperatur. Nur Hände und Füße schauen heraus. Am Fußgelenk befindet sich ein Sender, mit dem nicht nur die Zeit der einzelnen Athleten genommen wird, sondern auch über eine spezielle App-Funktion im Mobiltelefon der aktuelle Standort abgerufen werden kann. So können die mitgereisten Fans immer sehen, wo sich ihr Sportler befindet.

Start im Sekundentakt

Zwei Helferinnen stehen mit zwei Fahnen am Start und haben beide Arme ausgebreitet. Alle vier Sekunden heben Sie die Arme und schicken so vier weitere Schwimmer auf die 1,9 km lange Strecke. Beobachtet man die Schwimmstrecke, so sieht es fast so aus, als wenn man am Herrmannsee ein paar Brotkrumen für die Karpfen hinein wirft: es ist ein einziges Gespritze und Geplansche, jeder versucht in seinen Rhythmus zu kommen und wird dabei auch von den Mitstreitern gestört.

Matthias Wahl wird später im Ziel auch erzählen, dass er das ein oder andere Mal einen Fußtritt am Körper abbekommen hat. Die größte Schwierigkeit beim Schwimmen im freien Gewässer besteht darin, dass man im Gegensatz zum Hallenbad nicht den Boden und somit auch keine Markierungen sieht. Immer wieder müssen sich die Schwimmer zwischendurch an den Bojen im See orientieren.

40 Minuten im Wasser

Als Matthias Wahl aus dem Wasser steigt, ist ihm die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Und als er unter der Zuschauerbrücke durchrennt und ihm seine Trainingspartnerin seine geschwommene Zeit zuruft, schnellt kurz die Siegerfaust nach oben und man merkt, dass er mit diesem Ergebnis zufrieden ist. Nun geht es ab in die Wechselzone: Im Laufen werden die Reißverschlüsse der Neoprenanzüge geöffnet und darunter hervor kommen die Anzüge, mit denen die nächsten 90 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Mit dem Pendelbus an die Radstrecke

Während Matthias sich auf dem Fahrrad befindet, gehen Mutter, Freundin, Trainingspartnerin und der fotografierende Nachbar erst mal frühstücken und genehmigen sich einen Kaffee. Ständig wird die genaue Position überwacht und ein Plan erstellt, wo man den radelnden Dachdecker jetzt abpassen kann. Man entscheidet sich für den kostenlosen Pendelbus, welcher  die Zuschauer an das jeweils gewünschte Ziel bringt. In Menzingen an der Rennstrecke angekommen erhofft man sich, ihn auf dem Rundkurs einmal auf dem Hin- und ein zweites Mal auf dem Rückweg zu sehen. Matthias fährt aber schneller als gedacht und so wird er nur einmal an seinen Fans vorbeifahren.

In der fast unerträglichen Hitze sind die Schattenplätze am Straßenrand Mangelware und die grellgelben Shirts ziehen die Mücken an. Durch die Satellitenverfolgung auf dem Telefon kann der genaue Zeitpunkt der Ankunft in der Fankurve vorausgesagt werden. Mit Hupen und lautem Rufen steht das Unterstützerquartett am Rand der Rennstrecke und überrascht Matthias. Sichtlich erfreut winkt er lächelnd in die Kamera, als sei er auf einer gemütlichen Spazierfahrt. „Ich habe nicht gedacht, meine Leute unterwegs beim Radfahren zu treffen“ erzählt er im Ziel.

Die Schock-Minuten der Ungewissheit

Während die vier Begleiter sich wieder auf den Weg nach Bad Schönborn machen, ist die ganze Zeit das Mobiltelefon unter Beobachtung. Bange Minuten plötzlich im Bus, als der Punkt auf der Karte stehen bleibt und sich nicht mehr bewegt. Steht Matthias an einer Verpflegungsstation? Hat er eine Reifenpanne und muss den mitgeführten Ersatzschlauch wechseln oder ist er gar gestürzt? Später wird sich glücklicherweise herausstellen, dass es wohl ein technischer Fehler war, der ihn für einige Minuten auf dem Schirm unsichtbar gemacht hat.

Zum Schluss noch der Halbmarathon

Bis die Pforzheimer Verfolger schwitzend am Straßenrand von Bad Schönborn angekommen sind, hat Matthias schon längst das Rad verlassen und befindet sich auf der Laufstrecke. Einundzwanzig Kilometer müssen die Triathleten noch zu Fuß zurücklegen, das heißt, dreieinhalb Mal müssen sie auf dem heißen Asphalt den Rundkurs bewältigen und jedesmal, wenn er an der Erfrischungsstation – wo sich jetzt der Fanblock platziert hat- vorbeikommt, meint man, er würde demnächst aufgeben. Doch Matthias holt nochmal alle Reserven aus sich heraus, beim letzten Vorbeirennen ruft er glücklich: „Nur noch sechs Kilometer, gleich hab ich’s“.

Große Party beim Zieleinlauf

Im Zielbereich kommen die Läufer im Sekundentakt über den roten Teppich hereingelaufen. Vereinzelt werden sie vom Moderatorenteam begrüßt, die Musik hämmert mit lautem Bass und motiviert nochmal auf den letzten Metern. Unter dem luftgefüllten Ziel-Tor hängt eine Anzeigetafel, welche die exakte Zeit der Teilnehmer*innen zeigt. Bei Matthias Wahl bleibt sie stehen bei 6 Stunden, 4 Minuten und 49 Sekunden. Eine grandiose Zeit, bedenkt man, dass das die allererste Teilnahme von Matze an einem Triathlon war.

Nur das Ankommen im Kopf

„An was denkt man eigentlich, während man unterwegs ist?“ haben wir den Arlinger Sportler am Schluss gefragt. Seine Antwort kommt spontan: „An gar nichts. Wenn du mal auf der Strecke bist, hast du nur das Ziel vor Augen. Du schwimmst, fährst und rennst in deinem Takt und willst nur ankommen.“

Zum Abschluss kommt er aus dem Teilnehmer-Bereich und zeigt glücklich seine Trophäen: Eine Medaille und ein T-Shirt, auf dem im Nacken seine Zeit aufgedruckt ist. Stilecht gibt es noch eine Sektdusche und nach einem kurzen Besuch in der Stammkneipe in Pforzheim hat Matthias nur noch einen Wunsch: Duschen und Schlafen.

Weitere Laufaktivitäten stehen demnächst auf dem Programm in Karlsruhe, Mühlacker, Pforzheim und auf Rügen.

Über Björn Fix 137 Artikel
Björn Fix (bf), Jahrgang 1970, passionierter Fotoreporter und ständiger Mitarbeiter bei PF-BITS seit der ersten Stunde. Als gut informierter, zuverlässiger und gern gesehener Zuschauer und Beobachter ist er vor allem zuständig für aktuelle und "fixe" Berichterstattungen aus der Region.