Geht dem Pforzheimer Gruschtelmarkt die Luft aus?

Als Institution galt der Pforzheimer Gruschtelmarkt viele Jahre lang und viele sehnen sich nach der Zeit, als der Gruschtelmarkt noch auf dem Marktplatz und in der Innenstadt beheimatet war. Denn das mit dem Flair an der neuen Stelle ist so eine Sache.

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Das Toilettenhäuschen am Bootspick zeigte am Samstagabend eine buchstäblich dunkle Seite – es hatte nämlich bis nach Einbruch der Dunkelheit kein Licht und noch nicht einmal einen Stromanschluss. Der freilich wurde dann mit einem hastig gelegten und ohne Stolperschutz verlegten Kabel vom Stadttheater aus nachgereicht, als selbst für Adleraugen die karge Wegbeleuchtung nicht mehr zur Unterscheidung von Pappe und Porzellan ausreichte.

Dennoch zogen am Samstagabend und am Sonntag rund 350 Verkäufer rund um das Stadttheater ihre Zelte und Tische auf und boten ihren “Gruschd” feil. Von der Modelleisenbahn bis zur fideligen Geige und von der Schallplatte bis zum Konfirmationsanzug – viele konnten auf ihre Kosten kommen, wenn sie denn lange genug suchten. Und auch viele Händler zeigten sich zufrieden. Vor allem diejenigen, die sich weniger auf eine Nische spezialisierten, sondern als “Generalist” für viele Suchende ein Angebot hatten.

Einige Stände mussten die Organisatoren dann aber doch räumen lassen, weil sie eines taten, was auf einem Flohmarkt gar nicht geht – Neuware verkaufen. Ein Anbieter hatte sich beispielsweise komplett auf originalkonfektionierte Socken spezialisiert; kaum als Hobby zu deklarieren. Und an einem anderen Stand wurden gleich kistenweise originalverpackte Videospiele angeboten und die auch noch zu echten “Mondpreisen”.

Aber auch sonst hinterließ der Gruschtelmarkt am Waisenhausplatz so manch ratloses Gesicht. Viele professionelle Händler – seltsamerweise viele aus dem Kölner Raum – waren zwar mit teilweise hochwertigem Verkaufsportfolio vor Ort, der konnte jedoch beispielsweise auf der gesperrten Straße am Waisenhausplatz nicht ansatzweise einladend präsentiert werden. Dazu kam, dass auch noch am späten Samstagabend immer wieder Autos in den eigentlich gesperrten Waisenhausplatz einfuhren, um Stände und Waren anzuliefern. Parkende Autos und gar ein LKW vor dem Haupteingang des Stadttheaters hätte man auch vermeiden können.

Fazit vieler Besucher: Nett, aber war früher in der Innenstadt netter. Da gab es zuletzt sicherlich einiges an Verbesserungsbedarf, aber was jahrzehntelang in der Innenstadt prima funktioniert hat, könnte man mit einem überarbeiteten Konzept und besserer Steuerung doch gern noch einmal probieren. Denn auf der Straße lässt es sich halt einfach nicht gemütlich bummeln.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.