Gemeinsam statt Einsam – Weihnachten in der Diakonie

„Kannst du mir bitte noch drei Brotscheiben einpacken, damit ich morgen früh was zum frühstücken hab?“ wird am Eingang der Küche gefragt, als es um die Verteilung der Reste an diesem Nachmittag geht. Wer das hört, dem wird bewusst, was es bedeutet, daheim einen gut gefüllten Kühlschrank zu haben und aus unzähligen Lebensmitteln aussuchen zu können. Die Reste sind übrig bei der Weihnachtsfeier der Diakonie im Hermann-Maas-Haus, hier haben die Pforzheimer gefeiert, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite der Straße leben. Viele sind alleine, haben keine Familie mehr oder wenn, dann wohnt diese weit weg oder es gibt auch manchmal einfach keinen Kontakt mehr.

Ein Weihnachtsfest fast wie in einer Familie

Seit über 20 Jahren wird dieses Fest angeboten und auch sehr gerne angenommen. Es gibt viele, die kommen regelmäßig nur an Weihnachten hierher, um jedenfalls ein klitzekleines Stückchen vom sogenannten „Fest der Liebe“ abzubekommen. Hier dürfen sie mal genießen und stehen im Mittelpunkt, bekommen nicht wie sonst mißachtende Blicke, weil sie in einem Mülleimer nach weggeworfenem Pfand suchen. Heute kommt jemand an den Tisch und fragt, was man denn trinken möchte und bringt das gewünschte Getränk. Es sind die kleinen Gesten, die hier glücklich machen: die Begrüßung mit Handschlag am Eingang oder das Lächeln im Vorbeilaufen. Um das Programm etwas zu entschleunigen, wurde auf Kaffee und Kuchen verzichtet. „Früher war alles etwas hektischer, zuerst Kaffee, dann die Andacht und anschließend Abendessen – da war eine gewisse Unruhe vorprogrammiert,“ erzählt Sabine Jost, Geschäftsführerin der Diakonie in Pforzheim. Heute sitzen die Besucher in Tischgruppen zusammen und werden von den sogenannten Tischpaten betreut. Zur musikalischen Gestaltung der Feier wurde zum zweiten Male der Pforzheimer Sänger Lu Thomé eingeladen, er begleitet auf seiner Gitarre die Lieder der Andacht und spielt auch später beim Essen leise im Hintergrund.  Die kleine Andacht hält gleich zu Beginn hält Dekanin Christiane Quincke, die Fürbitten für alle diejenigen, die alleine, einsam und ohne Wohnung sind, klingen noch intensiver, als in einem gewöhnlichen Gottesdienst, hat man doch genau diese Betroffenen um sich sitzen. Und schaut man dann in die Runde, fragt man sich beim ein oder anderen tatsächlich, wie dieser Mensch am Abend wohl feiern wird, wenn sich andere unterm reich geschmückten Weihnachtsbaum neue Telefone, exclusive Duftwässer oder teures Spielzeug schenken. Und war es auch noch vorher hektisch, so schafft es diese kleine Andacht, ein bisschen Ruhe in die Menge zu bringen, alte Weihnachtslieder werden gesungen und man sieht glückliche Menschen, welche sich freuen, diese Momente mit vielen anderen erleben zu dürfen.

Schnitzel mit Kartoffelsalat, grünem Salat und Nachtisch als Festmahl

Im Saal merkt man von der regen Betriebsamkeit, die zwischenzeitlich im Vorraum herrscht, nicht viel. Hier ist mittlerweile das Essen in großen Thermoboxen angeliefert worden und die Helfer kümmern sich um die Verteilung. Flinke Hände richten den grünen Salat an, in bereitgestellten Schüsseln wird der Kartoffelsalat verteilt und obwohl die wenigsten der ehrenamtlichen Mitarbeiter gastronomische Erfahrung haben, klappt die Verteilung fast perfekt und die panierten Schnitzel werden auf große Platten gelegt. Wieder übernehmen die Tischpaten diese Arbeit und versorgen ihre Gäste, schauen zu, dass alles zeitgleich verteilt wird und einem gemeinsamen Essen nichts im Wege steht. Und während an den Tischen der Nachtisch gelöffelt wird, bleibt für die Helfer keine Ruhe zum Verschnaufen. Kartonweise holen sie aus den hinteren Räumen vorbereitete Geschenke. Auffällig sind in der Helfermenge zwei junge Fraue, Marlen und Julie Mansfeld, welche die ganze Zeit schon engagiert ihren Tisch versorgen. „Unsere Mama arbeitet bei der Diakonie und hilft auch mit und wir haben uns entschlossen, sie heute zu unterstützen.“

Das Christkind bringt Essen für die Feiertage

In großen Papiertüten sind Lebensmittel verpackt, damit über die Feiertage nicht jede Küche kalt bleiben muss. „Bei mir gab’s Schwierigkeiten bei der Geldüberweisung vom Arbeitsamt, das heute war wohl für längere Zeit mein letztes warmes Essen“ sagt ein Mann mit trauriger Stimme und freut sich um so mehr über sein Geschenk. Und damit er über die Feiertage was zum Lesen hat, nimmt er sich von einem großen Stapel die Weihnachtsausgabe vom Pforzheimer Kurier und verschwindet mit seinen Taschen in die Nacht.
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Björn Fix (bf), Jahrgang 1970, passionierter Fotoreporter und ständiger Mitarbeiter bei PF-BITS seit der ersten Stunde. Als gut informierter, zuverlässiger und gern gesehener Zuschauer und Beobachter ist er vor allem zuständig für aktuelle und "fixe" Berichterstattungen aus der Region.