Wohin geht ihr, Pforzheimer Bäder?

Gekommen waren sie vorletzten Samstag mit Trillerpfeifen und Tröten, Transparenten und Plakaten: die rund 1.000 Pforzheimer, die dafür kämpfen, dass das Emma-Jaeger-Bad, das Nagold-Freibad, das Wartberg-Freibad und das Stadtteilbad in Huchenfeld nicht geschlossen werden. Die Sportler vom Schwimmclub, die Saunafreunde, DLRG-Mitglieder, Mütter mit ihren Kindern und Aquajogger: Jeder Einzelne nutzt die Bäder auf seine Weise und ist selbstverständlich dafür, dass die Bäderkultur erhalten werden muss.

Und wenn man den nicht ganz fairen, journalistischen Kniff praktiziert, Pforzheimer Bürger auf der Straße nach ihren ganz persönlichen Erlebnissen im Emma-Jaeger-Bad zu fragen, dann wird es noch deutlicher: Das „Emma“ weckt bei Jung und Alt durchaus Emotionen. Umso erstaunlicher, wie es so viele Jahre hat regelrecht verkommen können und wie wenig es für viele Entscheidungsträger an Wert hat.

Öffentliche Bäder im Wandel der Zeit

Zugegeben, Schwimmbäder in öffentlicher Trägerschaft ernten selten Dank und Wertschätzung, wie es einmal vor vielen Jahren war, als Schwimmbäder noch „Volksbäder“ hießen und für viele so genannte „kleinen Leute“ die einzige Möglichkeit waren, neben der „Katzenwäsche“ in der heimischen Küche in den Genuss einer richtigen Dusche oder eines Bades zu kommen. Heute sind es „Spaß- und Erlebnisbäder“, die, oftmals privat betrieben, noch Familien ins Schwimmbad locken.

Die muss man nicht verteufeln, aber für die muss man rechtzeitig Rahmenbedingungen schaffen. Erstaunlich, dass ein Oberzentrum wie Pforzheim dazu offenkundig nie in der Lage war. Und das vor allem mit der Existenz einer guten, öffentlichen Bäderstruktur begründet wurde. Die dann aber eben lange Jahre und Jahrzehnte nicht wertgeschätzt wurden und so weit verkommen konnten, wie sie jetzt sind. Das ist ein Skandal.

Wer sagt’s dem Bürger?

Der andere Skandal ist – wieder einmal – die fehlende Kommunikation und die fehlende Bereitschaft, den Bürger dann einzubinden, wenn noch nicht projektiert ist. Ein Blick in den Masterplan-Prozess, der für viel Geld eine Menge an stadtentwicklerischen Input aus der Bürgerschaft lieferte, zeigt im Handlungsfeld „Strategische Neuausrichtung der Bäderlandschaft in der Stadt Pforzheim„, was eigentlich einst unter anderem gewünscht war:

„Ziele

Ziele sind der Erhalt des Bestandes und die Steigerung der Attraktivität für den öffentlichen Badebetrieb, für Schulen, Vereine und andere Gruppen.“

Und auch:

„Der Beteiligungsbeirat wurde am 17.11.2016 über den Sachstand unterrichtet. Es ist beabsichtigt, für die Variante ‚Zubau eines Hallenbades auf dem Wartberg als Familien-, Freizeit-, und Sportbad‘ eine Bürgerbeteiligung durchzuführen. Ein Konzept hierfür wird gerade erarbeitet.“

Nun fährt der Zug nach Fahrplan bis zum Dienstag, an dem der Gemeinderat über die zukünftige Bäderstrategie entscheiden will.Die Ziele mit Neubau auf dem Wartberg, Sanierung des Emma-Jaeger-Bades, Schließung von Nagoldbad und Sanierung der Schwimmhalle Huchenfeld mit der Auflage eines Finanzierungsvorbehaltes sind definiert, aber niemand weiß, wie die Weichen gestellt sind. Was aber letztlich, wenn wir schon bei triefendem Sarkasmus angekommen sind, auch egal sein dürfte, da dieser Zug keine Personenwagen hat. So Sätze wie „Rettet unsere Schwimmbäder!“ und „Sie nehmen uns das Freibad weg!“ bestimmen die vermeintliche Teilhabe der Bürgerschaft am Prozess.

Es ist alles so, wie früher. Es ist ein Elend.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.