Pforzheims Tränenbecken

Wie lähmende Blockadepolitik zusammen mit Verschleiß bestehender Bäder dazu führt, dass nichts mehr geht und wir diesen Teufelskreis dringend beenden müssen.

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So wirklich lustig sind sie nicht, die Pressemitteilungen der Stadt, wenn wieder irgendwo in einem Pforzheimer Schwimmbad etwas kaputtgeht. Und sehen wir das erst einmal nüchtern: In jedem Schwimmbad geht jeden Tag etwas kaputt und eine Revision der Decke des Fritz-Erler-Bades war sowieso schon für die Sommerferien geplant.

Dass aber bei jedem Schaden die ganz große Maschinerie mit Pressemitteilungen, Statements des für die Bäder zuständigen Bürgermeisters, kurzfristige Pressetermine vor Ort mit Fotos der Bäderverantwortlichen notwendig geworden sind, das ist gänzlich allein der derzeitigen Bädermisere und der immer noch fehlenden Bäderstrategie von Stadtverwaltung und vor allem des Gemeinderats anzulasten. Es hyperventiliert beim Thema Bäder an allen Ecken und Enden ganz gewaltig und das nun schon seit Jahren.

Es muss nun daher wirklich Schluss damit sein, das Thema Schwimmbäder für Grabenkämpfe und populistische Sperenzien auszunutzen, egal aus welcher Ecke sie kommen. Keine Schwimmbadeinrichtung hält mit ewigen Diskussionen länger und kein neues Schwimmbad in Pforzheim wird eher gebaut, wenn das Projekt Innenstadtentwicklung-Ost nicht gebaut würde, auch wenn die Fraktion, die das immer und immer wieder zu implizieren versucht, vor allem mit diesem Thema bei den Kommunalwahlen gepunktet hat und jetzt die größte im Gemeinderat darstellt.

Schlimm dabei ist, dass diese ewigen Diskussionen und die Versuche, das Projekt Innenstadtentwicklung-Ost mit einer Bürgerentscheid zu blockieren, keine echte, zukunftsorientierte Prioritätensetzung im Gemeinderat ermöglicht und vor allem kein gutes Bild in der Außenwirkung in Richtung Stadtgesellschaft bietet. Nein, die Schwimmbäder gehen nicht durch das Projekt Innenstadtentwicklung-Ost kaputt, der Gemeinderat „opfert“ nicht die Innenstadt und das Technische Rathaus für Schwimmbäder und auch an Plänen für eine zukünftige Bäderstrategie fehlt es wahrlich nicht.

Man muss aber den Leuten in der Stadtverwaltung – allen voran den Bürgermeistern – endlich einmal zuhören und deren Ideen im Detail auch diskutieren, anstatt sofort öffentlich die Kompetenz des Ideen-Verantwortlichen übel anzugreifen, so wie es Bürgermeister Dirk Büscher bei der Vorstellung des Bürgerbades/Kombibades ergangen ist. So verbrennen am Ende alle machbaren Ideen völlig unnötig und vor allem auf unsachliche Art und Weise. Das ist keine verantwortungsvolle Politik, sondern eher Amphitheater. Ein neues Schwimmbad entsteht dadurch nicht.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.