Pforzheim hat einen neuen Küchengroßmeister

Horst Ruppert aus Aschaffenburg verliest das Juryurteil

Pforzheimer "Chuchi Reuchlin" ein Verein für kochende Männer, die in ihrer Freizeit als Hobbyköche den Kochlöffel schwingen.

(Lesezeit: 6 Minuten)

Was sich im Titel auf den ersten Blick anhört wie ein Siegerplatz in einer x-beliebigen Fernsehkochshow, liest sich in der französischen Version schon deutlich besser an: „Grand Maître de Chuchi.“ Und das ist nicht irgendein Titel, sondern der höchste Rang als Hobbykoch, den man sich in einer „Chuchi“ erarbeiten kann. Eine „Chuchi“, das alemannische Wort für „Küche“ und genau so ausgesprochen, wie es geschrieben wird, ist eine Gliederung des „CC-Club kochender Männer in der Bruderschaft Marmite“, einem internationalen Club von Hobbyköchen, die einmal im Monat gemeinsam kochen. und essen. Die Chuchis verstehen sind nicht nur als Kochtreff, sondern wollen auch die Sitten in der Küche und am Tisch pflegen und erhalten.

Der Pforzheimer Frank Scholz, im Hauptberuf selbstständiger IT-Berater, hat sich am Samstag den höchsten Küchenchef-Rang erarbeitet und das erst nach einigen Jahren Mitgliedschaft und einer steilen Karriere. Vom „Apprenti“ geht es als Neumitglied zunächst zum „Chef de Chuchi“ (Küchenchef), dann zum „Maître de Chuchi“ (Küchenmeister) und später zum Grand Maître de Chuchi. Jede Stufe muss sich ein so genannter „Kochbruder“ mit immer mehr Kochleistung hart erarbeiten. So hat Scholz am Samstag gleich ein mindestens siebengängiges Menü kochen müssen und dabei darf nur ein Kochbruder als Beikoch mithelfen. Gleich zwölf Gänge hat das Team gekocht und geliefert und das für acht Personen. Das erfordert lange Vorbereitung und vor allem exaktes Timing über mehrere Stunden hinweg.

Frank Scholz (rechts) mit seinen Kochbrüdern (von links) Bernd Roller, Georg Heilmann und Jörg Walter

Denn geprüft wird durch eine mehrköpfige Jury, die ausschließlich aus Grand Maîtres aus anderen Chuchi-Gliederungen besteht und ebenfalls ihr Handwerk versteht. Da wird nicht nur auf eine möglichst raffinierte Geschmackskomposition geachtet, sondern auch auf Textur der einzelnen Zutaten, einer geschmackvollen Präsentation und auch auf die Auswahl der korrespondierenden Weine. Es ist keinesfalls übertrieben, wenn gesagt wird, dass von einem Küchengroßmeister durchaus Ergebnisse auf Sterneniveau erwartet werden.

Frank Scholz

Und dabei kann auch etwas schiefgehen: So kündigte Scholz in seinem Menü „Schwarzwälder Kirsch“ mit einer mit Schokolade überzogenen Kirsche an, die mit einer roten Soße versehen werden sollte. Doch die war trotz größtem Einsatz nicht pünktlich auf eine kühle Temperatur zu bekommen, so dass die Soße das gesamte Dessert hätte ruinieren können. Also musste es ohne gehen, was der Jury natürlich auch sofort auffällt: Schwarzwälder Kirschtorte hat immerhin einen roten Klecks.

Und so ist dann auch die Wertung der Jury kein einfaches Zuckerschlecken, sondern durchaus auch mit Kritik versehen. Allerdings, so wie auch in der gesamten Vereinsarbeit, mit konstruktiver Kritik. Besser machen kann man fast alles.

Die fachkundige Jury beim Testen eines Menüganges

Hat man dann aber den Segen der Jury für die Großmeisterschaft, kommt die Überreichung des passenden Ordens und das Trinken eines Schlückchens Champagner aus dem Löffel des „Großlöffelmeisters“ Hans-Peter Maichle aus Geislingen, der hierzu einen Esslöffel verwendet – eineinhalb Meter lang. „Ein weiterer Badener, der kochen kann“, so Maichle zu den Kochkünsten von Neu-Großmeister Frank Scholz mit verschmitztem Lächeln, „und das sage ich als Württemberger!“

Pforzheimer Chuchi bald 60 Jahre alt

1963 wurde die Pforzheimer „Chuchi Reuchlin“ gegründet, immerhin erst drei Jahre nach Gründung der ersten Chuchi Deutschlands in Oppenheim. Heute gibt es rund 120 Gliederungen in Deutschland mit rund 1.300 Kochbrüdern. „Brüder“ ist dabei wörtlich zu verstehen, da Chuchis Bruderschaften sind und nur Männer kochen. „Wir sind aber kein elitärer Club und auch keine schlagende Verbindung“, so der Pforzheimer Chuchi-Chef Georg Heilmann. Dennoch duzt man sich auch chuchi-übergreifend und trifft sich auch zu regionalen, bundesweiten und auch internationalen Treffen. Und auch die Gattinnen der Kochbrüder haben Clubverbindung, beispielsweise mit einem jährlichen „Damenabend“, bei dem die Kochbrüder die Kochlöffel für ihre besseren Hälften rühren.

Mit 13 Kochbrüdern in Pforzheim wünscht sich die Vereinsführung durchaus Nachwuchs im Verein, der keinesfalls als Küchenprofis daherkommen muss. Spaß am Kochen und auch die Fähigkeit, ein Menü nachzukochen sei wichtig, so Heilmann. Ansonsten legen Chuchis aber Wert darauf, Wissen und Fähigkeiten zu teilen. Interessierte können zunächst zum „Reinschmecken“ an Kochabenden teilnehmen und werden dann gefragt, ob sie Interesse an einer Mitgliedschaft haben. Und hier gibt es die einzigen zwei Hürden: Die Mitgliedschaft muss einstimmig von allen Kochbrüdern befürwortet werden und für den nach dem Eintritt geltenden „Apprenti“-Status muss ein zubereitetes Omelett erfolgreich mit einer „Luftwendung“ gewendet werden können. Das lässt sich spätestens seit YouTube immerhin auch praktisch üben und sollte für einen Mann, der den Primärzweck einer vernünftigen Pfanne kennt, kein großes Hindernis sein.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.