„Dem Homo Sapiens wird es allmählich zu warm“

Klimaforscher Stefan Rahmstorf im Studium Generale der Hochschule Pforzheim

Klimaforscher Stefan Rahmstorf zu Gast im Studium Generale der Hochschule Pforzheim.

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Rein virtuell ist das Studium Generale der Hochschule Pforzheim dieses Wintersemester zu Ende gegangen. In Kooperation mit dem Umweltdezernat der Stadt Pforzheim ist es den Professorinnen Dr. Christa Wehner und Dr. Frauke Sander gelungen, den renommierten Klimaforscher Stefan Rahmstorf für das Pforzheimer Publikum zu gewinnen. Dank Youtube-Livestream konnten auch Nicht-Pforzheimer dem Vortrag von zu Hause aus folgen.

Stefan Rahmstorf, Ph.D., Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam und tätig am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, machte in seinen Ausführungen über den „Klimawandel und die Zukunft der Meere“ deutlich, wie sehr der Klimawandel und die damit einhergehenden Folgen vom Menschen verursacht sind. Noch nie sei es auf der Erde in der Geschichte des Homo Sapiens so warm gewesen wie aktuell. Anhand mehrerer Diagramme beschrieb Rahmstorf den ununterbrochenen Anstieg der Erderwärmung, insbesondere seit der Mensch die Industrialisierung in Gang setzte. Dies habe im 19. Jahrhundert schon Alexander von Humboldt beschrieben. „Seit Beginn des Industriezeitalters ist der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre auf den höchsten Wert seit mindestens drei Millionen Jahren gestiegen. Wir katapultieren uns damit aus dem Holozän hinaus – schon jetzt liegt die globale Temperatur höher als jemals in der Geschichte der menschlichen Zivilisation, und sie steigt weiter“, sagte Rahmstorf mit ernster Miene.

Meere als Schlüssel für zukünftiges Weltklima

Auch die Weltmeere seien davon massiv betroffen. „93 Prozent der im Zuge der Erderwärmung zusätzlich aufgenommenen Wärmeenergie landen im Ozean. Das führt nicht nur zu einer Erwärmung des Meerwassers und zu sogenannten marinen Hitzewellen, sondern auch zu Meeresspiegelanstieg, Abschwächung des Golfstromsystems und Korallensterben.“ Daraus resultierten viele weitere Folgen, die zu dramatischen Veränderungen für die Menschen führten. So nehme seit mehr als drei Jahrzehnten die Sommereisdecke in der Arktis immer mehr ab. Die verkleinerte Eisoberfläche kann dadurch deutlich weniger Sonnenlicht zurückstrahlen, so dass mehr Sonnenenergie vom Meer absorbiert wird und das Meer sich so erwärmt.

Noch sei der dadurch bedingte Anstieg des Meeresspiegels moderat. Schaffe man es jedoch nicht, das Pariser Abkommen einzuhalten und die Erderwärmung zu begrenzen, beschleunige sich dieser Prozess massiv. Die Folge wären nicht mehr bewohnbare Küstenregionen sowie ganze Inseln, die quasi untergehen würden. „Worst Case wäre bei gleichbleibenden aktuellen Emissionsentwicklungen, dass der Meeresspiegel bis 2300 um vier Meter steigen würde. Schaffen wir Menschen es jedoch, so Rahmstorf, die Vereinbarungen des Paris-Abkommens einzuhalten, steige der Meeresspiegel „nur“ um einen Meter. So oder so eine Katastrophe, „die wir Menschen aber verhindern können. Das liegt jetzt an uns“, so Rahmstorf.

Aber nicht nur der Mensch sei betroffen. Durch die Erwärmung entstünden auch immer mehr sauerstoffarme Todeszonen unter der Meeresoberfläche. „Das Korallensterben ist schon längst in Gang. Ich kann Ihnen nur sagen: Die Klimakrise ist real, sie ist spürbar und sie ist von uns Menschen verursacht und deshalb müssen wir dringend handeln und unsere Emissionen verringern. Das Pariser Klimaabkommen sollte konsequent umgesetzt werden“, appellierte Stefan Rahmstorf zum Schluss seines detailreichen Vortrags.

Der für den 25. November 2020 geplante Vortrag des Studium Generale wird verlegt. Professor Dr. jur. Heribert Prantl wird im Sommersemester nach Pforzheim kommen und spricht über „Journalismus zwischen Morgen und Grauen“.

(Pressemitteilung Hochschule Pforzheim/bka)

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