Kundgebung am Wallberg mit 20 Teilnehmern – und 200 Gegendemonstranten

Gegendemonstranten zur NPD-Kundgebung auf dem Wallberg

Kundgebung und Protestveranstaltung verlaufen am Samstag friedlich.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Etwa 20 Personen waren am Samstag dem Aufruf zu einer NPD-Versammlung zum „Andenken an die Bombardierung Pforzheims im Zweiten Weltkrieg“ am Pforzheimer Wallberg gefolgt. Redebeiträge hielten unter anderem von NPD-Landesgeschäftsführer Alexander Neidlein und Edda Schmidt.

NPD-Kundgebung auf dem Wallberg

Südlich vom Wallberg-Parkplatz zum Fuße des geschichtsträchtigen Orts versammelten sich die Personen mit Fahnen und Fackeln, untermalt von Musik wie der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner und dem Soldatenlied „Ich hatt‘ einen Kameraden“.

Gegendemonstration mit zehn Mal mehr Teilnehmern

Nordwestlich des Wallberg-Parkplatzes, direkt am Aufgang auf das Wallberg-Plateau, versammelten sich bis zu 200 Gegendemonstranten aus einem breiten Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, dem Bündnis „Pforzheim nazifrei“, dem Rat der Religionen, der Initiative gegen Rechts, der Antifa und auch den Omas gegen Rechts. Als Vertreter der Politik waren unter anderem die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast, die Landtagskandidaten Annkathrin Wulff (SPD) und Felix Herkens (Grüne) und Stadtrat Christof Weisenbacher in den Reihen der Gegendemonstranten zu sehen.

In Redebeiträgen verurteilten Gerhard Brändle, Träger der Pforzheimer Bürgermedaille und Christian Schmidt von der Initiative gegen Rechts die NPD-Versammlung. Brändle verwies auf das Schicksal von Zwangsarbeitern in Pforzheim, während Schmidt in seiner Rede darauf verwies, dass mit dem Erlaubnis der NPD-Versammlung „eine offen faschistische Partei, die auf den Trümmern und auf den Toten dieser Stadt ihre faschistischen Gedanken verbreiten“ wolle. Der Wallberg sei bisher für Demonstrationen eine Tabuzone gewesen, „gedacht als Gedenkort, Ort der Mahnung, aber auch der Versöhnung mit den damaligen Feinden“.

Schmidt sparte auch nicht an scharfer Kritik an OB Peter Boch: „Oberbürgermeister Boch hat sich einmal mehr viel Mühe gegeben zu erklären, warum dieser Aufmarsch nicht verboten werden kann. Mit Verlaub, Herr Boch, wir glauben Ihnen nicht.“ Es müsse eine Möglichkeit geben beziehungsweise alles versucht werden, so Schmidt weiter, um Organisationen das Handwerk zu legen, „die den Umsturz mit demokratischen Mitteln versuchen“. Im Kampf gegen Faschisten bedürfte es „nun einmal auch ein bisschen Mut“. Und: „Warum, Herr Boch, stehen Sie heute nicht mit den Menschen dieser Stadt hier oben und zeigen Gesicht gegen Faschismus?“

Polizei spricht von störungsfreiem und friedlichen Ablauf

In einer Mitteilung schreibt die Polizei, dass sowohl die um 15 Uhr angefangene Gegendemonstration, als auch die eine Stunde später startende NPD-Versammlung insgesamt „störungsfrei und friedlich“ abgelaufen sind. Unter anderem Bürgermeister Dirk Büscher und Ordnungsamtsleiter Wolfgang Raff beobachteten die Szenerie vor Ort.

Die NPD-Versammlung endete um 17:20 Uhr, nachdem 17:30 Uhr als Vorgabe für ein geplantes Ende gegeben wurde. Die Teilnehmer der Gegendemonstration verließen den Bereich gegen 17:40 Uhr.

Einige der Teilnehmer der Gegendemonstration versammelten sich spontan zu einem Aufzug in Richtung Brötzingen über die Kurze Steig, die nach kurzer Diskussion als „Spontan-Demo“ bis zum Brötzinger Bahnhof fortgeführt wurde. Dieser wurde in der Nähe des Bahnhofs beendet. Das Polizeipräsidium Pforzheim wurde durch Kräfte des „Polizeipräsidiums Einsatz“ unterstützt.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.

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