Pforzheim Schlusslicht bei der Impfquote – hausgemacht?

Kreisimpfzentrum Pforzheim

Zahlen des Sozialministeriums offenbaren eine sehr schlechte Impfquote für den Stadtkreis Pforzheim im Vergleich zum Land. Zahlen sprechen für sich.

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Gerade einmal 11,9 Prozent beträgt die Impfquote in Pforzheim. Das zeigt ein heute vom baden-württembergischen Ministerium für Soziales und Integration. Und dabei sind zunächst nur Personen gemeint, die überhaupt eine Impfung erhalten haben; die Impfquote bei vollständig geimpften Personen beträgt für den Stadtkreis Pforzheim gar nur 4,2 Prozent. Deutlich besser hierbei der Enzkreis, der mit 22,5 Prozent bei Erstgeimpften und 6,5 Prozent bei vollständig geimpften Personen daherkommt.

Zum Vergleich: Die Impfquote für das gesamte Land Baden-Württemberg betragen bei der Erstimpfung 28,2 Prozent, für vollständig geimpfte Personen 7,8 Prozent. Die bundesweiten Zahlen liegen für den gestrigen Dienstag noch einen Tick höher, nämlich bei 28,7 Prozent bei Erstgeimpften und 8,1 Prozent bei vollständig geimpften Personen.

Junge und noch nicht impfberechtigte Bevölkerung?

Eine Begründung der Stadtverwaltung für die deutlich niedrigeren Impfquoten in Pforzheim seien zum einen eine „besonders junge Bevölkerung“ in Pforzheim, was aber die Zahlen des Statistischen Landesamtes so nicht hergeben. Während nämlich das Durchschnittsalter der Bevölkerung im Land bei 43,6 Jahren liegt (Stand: 2019), liegt dieser in Pforzheim nur minimal niedriger bei 42,7.

Eine weitere Erklärung könnte der hohe Anteil an Migranten sein, die bisher noch nicht den Weg zu einer Impfung gefunden habe. Das könnte sich zumindest an Städten im Land mit ähnlich hohem Migrantenanteil decken; Mannheim beispielsweise kommt mit einer ebenfalls unterdurchschnittlichen Quote von 17,9 Prozent bei Erstgeimpften daher, Heilbronn nur mit 16,1 Prozent. Im Mannheim wurde hier in den letzten Tagen eine Gegensteuerung mit Vor-Ort-Impfungen in sozialen Brennpunktvierteln gestartet, die trotz kurzfristigen Aufrufen überdurchschnittlich viele Impfungen durchführten.

Kreisimpfzentrum zu klein?

Ein anderes und schwerwiegenderes Manko zeigt sich, wenn die Zahl der Impfungen im Kreisimpfzentrum mit anderen Impfzentren in Baden-Württemberg verglichen werden. Während das Pforzheimer Impfzentrum seit einigen Tagen nach eigenen Angaben eine Auslastung von 650 Impfungen hat, hat beispielsweise das Kreisimpfzentrum in Tübingen Kapazitäten von bis zu 2.500 Impfungen pro Tag – rund vier Mal so viel, wie in Pforzheim, obwohl der gesamte Landkreis Tübingen noch nicht einmal eine doppelt so hohe Einwohnerzahl wie Pforzheim hat. Schon an Ostern, als in Pforzheim noch rund 400 Impfungen pro Tag durchgeführt wurden, impfte man in Tübingen mit 2.200 Dosen mehr als fünf Mal so viel.

Dass es hier ein Problem gibt, zeigt sich auch bei jedem Impfwilligen ganz konkret: Impfungen im Pforzheimer Impfzentrum zu erhalten, ist ein deutlich schwierigeres Unterfangen, als bei einem anderen Impfzentrum in der Region.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.