„Vergleich ist der Anfang vom Unglück: Was uns wirklich glücklich macht“

Prof. Dr. Nadine Walter (l.) begrüßte zusammen mit Rektor Ulrich Jautz und Prof. Dr. Christa Wehner ihren Kollegen Hanno Beck (2. v.r.) Foto: Hochschule Pforzheim/Axel Grehl

Professor Hanno Beck gibt im Studium Generale Einblicke in die Glücksforschung.

(Lesezeit: 6 Minuten)

„Dakeschön“ – was im ersten Moment wie ein Schreibfehler anmutet, ist in Wahrheit die Quintessenz des Studium Generale Vortrags zur Glücksforschung. „Uns fallen sofort die Dinge auf, die fehlen – wie das n im Wort Dakeschön. Mir fällt auf, dass ich keinen Porsche fahre, dass ich keinen Waschbrettbauch habe – so achten wir immer nur auf die Dinge, die wir nicht haben und vernachlässigen dabei jene, die wir bereits besitzen“, so Professor Dr. Hanno Beck im Audimax der Hochschule Pforzheim. Jeden Abend beim Zähneputzen zu überlegen wofür man dankbar sei, das war daher einer der Tipps, die Beck dem Publikum mit nach Hause gab. Doch gehen wir erst einmal zurück an den Anfang: In seinen Vortrag „Glück – was im Leben wirklich zählt“ startete der Hochschulprofessor mit knapp 10 Minuten Verspätung, da der Besucherandrang im reichlich gefüllten Walter-Witzemann Hörsaal nicht enden wollte. Der Ansturm spiegelte das große Interesse am Thema Glück wider – rund 400 Menschen verfolgten den Vortrag vor Ort, knapp 1000 weitere online.

Professor Beck nahm die Hörer*innen des Audimax zunächst auf einen kleinen geschichtlichen Exkurs mit. Als Gründervater der Glücksforschung nannte er Jeremy Bentham, der bereits im 18. Jahrhundert das Nützlichkeitsprinzip entwickelte. Er dachte außerdem man könne ein „Hedonometer“ entwickeln – ein Instrument zur Messung von Glück. Mittlerweile habe jeder ein Hedonometer dabei, so Beck, doch dazu gleich mehr. Um sich der Glücksforschung zuwenden zu können, sei eine Definition von Glück wichtig. Hierbei stützte der Wissenschaftler sich auf Aristoteles, der folgende Unterscheidung etablierte: Glück als einen kurzen flüchtigen Moment (Hedonie) und Zufriedenheit, als eine subjektive innere Einschätzung (Eudaimonie). Auch die moderne Wissenschaft bestätigt dies und unterteile in die Neurotransmitter Dopamin, das für den kurzen Glückmoment zuständig sei, und Serotonin, das langfristig wirke. „In den meisten Fällen müssten wir also eigentlich von Zufriedenheitsforschung sprechen“, so Beck.

Wie misst man Zufriedenheit?

X (ehemals Twitter) ermöglichte eine besondere Art der Zufriedenheitsmessung. „Sie bekommen auf Twitter jeden Tag von Millionen von Menschen eine Rückmeldung wie es ihnen geht – einige Forschende haben die Wörter dort kategorisiert und codiert“, begründet Beck warum jeder von uns ein Hedonometer, sprich sein Handy, bei sich trage. Die Forscher hätten Wörter mit einer Skala belegt – eins stehe für Äußerungen, die mit dem Unglücklichsein in Verbindung gebracht werden. Begriffe, die für Glück stehen, erhielten eine zehn – der Saldo dieser Zahlen war somit ein Indikator für das Glücksgefühl der Bevölkerung. Zum anderen gäbe es die Möglichkeit, Fragebogen und Interviews einzusetzen. Diese am weitesten verbreitete Methode sei auch von Psychologen anerkannt, jedoch sei hier zu bedenken, dass es durch die gewählte Skala (ungerade oder gerade), kulturelle Unterschiede sowie die Art und Weise der Fragestellungen durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen könne.

Einige Ergebnisse der Glücksforschung stellte Beck an diesem Abend vor: Viele Likes zu verteilen und sein Statusbild in den verschiedenen Social Media Kanälen häufig zu aktualisieren, scheint eher ein Zeichen des Unglücklich-Seins; die Hochzeit ist tatsächlich der glücklichste Tag des Lebens, denn danach nimmt das Glücksempfinden von Paaren deutlich ab; wer seine Freunde häufiger sieht, ist ebenfalls zufriedener und ein konservatives Weltbild trägt auch zur Zufriedenheit bei. Neben diesen konkreten Einblicken nahmen die Besucherinnen und Besucher des Studium Generale aber vor allem eins mit: diese Ergebnisse der Glücksforschung kritisch zu hinterfragen. Anhand einer großen Menge Forschungsergebnisse zum Thema Glück und Zufriedenheit lud Hanno Beck dazu ein, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wie man zu diesen Themen steht. Er sprach dabei eine Warnung aus: Die Ergebnisse seien Durchschnittswerte und viele seien bei genauerem Blick statistisch angreifbar. „Entscheidend ist, dass ich anfange darüber nachzudenken: warum ist das so und ist das auch für mich so. Es ist eine Einladung die Dinge zu hinterfragen und kann ein Anstoß zur Änderung sein.“

Ein Stückchen Glück zum Mitnehmen

Neben der „Dakeschön-Übung“ hatte der Hochschulprofessor allerlei Tipps dabei, um die Zufriedenheit zu steigern. „Sie wollen glücklich werden? Halten Sie die hedonische Anpassung (Gewöhnungseffekt) an – stoppen Sie die Tretmühle, indem Sie sich immer wieder bewusst machen, was sie alles haben. Vergleich ist der Anfang vom Unglück“, betonte Beck. Zudem legte er den Zuschauern nahe, das Smartphone häufiger wegzulegen, Erlebnisse statt Dinge zu kaufen (jene nutzen sich nicht ab), Geld für andere auszugeben und wenn möglich nicht auf Kredit zu kaufen, da dies zur mentalen Buchführung und Stress führe. Er empfahl zudem viele kleine Anschaffungen, statt große Würfe – denn der Gewöhnungseffekt trete ohnehin ein.

Auch auf Weihnachten bezogen hatte der Ökonom weise Worte für die Besucher des Audimax im Gepäck: „Kommerz macht Weihnachten nicht besser“, Geschenke wären ein Stressfaktor. Was die Menschen zur Weihnachtszeit tatsächlich zufriedener stimmt: „Ich kann Ihnen familiäre Aktivitäten empfehlen, pflegen Sie Traditionen und Rituale, spenden Sie außerdem gerne etwas und wenn Sie etwas schenken möchten: dann gemeinsame Unternehmungen“, entließ Hanno Beck das Publikum unter minutenlangem Beifall. Sein Vortrag „Glück was im Leben wirklich zählt“ beschloss das Studium Generale im Wintersemester 2023/24.

Quelle(n): pm

Besim Karadeniz
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