Schlusspunkt für das „i-Dipfele“

Die Tage des "i-Dipfele" sind gezählt - endlich. Ein Abgesang auf einen städtebaulichen Anachronismus.

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Mit dem kommenden Abriss des „i-Dipfele“, des erstaunlicherweise mit Architekturpreisen versehenen Würfels am Marktplatz, starten weitere Arbeiten für das Projekt Innenstadtentwicklung-Ost. Höchste Zeit, ein paar Zeilen zum „i-Dipfele“ verlieren – ein Abgesang.

Mit damals elf Jahren gehörte ich Anno 1986, das Jahr in dem das „i-Dipfele“ eröffnet wurde, zu der Gruppe der Menschen, für die die Älteren dieser Welt angeblich die Zukunft planten, diese aber dabei gar nicht so richtig fragten. Nun gut, mit elf Jahren hätte ich auch nicht sonderlich viel substantielles zur Frage beitragen können, wie sinnvoll es ist, ein Gebäude mitten in eine Fußgängerzone zu bauen und mit diesem Bau ein ganzes Drittel der Pforzheimer Fußgängerzone abzuschneiden. Verwunderlich, und das weiß ich auch heute noch sehr genau, fand ich diese ganze Geschichte damals aber schon.

Schon wenige Jahre nach der Eröffnung des „i-Dipfele“ zeigten sich die Auswirkungen dieses Wellenbrechers; der östliche Teil der Fußgängerzone verwelkte. Die schon immer deutlich geringere Aufenthaltsqualität der östlichen Fußgängerzone, die vor allem durch eine nur einseitige Ladenzeile begründet war, sank zusehend, es bildeten sich schon gleich hinter dem „i-Dipfele“ ein kleiner, etwas schmuddelig wirkender Bereiche und mit Markthalle und Bouleplatz scheiterten Versuche, diesen gesamten Bereich nachhaltig aufzuwerten.

Schließlich endete dieser abgestorbene Wurmfortsatz der Fußgängerzone – wohlgemerkt das Herz der Innenstadt – als billiger Parkplatz. Und das in einem Bereich, der umrahmt ist von vielen hundert Parkplätzen im Rathausinnenhof und der Marktplatztiefgarage.

Chance auf ein radikales Redesign

Nun also kommt es weg, das „i-Dipfele“. Schon lange war es kein Zuhause mehr für ein Café, sondern ein nicht barrierefreier Verschlag einer Schnellrestaurantkette, die zeitig um 18 Uhr schloss und keinerlei Flair zu verbreiten wusste.

Mit dem Projekt Innenstadtentwicklung-Ost gibt es endlich ein großangelegtes Projekt, das sich auch diesem Bereich öffnet und in ein städtebaulich durchdachtes Konzept zuführt: Eine Fußgängerzone, die nicht zu einem Parkplatz verkommt.

Die Erinnerung an das i-Dipfele sollte als Zeichen dafür stehen, dass es sich eine Stadt nicht leisten darf, weniger attraktive Flächen im Herzen der Innenstadt einfach abzuschneiden wie einen entzündeten Blinddarmfortsatz, sondern sie sich die Mühen dafür machen muss, solche Flächen zukunftsfähig zu entwickeln. Das wäre eine echte Daseinsvorsorge für die Gesellschaft und nicht für einzelne Wirtschaftsbetriebe.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.