Sparkassenpräsident Schneider kritisiert auf dem CDU-Neujahrsempfang die EZB-Niedrigzinspolitik

Sparkassenverbandspräsident Peter Schneider auf dem CDU-Neujahrsempfang 2020 in Pforzheim, von links: CDU-Kreisvorsitzender Gunther Krichbaum, Oana Krichbaum, Sparkassenverbandspräsident Peter Schneider, Claudia Birkle, MIT-Kreisvorsitzender Jochen Birkle

Die CDU Enzkreis/Pforzheim und die MIT Enzkreis-Pforzheim luden den Präsidenten des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg als Hauptredner zu ihrem Neujahrsempfang ein.

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Der Raum 2.01 im W2-Gebäude der Fakultät für Wirtschaft in der Hochschule Pforzheim hat den Spitznamen „Aquarium“, wie CDU-Kreisvorsitzender Gunther Krichbaum in seiner Begrüßung erwähnte. Rund 150 Besucher folgten der Einladung von CDU und MIT.

„Wir reden heutzutage viel von der Umverteilung“, so Krichbaum, „aber das ist der zweite Schritt vor dem ersten“. Alles müsse erwirtschaftet werden und die deutsche Volkswirtschaft sei im Hinblick auf die Amerikaner und Chinesen auf ein System der offenen Märkte angewiesen. Es gehe hierbei um ein Kampf der Systeme und einen Kampf der Daten. Ein „Megathema“ sei es, Europa hier im Spiel zu halten.

Ein weiteres wichtiges Thema sei der Klimawandel. Richtig sei es, dass Deutschland und Europa beim Klimaschutz vorangingen. Es werde jedoch übersehen, dass bereits in den letzten Jahren sehr viel erreicht worden sei. Er glaube, dass es gerade an der Union läge, dies stärker in den Vordergrund zu bringen. Ein Beispiel führte Krichbaum mit dem Blick auf die Buschbrände in Australien an: „Es geht um intelligente Systeme, wenn man weiß, dass durch Waldbrände mehr CO2 entsteht, als durch Autos, Schiffe und LKW“. Durch solche Systeme könnte moderne Satellitentechnologie entstehen, die solche Waldbrände bereits sehr frühzeitig erkannt würden. Beim Blick auf die Mobilität der Zukunft wünscht sich Krichbaum Anreize, nicht nur auf die reine Elektromobilität zu setzen, sondern auch auf synthetische Kraftstoffe und Wasserstofftechnologie.

„Unsere enorme Position heißt für uns Verantwortung“

Ebenfalls 40 Minuten – und damit exakt so lange wie Hubertus Heil auf dem Neujahrsempfang der SPD Pforzheim/Enzkreis – sprach Peter Schneider und bot einen interessanten Blick in die Wirtschaft, und hier vor allem aus der Perspektive der vornehmlich regional tätigen Sparkassen.

Neujahrsempfang 2020 der CDU Pforzheim-Enzkreis in der Hochschule Pforzheim

„Wenn ich in den Hörsaal schaue“, so Schneider, „dann habe ich den Eindruck, Sie sind alle zufrieden.“ Man habe ein hohes Grad an Zufriedenheit, so auch die Einschätzung, wenn man die Menschen frage. Dennoch lebe man in außergewöhnlichen Zeiten, wenn man vor allem die Finanzwelt betrachte. „Gibt es jetzt Goldene Zwanziger, oder Wilde Zwanziger?“

Als Hauptfinanzierer im Land, insbesondere bei kleineren Unternehmen und im Mittelstand, stehe die enorme Position der Sparkassengruppe mit ihren 51 Instituten im Land vor allem zu ihrer Verantwortung. Die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken seien es gewesen, die in der Finanzkrise „hingestanden“ seien und Unternehmenskredit vergeben hätten, während die meisten Großbanken in dieser Zeit ihre Kreditvergaben dramatisch zurückfuhren.

Heute trete die Wirtschaft auf der Stelle, auch ausgelöst durch die sehr lange Phase der Niedrig- und gar Negativzinsen. Während die Bau- und die Konsumwirtschaft boomten, beobachte man in der Industrie eine regelrechte Rezession. In Umfragen schätzten Unternehmen die Situation schlechter ein, dennoch gebe es Rekordzahlen bei der Kreditvergabe. Die sorgenfreien Wachstumsjahre, so Schneider, seien jedoch vorbei und man steure auf konjunkturell „raue Zeiten“ zu.

Heute sei die Sparkassengruppe der „Wirtschaftsfinanzierer Nr. 1“ im Land. Eine Führungsarbeit, die man jedoch gar nicht so unbedingt wünsche, wenn man dabei betrachtet, dass weiterhin viele andere Banken weiterhin zurückhaltend bei ihrer Kreditvergabepolitik seien. Auch hier sei die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ein zentrales Problem, dass europäische Banken zunehmend den internationalen Anschluss verloren haben, amerikanische Banken eine „absolute Dominanz“ erreichten und chinesische Banken aufholten. „Deutschland ist fraglos eine erfolgreiche Wirtschaftsnation, aber ohne eine bedeutende Finanzwelt“, so Schneider.

Noch schwerer wiege, dass „Sand im Getriebe“ sei. „Über die Hälfte der Themen sind Aufsichtsthemen“, so Schneider. Es herrsche eine regelrechte „Absicherungsmentalität“. „Wenn ich heute sage, ich habe Risikobereitschaft,“ so Schneider, „dann bin ich schon fast unter Staatsaufsicht“. Deshalb empfehle er auch Vorsicht bei der Frage, Nachhaltigkeit fest in die Kreditvergabe zu verwurzeln. „Mittlerweile habe ich in diesen Gremien keine Unternehmer mehr, weil diese sagen ‚Ich höre mir diesen Blödsinn nicht mehr an‘ – Ich komme hier rein und brauche das Sitzungsgeld nicht, die Regulierer leben davon“, so Schneider.

Die Niedrigzinspolitik, die auch innerhalb der EZB inzwischen immer mehr infrage gestellt würde, wirkten sich auch immer mehr auf die Altersvorsorge von Sparern aus. Ein Berufstätiger, der in seinen 35 Berufsjahren monatlich 100 Euro zurücklege und die Sparsumme mit durchschnittlichen 4 % verzinst würde, hätte am Ende 92.000 Euro. „Bei 0,5 % kommt er mit 46.000 Euro heraus“, so Schneider.

Um derzeit Renditen zu erwirtschaften, müssten Sparer deutlich höhere Risiken eingehen und bei Anlagesummen von unter 50.000 würden allein die Depotkosten einen beträchtlichen Teil der so erwirtschafteten Rendite auffressen. Schneider: „Die meisten können sich doch Aktiensparen gar nicht leisten!“

„Europa ist eine grandiose Idee und wichtig für uns,“ so Schneider „Wenn wir jedoch so weitermachen, stärken wir antieuropäische Kräfte. Wir müssen eine Antwort finden, wie wir eine Mehrheit überzeugen können.“

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.