„In der betrieblichen Kleinarbeit liegt die gewerkschaftliche Größe“

Franz Fürst wird für die siebzigjährige Mitgliedschaft in der IG Metall geehrt (mit der heutigen 1. Bevollmächtigen Liane Papaioannou) Foto: IG Metall Pforzheim

Ehemaliger Gewerkschaftssekretär und 1. Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim Franz Fürst für 70 Jahre Mitgliedschaft in der IG Metall geehrt.

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Das seltene Jubiläum der siebzigjährigen Mitgliedschaft in der IG Metall kann nun Franz Fürst feiern. Von der heutigen 1. Bevollmächtigten der IG Metall Pforzheim Liane Papaioannou erhielt Fürst in einer Feierstunde die Jubiläumsurkunde, die goldene Anstecknadel der Partei und einen Präsentkorb. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die Feierstunde nur in einem sehr kleinen Kreis stattfinden und wurde per Videokonferenz gezeigt; unter anderem war DGB-Landesvorsitzender Martin Kunzmann, der ebenfalls einmal ein Nachfolger im Amt des 1. Bevollmächtigten war, zugeschaltet.

Die berufliche und gewerkschaftliche Laufbahn von Franz Fürst, der inzwischen 90 Jahre alt ist, begann 1951, als er die Arbeit bei der Maschinenfabrik Wasseralfingen aufnahm. Er trat in die IG Metall ein, war Vertrauensmann der IG Metall, bald Vorsitzender der Vertrauensleute, Kassierer, Betriebsrat und freigestellter Betriebsrat. „Die Zeit bei der Maschinenfabrik Wasseralfingen war der beste Lehrmeister für einen Gewerkschafter“, erklärt Franz Fürst heute.

Im Jahr 1961 wurde er IG Metall-Sekretär in Pforzheim. Seine ersten fünf Jahre bei der IG Metall, in denen er in Pforzheim alleine hauptamtlich war, seien seine schwersten gewesen, so der Gewerkschafter. Dann wurde er zum 1. Bevollmächtigten und zum stellvertretender DGB-Vorsitzender in Pforzheim gewählt und übernahm die Rechtsvertretung beim Arbeitsgericht. Er vertrat die Interessen der Beschäftigten bei der AOK und der IHK sowie bei der Arbeitsverwaltung. Zudem war er elf Jahre lang für die SPD im Pforzheimer Gemeinderat tätig.

Seine gewerkschaftliche Bilanz zwischen den Jahren 1961 bis 1991 liest sich beeindruckend: Die Mitgliederzahlen der Gewerkschaft erhöhte sich von 4.000 auf 12.000 Mitglieder, die Zahl der Betriebe mit einem Betriebsrat stieg von 30 auf 90 Betriebe. In 65 Betrieben wurden gewerkschaftliche Vertrauenskörper gebildet, in 34 Betrieben Jugendvertretungen gegründet. Auf diese Weise waren bei der IG Metall Pforzheim zweitweise über 1.000 Funktionäre tätig.

In der betrieblichen Kleinarbeit, so Franz Fürst, liege die gewerkschaftliche Größe. Umfangreiche Interessenkonflikte waren einst an der Tagesordnung. Dem „Herr-im Hause-Standpunkt“ von Unternehmern und Missachtung der Mitbestimmung mussten entgegnet werden, ebenso die einschneidende Krise in der Uhren- und Schmuckindustrie gemeistert werden.

Darüber hinaus war Fürst auch in gesellschaftlichen Fragen aktiv, beispielsweise beim Kampf gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, gegen den „Atom-Tot“ und gegen die Notstandsgesetze. Gegen den Sozialabbau kämpfte Fürst auch in seiner Funktion als SPD-Gemeinderat stetig.

Die IG Metall sei immer dann immer erfolgreich gewesen, wenn die Beschäftigten solidarische zusammenstanden. Für Fürst war es bei aller Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern immer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit wichtig. Er suchte immer einen engen Kontakt zu deren Verbänden.

(bka, Pressemitteilung IG Metall Pforzheim)

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