Wieder mehr Verkehrsunfälle in 2021

Schwerer Verkehrsunfall auf der A 8 bei Pforzheim

Anstieg von Unfällen mit Fahrradfahrern konnte 2021 gestoppt werden.

(Lesezeit: 7 Minuten)

Um 6,5 Prozent ist die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Pforzheim (Pforzheim, Enzkreis, Calw und Freudenstadt) im Jahr 2021 gegenüber zum Vorjahr gestiegen. Registriert wurden im letzten Jahr 15.220 Verkehrsunfälle, wie das Polizeipräsidium in seiner jährlichen Verkehrsunfallstatistik mitteilt. Im Stadtkreis Pforzheim blieb die Anzahl der Verkehrsunfälle von 2020 (4.701) auf 2021 (4.740) nahezu gleich (+0,8%), der Trend zum Anstieg ist also vor allem in den Landkreisen zu beobachten.

Dennoch liegen die Unfallzahlen deutlich unter denen der Jahre 2017 bis 2019. Erfreulich ist, so die Polizei, dass die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden präsidiumsweit auf 1.644 (minus 3,5 Prozent) gesunken ist. Bei diesen Unfällen verunglückten insgesamt 2.154 Menschen. Die meisten davon wurden leicht verletzt (2021: 1.684; 2020: 1.691), 439 Personen wurden schwer verletzt (2020: 455). Bei 29 Verkehrsunfällen verloren 31 Menschen ihr Leben (2020: 35). Von den tödlichen Verkehrsunfällen ereigneten sich vier innerorts und 25 auf Außerortsstrecken (davon drei auf der Autobahn 8). Drei Radfahrende wurden getötet, zwei davon trugen keinen Helm. Die Anzahl der bei einem Verkehrsunfall Getöteten stieg im Stadtkreis Pforzheim von zwei auf drei. Bei Radfahrunfällen ist im Stadtgebiet eine Zunahme von etwa 6% festzustellen (2020: 81, 2021: 86).

„Trotz des zahlenmäßigen Rückgangs der Verkehrstoten darf nicht vergessen werden, welches Leid mit den Unfällen einhergeht“, betonte Polizeivizepräsident Christian Dettweiler. Als Hauptunfallursachen gelten bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden zu schnelles Fahren und das Nichtbeachten der Vorfahrt mit einem Anteil von jeweils rund 15 Prozent.

Weniger Fahrradunfälle – jedoch mehr mit Pedelecs

Der Anstieg der Unfälle unter Beteiligung von Radfahrenden konnte im Jahr 2021 für das gesamte Präsidiumsgebiet – jedoch nicht in Pforzheim – gestoppt werden. Ihre Zahl ging im Präsidiumsgebiet von 333 auf 294 zurück. „Offensichtlich trägt die Konzeption zur Bekämpfung von Fahrradunfällen erste Früchte. Mit der Aktion „Schütze Dein BESTES“ weisen wir die Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen auf die Notwendigkeit eines Fahrradhelmes hin. Ergänzend stellen wir den Fahrradeinzelhändlern in unserer Region Aufklärungs- und Informationsmaterial der Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VERKEHR zur Verfügung“, so der Leiter der Schutzpolizeidirektion, Leitender Polizeidirektor Andreas Bjedov.

Gleichwohl sei jedoch weiterhin zu beobachten, dass insbesondere Pedelec-Unfälle weiter deutlich über dem Drei-Jahres-Trend liegen. Hier spielt sicherlich auch ihr Zuwachs bei den Kaufentscheidungen eine Rolle. Bei über 60 Prozent der Unfälle mit Radfahrenden sind diese selbst Verursacher, bei rund der Hälfte davon sind die Radfahrenden alleinbeteiligt. „Um die Zielgruppe der Pedelec-Fahrer präventiv anzusprechen, werden durch die Kreisverkehrswacht Pforzheim-Enzkreis in enger Kooperation mit dem Referat Prävention Pedelec-Fahrsicherheitskurse angeboten. Diese erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit“, sagte Bjedov.

Deutlicher Rückgang bei Motorradunfällen

Deutlich rückläufig war die Zahl der Motorradunfälle. Sie nahm gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent ab. (2020: 317, 2021: 279). Von den 279 Motorradunfällen wurden 172 von den Motorradnutzenden selbst verursacht, was einem Anteil von knapp 62 Prozent entspricht. Die Zahl der getöteten Motorradfahrenden hat sich von acht im Jahr 2020 auf zehn im Jahr 2021 erhöht.

In 2021 gab es vier Schulwegunfälle mit Verletzten und somit einen weniger als im Vorjahr. Der Drei-Jahres-Durchschnitt (2017 bis 2019) liegt bei 14. Mitursächlich für den Rückgang ist vermutlich auch die Corona-Pandemie. „Gleichwohl wurde in unserer Region der Schuljahresbeginn mit der Aktion „Sicherer Schulweg“ ein Maßnahmenpaket der Verkehrsunfallprävention begleitet. Die Verkehrsteilnehmer wurden über mehrere Wochen mit Spannbändern und Plakaten zu einem rücksichtsvollen Verhalten im Straßenverkehr aufgefordert. An vielen Schulen haben wir verstärkt kontrolliert“, so Dettweiler.

Junge Fahrer häufig mit Geschwindigkeitsüberschreitungen, ältere mit Vorfahrtsverletzungen

Im Bereich „Junge Fahrer“ (18 bis 24 Jahre) sind die Unfallzahlen von 1.212 (2020) auf 1.296 (2021) gestiegen. Häufigste Ursache waren Geschwindigkeitsüberschreitungen mit einem Anteil von 24 Prozent. Die Gruppe der jungen Erwachsenen ist überproportional an Unfällen beteiligt. „Mit der Aktion „Schutzengel Pforzheim-Enzkreis“ konnten auch während der Pandemie zahlreiche junge Fahrer über die Gefahren im Straßenverkehr präventiv aufgeklärt werden. Es ist geplant, dieses erfolgreiche Projekt im Jahr 2022 auf den Landkreis Calw auszudehnen.

Leicht gestiegen im gesamten Präsidiumsgebiet ist die Zahl der Unfälle mit älteren Menschen (ab 65 Jahren). Elf Unfälle mehr als im Vergleich zum Vorjahr wurden registriert (2020: 1.125, 2021: 1.136). Die häufigste Unfallursache stellen hier mit 24 Prozent Vorfahrtsverletzungen dar. Für den Stadtkreis Pforzheim betrachtet nahmen Unfälle mit Beteiligung von Senioren von 336 (2020) auf 313 (2021) ab.

Bei 271 Unfällen (2020: 280, Drei-Jahres-Vergleich: 276) war mindestens ein Unfallbeteiligter alkoholisiert. Rund 50 Prozent der Blutentnahmen im Zusammenhang mit Alkoholunfällen wiesen eine Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr auf. Die Zahl der Getöteten bei diesen Unfällen erhöhte sich von zwei auf fünf. Drogenunfälle stiegen von 22 (2020) auf 47 (2021) an. Die Zahl der dabei Verunglückten stieg von sieben auf 26.

Starker Anstieg von Unfällen auf der Autobahn

In der Unfallstatistik ist für das Polizeipräsidium Pforzheim auch der 70 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen den Anschlussstellen Karlsbad und Heimsheim (beide Fahrtrichtungen) relevant. Hier stiegen die Verkehrsunfälle insgesamt um 23,7 Prozent auf 1.044 (2020: 844).

Nach einem Rückgang bei den LKW-Unfällen im Vorjahr (Minus von etwa 37 Prozent) stiegen die Zahlen in 2021 um 39,3 Prozent an (2020: 117, 2021: 163). Sie liegen dennoch deutlich unter dem Drei-Jahres-Schnitt (195). Im Hinblick auf die noch länger andauernden Baumaßnahmen auf der Autobahn 8 im Bereich der Enztalquerung wurde im März 2021 eine integrierte Stauwarnanlage in Betrieb genommen.

Polizei will verstärkt Verkehrssicherheit vorantreiben

„Es gilt, die Verkehrssicherheit im Stadtkreis Pforzheim und den Landkreisen Calw, Freudenstadt und dem Enzkreis weiter voranzutreiben“, so Polizeivizepräsident Dettweiler. Ein Schwerpunkt der Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen werde die Hauptunfallursache Geschwindigkeit sein. Hierbei werde auch der so genannte „Enforcement-Trailer„, ein Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung in Form eines Anhängers, das nach Abstellen und Ausrichten eigenständig arbeitet, zum Einsatz kommen.

Quelle(n): pm

Besim Karadeniz
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