Warum es ein Tempolimit in der Stadt braucht

Tempo 30 an vielen Hauptverkehrsstraßen sind unvermeidlich und kommen überhaupt reichlich spät, meint der Autor.

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Wenn Sie dieser Tage eine Diskussion im Familien- oder Freundeskreis innerhalb kürzester Zeit auf eine entzündliche Temperatur bekommen wollen, lohnt eine Diskussion über das flächenendeckende Tempolimit auf 30 Stundenkilometer, das seit einigen Monaten nach und nach in den großen Straßen der Stadt gilt. Gerne angegriffen wird dabei die Stadtverwaltung, die Bürgermeister oder auch der Gemeinderat. Und dabei können alle drei Gruppen gar nichts dafür.

So sind die Tempolimits Ergebnisse des Lärmaktionsplanes, den Großstädte anhand Lärmkarten erstellen müssen, und das derzeit übrigens bundesweit. Hierbei geht es um den Schutz der Menschen an großen Straßen vor vermeidbarem Lärm. Und wissenschaftlich erwiesen ist, dass schnellfahrende Autos mehr Lärm machen, als langsam fahrende. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Lautstärke der Motoren, sondern um die Abrollgeräusche, die bereits ab 50 km/h Geschwindigkeit üblicherweise lauter sind, als der Lärm des Motors. Wenn man das nun hochrechnet auf viele zehntausend Autos, die durch Pforzheims Ein- und Ausfallstraßen rollen, dann ist das eine Menge Lärm, der sich vermeiden lässt, wenn alle langsamer fahren. Und „Nebeneffekte“ sind dann auch, dass die Emissionen durch Abgase geringer sind, Energie gespart wird und auch Verkehrsunfälle deutlich weniger geschehen.

Klar, ein Tempolimit lässt sich sehr einfach als „Eingriff in die persönliche Freiheit“ missverstehen. Die vermeintliche „Freiheit“ ist allerdings ein Irrglauben; die Straßen einer Stadt gehören nicht einfach nur Autofahrern, sondern allen am Straßenverkehr beteiligten Gruppen.

Und bei all dem Gemecker lohnt sich auch ein Blick in die Details: So gilt auch in Pforzheim das Tempolimit auf 30 Stundenkilometern auf weniger Straßen, als man denkt. So sind beispielsweise weite Teile des Innenstadtringes nur mit einem zeitlich beschränkten Tempolimit versehen. Sprich: Tempo 30 gilt hier zwischen 22 und 6 Uhr, um Ruhestörungen während der Nacht zu vermeiden. Oder es gilt an anderen Stellen von 9 bis 19 Uhr, beispielsweise vor Schulen oder Kindergärten. Und nachts beziehungsweise tagsüber an Einrichtungen mit besonders vielen Fußgängern muss nun wirklich niemand rasen, der nicht zufällig ein eingeschaltetes Blaulicht auf dem Dach hat.

Zu sagen „Nun ja, jeder, der an einer großen Straße wohnt, hat das vorher gewusst, dass es laut wird“, ist übrigens irreführend und hält keiner rechtlichen Bewertung stand. Auch Menschen, die an einer großen Straße wohnen – ob nun freiwillig oder aufgrund der dort herrschenden günstigeren Mieten – haben ein Recht darauf, vor vermeidbaren Gefahren bestmöglich geschützt zu werden. Und diese Erkenntnis hat eigentlich viel zu lange auf sich warten lassen.

Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.