Denkräume für das offene Gespräch

Mitinitiator Christian Schmidt stellt den Denkraum im Kulturhaus Osterfeld vor

Bündnis "#zusammenhalten" zieht am Donnerstag kleines Resümee über bisherige Veranstaltungen.

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Zu einem spezielle „Denkraum“ luden die Macher des Bündnisses „#zusammenhalten“ am Donnerstag ins Kulturhaus Osterfeld. Denkräume, so die Macher, „bringen Menschen in Pforzheim zusammen, um im moderierten Gespräch Gedanken zu den Krisen unserer Zeit auszutauschen“. Durch das Erleben von Meinungsvielfalt in einem respektvollen Austausch sollen Menschen „aktiv am demokratischen Leben teilnehmen“.

In der Projektvorstellung erklärten die Macher und die Projektpartner – die Allianz für Beteiligung e.V. und der Friedrich-Ebert-Stiftung – rückblickend die Geschichte der Denkräume. Die Wurzeln der Denkräume stammen aus dem ersten Corona-Jahr 2020. „2020 ist ein Jahr, das für uns ganz besonders war“, so Mitinitiator Gerhard Baral. Im Spätherbst des Jahres starteten auch in Pforzheim Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Auf entsprechende Demonstrationen folgten wiederum Demonstrationen von Befürwortern. Was fehlte: Ein funktionierender Dialog zwischen beiden Gruppen. Aus dieser Notwendigkeit entwickelte man ein Gesprächskonzept auf Basis der Methodik „Time to Think“. „Das Ziel war,“ so Mitinitiator Christian Schmidt, „Menschen zusammenzubringen mit unterschiedlichen Meinungen“.

Teilnehmen konnten und können alle Interessierten. In kleinen, moderierten Gesprächsrunden werden die Teilnehmer dann dazu motiviert, jeweils für wenige Minuten ihre Meinung kundzutun und in der übrigen Zeit anderen Teilnehmern zuzuhören. Die Möglichkeit, auf diese Weise „Zeit zum Nachdenken“ zu geben, ist das Kernziel der Methodik, die in den Pforzheimer Denkräumen von Moderator Jürgen von Oertzen moderiert wird.

Herausgekommen sind Denkräume in sieben Pforzheimer Stadtteilen mit insgesamt rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die reine Teilnehmerzahl täuscht jedoch, da viele der Mitmachenden in ihren Stadtteilen häufig Multiplikatoren in Sport- oder Bürgervereinen sind und das Konzept weitertragen. Zudem werden geplante Denkräume über verschiedene Kanäle angekündigt, beispielsweise über Bürgerverein, die Sozialraumkonferenz, Elternvereine oder dem Stadtjugendring.

Das funktionierte in der Nordstadt offenkundig so erfolgreich, dass dort nun auch von Denkraum-Teilnehmern außerhalb der #zusammenhalten-Gruppe Denkräume gestaltet werden.

Denkraum mit Bundestagsabgeordneten

Am Donnerstag wiederum gab es eine kleine Premiere mit den Bundestagsabgeordneten Katja Mast, Stephanie Aeffner und Rainer Semet, die am Denkraum im Kulturhaus Osterfeld teilnahmen. Sie stellten sich in drei Räumen, in denen jeweils zwei Gesprächsgruppen diskutierten, den Beiträgen der Teilnehmer. Dabei galt ebenso wie bei den bisherigen Denkräumen das Prinzip der Vertraulichkeit: Alles, was in den Gesprächskreisen gesprochen wird, gilt als nichtöffentlich, so dass auch die Medienschaffenden nicht aus den Gesprächskreisen berichten dürfen. Das solle dazu dienen, dass auf diese Weise ein „geschützter“ Diskussionsraum entsteht.

Ziel des Bündnisses #zusammenhalten ist es, auch zukünftig weitere Denkräume in Pforzheim anzubieten. Davor steht jedoch eine solide Finanzierung des Projekts, da reines Ehrenamt die Organisation der Denkräume nicht decken kann. Christian Schmidt zitiert hierbei die Politikerin Gesine Schwan mit ihrem Zitat, dass Demokratie nicht ohne Finanzierung zu haben sei. Von Seiten der Stadtverwaltung habe man sich mehr Unterstützung für das lokale Projekt gewünscht, das Florian Koch, Leiter des Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in seinem Grußwort als „Graswurzelbewegung“ bezeichnet; als eine „Bewegung, die hier angegangen werden soll“ in einem „Zeitraum der Multikrisen“.

Angekündigt sind bereits weitere Denkräume, darunter ein „Krisen-Denkraum“ in Buckenberg-Haidach. Dieser Denkraum findet am Samstag, 18. März 2023 um 10:30 Uhr statt. Um Anmeldung unter zusammenhalten.pf@gmail.com wird bis zum 16. März 2023 gebeten. Eine Anmeldung ist auch für die zweite angekündigte Veranstaltung am Dienstag, 4. April um 18:30 Uhr möglich. Der Ort der Veranstaltung wird den Angemeldeten dann per E-Mail mitgeteilt.

Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.