Ermittlungen zu „Schockanrufen“ führen zu 70 Festnahmen

Neben Festnahmen auch umfangreiche Wertgegenstände, Geldmittel und Beweismittel sichergestellt.

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In so genannten „Schockanrufen“ werden vornehmlich ältere Menschen am Telefon aufgefordert, für einen angeblich verunglückten oder verhafteten Verwandten größere Geldbeträge abzuheben und diese an Geldkuriere zu übergeben. Dabei handelt es sich jedoch um eine großangelegte Betrugsmasche, bei der Täter professionell und arbeitsteilig vorgehen.

Im konkreten Fall gaben sich die Betrüger als Staatsanwälte oder Polizeibeamte aus und täuschten vorwiegend ältere Personen im gesamten Bundesgebiet mit der Legende, dass ein naher Angehöriger einen schweren Unfall verursacht habe, bei dem andere Personen schwer verletzt oder getötet worden seien. Um eine Inhaftierung der Angehörigen abzuwenden, müssten die Angerufenen nun einen größeren Geldbetrag als vermeintliche Kaution an einen Kurier übergeben.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe – Zweigstelle Pforzheim – führt das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Unterstützung der Polizeipräsidien Aalen, Heilbronn, Konstanz, Ludwigsburg, Ravensburg und Stuttgart ein Ermittlungsverfahren in Kooperation mit anderen Länderpolizeien, den polnischen, französischen, niederländischen, tschechischen, schweizerischen, spanischen und britischen Strafverfolgungsbehörden sowie mit Europol und Eurojust.

Das Anfangsverfahren wurde Mitte letzten Jahres beim Polizeipräsidium Pforzheim bearbeitet und mit umfangreichen weiteren Erkenntnissen der anderen genannten Präsidien beim Landeskriminalamt zusammengeführt. Nach bisherigem Ermittlungsstand sind der Gruppierung mindestens 122 Fälle im gesamten Bundesgebiet, beginnend ab Sommer 2022, zuzurechnen. Der bis dato bekannte Gesamtschaden beläuft sich auf rund 5 Millionen Euro. Durch umfangreiche operative Maßnahmen im Laufe der Ermittlungen, beispielsweise Festnahmen der Abholer bei den Geldübergaben, konnten Wertsachen und Bargeld im Wert von über 1,4 Millionen Euro sichergestellt und sogleich an die Geschädigten zurückgegeben werden.

Europaweite Durchsuchungen und Festnahmen

Am 15. Juni 2023 durchsuchten Polizeikräfte unter Federführung der Pforzheimer Staatsanwaltschaft in einer großangelegten Aktion insgesamt sechs Objekte in Frankfurt am Main, in den nordrhein-westfälischen Städten Neuss, Kaarst und Haan sowie in Großbritannien. Im dortigen Großraum London befand sich das mutmaßliche Hauptquartier der Bande, von dem aus die Anrufe getätigt und die Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppierungsmitglieder koordiniert wurden.

Der mutmaßliche Kopf der Betrügerbande, ein 41-jähriger Mann aus Polen, wurde im Zuge dieser Maßnahmen in Großbritannien festgenommen. Neben einem aktuellen Haftbefehl des Amtsgerichts Pforzheim lag gegen ihn auch bereits ein von der polnischen Justiz erlassener Haftbefehl wegen weiterer 123 gleichartiger Taten vor. Neben dem mutmaßlichen Kopf der Bande wurden in den letzten Monaten deutschlandweit, unter Mitwirkung zahlreicher weiterer Staatsanwaltschaften, über 70 Personen festgenommen, die nach bisherigen Erkenntnissen in verschiedenen Funktionen für die Bande aktiv waren. Zuletzt wurde auf Veranlassung der Pforzheimer Staatsanwaltschaft eine 21-jährige polnische Staatsangehörige, die dem Führungskreis der Gruppe zugerechnet wird, am 24. Juni am Flughafen in Barcelona festgenommen.

Der Großteil der mutmaßlichen Bandenmitglieder wurde durch die Köpfe der Gruppierung über ein Online-Portal in Polen angeworben und fungierte nach jetzigem Stand der Ermittlungen als Abholer, deren Aufgabe primär in der Entgegennahme und dem Weitertransport der von den Geschädigten ausgehändigten Wertsachen lag.

Ein anderer Teil der Täterschaft fungierte nach bisherigen Erkenntnissen als Anrufer, als sogenannte „Keiler“, und kontaktierte bundesweit gezielt Seniorinnen und Senioren, um sie zur Herausgabe von Bargeld und Wertgegenständen zu bewegen.

Darüber hinaus wurden bei den Durchsuchungen umfangreiche Beweismittel, unter anderem Bargeld im Wert von über 160.000 Euro, Goldbarren, Goldmünzen und Schmuckstücke sowie Datenträger und Schriftstücke beschlagnahmt. Ferner konnten mehrere Mobiltelefone sichergestellt werden, die mutmaßlich als Tatmittel für die betrügerischen Anrufe verwendet wurden. Diese sind derzeit noch Gegenstand weiterer Auswertungen.

Quelle(n): pm

Besim Karadeniz
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