Juryentscheidung zu Designers in Residence 2024

Jury wählt Designers in Residence 2023, von links: Simon Rogalla (Foto: Privat), Elisa Lutteral (Foto: Kuan Hsieh), Alejandra Alarcón (Foto: Vertti Virasjoki)

Drei Stipendiaten werden im Frühjahr 2024 in Pforzheim leben und an ihren Designprojekten arbeiten.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Drei Monate Pforzheim statt New York. Im Zuge des internationalen Stipendienprogrammes „Designers in Residence“ begrüßt die Stadt jährlich drei Nachwuchsdesignerinnen und -designer aus der ganzen Welt im EMMA-Kreativzentrum. Im Frühjahr 2024 wird Pforzheim wieder für drei Monate Wohn- und Arbeitsort für drei Stipendiatinnen und Stipendiaten, die aus über 400 Bewerbungen aus 65 Ländern ausgewählt wurden. Das entspricht einem Zuwachs an Bewerbungen von rund 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Die Möglichkeit, drei Monate lang konzentriert an einem Projekt arbeiten zu können und dabei Werkstätten, Materialien und ein Netzwerk aus Expertinnen und Experten und Kreativschaffenden zur Verfügung zu haben, ist für Nachwuchsdesignerinnen und -designer sehr wertvoll. Das spiegelt sich auch in der großen Reichweite des Programms weltweit wider“, freut sich Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP).

Vergangene Woche vergab die Jury, bestehend aus Louise Bennetts, Modedesignerin und Dozentin am Royal College of Art in London, Produktdesigner Romin Heide und Schmuckkünstler Jiro Kamata, die drei Stipendien für 2024: Alejandra Alarcón aus Mexiko/Finnland, Elisa Lutteral aus Argentinien/USA und Simon Rogalla aus Deutschland werden von April bis Juni 2024 im EMMA – Kreativzentrum arbeiten.

Inspiriert von seiner Zeit bei den Pfadfindern möchte der deutsche Produktdesigner Simon Rogalla verschiedene Seiltechniken als Verbindungselement für den Bau von Möbeln und anderen Objekten erforschen. „Bei den Pfadfindern lernt man, respektvoll in und mit der Natur zu leben. Unterkünfte werden beispielsweise immer so gebaut, dass sie rückstandslos wieder abgebaut und die Materialien wiederverwendet werden können. In meinem Projekt möchte ich das als Ausgangspunkt nehmen, um diese Bautechniken zu erforschen. Zudem werde ich über unseren Umgang mit Besitztümern und Objekten reflektieren und aufzeigen, wie Einrichtungsgegenstände geschaffen werden können, die nicht starr und fest, sondern flexibel und temporär sind“, erklärt Simon Rogalla.

Die Designerin Elisa Lutteral aus Argentinien/USA erkundet Materialien als Träger von Macht. „Wir leben in einer Welt, die von Vorstellungen von Dauerhaftigkeit, Unsterblichkeit und Dominanz geprägt ist – einer Welt, die in Schichten von Zement und unnachgiebigen Metallstrukturen gehüllt ist. Eine Gesellschaft, die aus den Trümmern des Patriarchats entstanden ist und immer noch Angst davor hat, Stärke in der Vergänglichkeit, Flüchtigkeit und Weichheit zu sehen“, erzählt Lutteral. Mit ihren Arbeiten entwirft sie alternative Zukünfte, in denen die Grenzen weniger definiert sind, in denen „Macht“ weich und abgerundet ist und die Strukturen Netzwerke sind, die im Gleichgewicht wachsen. Während ihres Stipendiums möchte sie Schmuckobjekte schaffen, die jeweils ein weiches und ein hartes Gegenstück haben.

Das dritte Stipendium erhält Alejandra Alarcón, die aus Mexiko stammt und aktuell in Finnland lebt und arbeitet. In ihrem Projekt untersucht sie soziale Dynamiken bei Tisch und erforscht neue sensorische Erfahrungen beim Essen durch Materialforschung und experimentelles Design. Beim Essen, ein von Natur aus intimer Vorgang, werden häufig Teller und Besteck in einer strukturierten Umgebung verwendet, die unsere Interaktion mit den Lebensmitteln steuern. Diese westlich geprägten Tischmanieren verhindern das Erleben des Essens mit allen Sinnen. „Durch die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, die das Essen bereits anders erleben, wie zum Beispiel beim Verzehr von Tacos mit bloßen Händen, untersuche ich die sozialen Aspekte des Essens und möchte herausfinden, wie wir die Idee des Tischgeschirrs überdenken können, um multisensorische und sinngebende Erlebnisse beim Essen zu schaffen“, erzählt Alejandra Alarcón. Während ihres Stipendiums möchte sie durch praxisbasierte Forschung die westlichen Essensregeln hinterfragen und Alternativen für das Lebensmitteldesign der Zukunft vorschlagen.

Quelle(n): pm

Besim Karadeniz
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