Sonderbares „Weihnachtsgeschenk“ bringt Gemeinderäte auf

Titelansicht des Spieles 'Monopoly Pforzheim'

Umstrittener Eigentümer des Papierfabrik-Areals "beschenkt" Gemeinderäte zu Weihnachten mit Monopoly-Spiel.

(Lesezeit: 3 Minuten)

Sie gehörten in der Szene der Monopoly-Fans zu den eher kleinen und langweiligeren Ausgaben – die Pforzheimer Versionen des Kultspiels „Monopoly“, die einst mit Pforzheimer Unternehmen und Straßen in zwei Versionen produziert wurden und in Tauschbörsen eher ideellen Liebhaberwert haben, wenn überhaupt. Tauglich als Geschenk maximal für Pforzheimer.

Offenbar, so die Stadträte Christof Weisenbacher und Claus Spohn, habe Bernhard Rieser, Geschäftsführer der Pforzheimer Arcus-Kliniken und gleichzeitig Besitzer des Areals der ehemaligen Papierfabrik in Dillweißenstein, allen Mitgliedern des Pforzheimer Gemeinderates eine solche Ausgabe des Spieles letzte Woche zu Weihnachten „geschenkt“, so auch ihnen.

Dazu schreiben die beiden Stadträte Weisenbacher (Wir in Pforzheim) und Spohn, dass sie das Geschenk nicht annehmen werden. Vielmehr hätten die beiden Stadträte zusätzlich „eine Spielerweiterung für Herrn Prof. Rieser“ entwickelt. Diese Spielerweiterung beinhalte „Zusatzkarten für das Areal der Papierfabrik“ sowie eine „zusätzliche Ereigniskarte mit dem Hinweis ‚Nachdem Sie über 10 Jahre lang die Papierfabrik haben brach liegen lassen, wird die Fläche zum Zweck des Gemeinwohls enteignet. Zahlen Sie 1000 an die Bank.'“

‚Erweiterung‘ der Stadträte Claus Spohn und Christof Weisenbacher für das ‚Monopoly Pforzheim‘-Spiel

„Abgesehen davon dass es politisch ein sehr fragliches Symbol ist, wenn jemand, der eine große Entwicklungsfläche im Stadtgebiet besitzt, allen Stadträtinnen und Stadträten das Spiel Monopoly schenkt, ist dies auch inhaltlich das falsche Geschenk“, so die Stadträte. Das Spiel habe zwar das Ziel, ein Grundstücksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspielerinnen und Mitspieler in die „Insolvenz zu treiben“, der ursprüngliche pädagogische Gedanke des Spiels vor über 100 Jahren sei jedoch, „der Gesellschaft aufzuzeigen, dass leistungslose Einkünfte aus Grundstücken und Armut durch Arbeit zwei Seiten derselben Medaille sind in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung“. „Vor diesem Hintergrund sollte Herr Prof. Rieser unsere Spielerweiterung betrachten und spielen“, so die beiden Stadträte.

Die beiden Stadträte verweisen in dem Zusammenhang auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts hin, die die Tatsache, dass Grund und Boden unvermehrbar und unentbehrlich ist, es sich verböte, seine Nutzung „dem unübersehbaren Spiel der freien Kräfte und dem Belieben des Einzelnen vollständig zu überlassen“ und eine gerechte Rechts- und Gesellschaftsordnung dazu zwinge, die Interessen der Allgemeinheit beim Boden in weit stärkerem Maße zur Geltung zu bringen als bei anderen Vermögensgütern. Grund und Boden sei weder volkswirtschaftlich noch in seiner sozialen Bedeutung mit anderen Vermögenswerten ohne weiteres gleichzustellen und könne im Rechtsverkehr „nicht wie eine mobile Ware behandelt werden.“

Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.