Die Rathaussturm-Reden zum Nachlesen

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Zu Dokumentationszwecken – immerhin ist der Fasching eine bierernste Angelegenheit! – haben wir im Rahmen der Berichterstattung des Pforzheimer Rathaussturmes 2018 die sehr lesenswerten Reden von Oberbürgermeister Peter Boch und Andrea Leuze und Marco Nonnenmacher von der Karnevalsgesellschaft Hochburg Pforzheim (KGHo) vollständig abgetippt. (Eine Elendsarbeit für die Redaktion und das auch deswegen, weil die sonst eingesetzte Spracherkennung für das Einsprechen von Texten mit dem Pforzheimer Dialekt nur wenig anfangen kann.)

Rathaussturm-Rede 2018 von OB Peter Boch

Ihr Leut‘, ich heiße euch willkommen
an Bord der stolzen MS Portus.
Ihr könnt es sicher alle seh’n:
Ich bin der neue Kapitän.

Im August, da hab ich angeheuert
auf diesem großen Tanker
und trage nun Verantwortung
vom Ruder bis zum Anker.

Mit Volldampf voraus! Ich seh‘ die See funkeln.
Doch rückt man mir oft mit ’ner Frage zu Leibe –
und auch euch Narren höre ich munkeln:
Wieso hat der Capt’n noch keine Bleibe?

Den Matrosen, die tuscheln, kann ich versichern,
dass sie auf dem falschen Dampfer sind.
Natürlich gehör‘ ich in den Heimathafen
und kauf hier ein Haus, sobald ich eins find.

Habt ihr denn keine anderen Sorgen,
als auch zu fragen, wo ich mein Haupt bette?
Viel wichtiger sind doch die Zukunftsvisionen,
wie ich den Tanker vorm Schiffbruch errette!

Denn seien wir ehrlich, die Ausgangslage
fördert nicht nur Schönes zutage:
der Kitas zu wenig, manch Schulen marod,
das Netz zu langsam, die Ampeln zu rot.

Auch den Knatsch um die Bäder kann ich verstehen.
Es tut die Gemüter sehr erhitzen,
doch ihr könnt dabei völlig sicher gehen
nicht ein Schwimmer soll auf dem Trockenen sitzen.

Doch ich bitt‘ euch Narren: Macht kein A aus ’nem X!
Für die Ausgangslage, für die kann ich nix!
Seid versichert: Ich mag keine halben Sachen.
Drum helft mir, den Kahn wieder flott zu machen.

Das ist umso schwerer, als unsere Kass‘ leerer
als die anderer großer Tanker ist.
Statt zu bruddeln, wäre es viel fairer,
einzusehen, dass ihr mithelfen müsst!

Ihr wisst alle schon, was im Logbuch steht.
Doch ich mal‘ euch mal aus, wohin die Reise geht:
Vorm geistigen Bullauge sehe ich kühn
unserem Portus ’ne Blütezeit erblüh’n!

Den Anfang dazu macht, obwohl ich faste,
die allseits erwünschte Brötchentaste.
Von weither kommen sie dann zum Shoppen
und bald schon können wir Stuttgart toppen.

Das geht kinderleicht mit unserer ohne
Zweifel bald schickeren Fußgängerzone.
Und noch leichter geht’s – statt mit Kübeln aus Rost –
mit einer nagelneuen Innenstadt-Ost!

So ’ne Innenstadt-Ost wird nicht einfach geboren,
was wir dazu brauchen, sind Investoren.
Die lockt man – drauf geb‘ ich euch Siegel und Brief –
nur mit ’ner Innenstadt, die attraktiv.

Und mehr noch: Damit die Wirtschaft so brummt,
dass auch der letzte Bruddler verstummt,
braucht’s mehr Flächen fürs Gewerbe –
weshalb ich auch ganz vehement dafür werbe.

Bei so viel seemännischem Feuer
sprudelt bald die Gewerbesteuer!
Und das gestopfte Haushaltsloch
reimt sich dann auch noch auf Boch.

Doch nicht nur die Wirtschaft wird erstrahlen.
Es geht nicht nur um nackte Zahlen.
Für alle wird’s hier deutlich besser:
für Kinder und Alte und Gechillte und Stresser.

Sagt nicht, ich nehm‘ euch bloß aufs Korn.
Ein guter Seemann schaut immer nach vorn.
Lasst uns ab sofort ackern wie See-Pferde:
Auf dass aus dem Tanker ein Traumschiff werde!

Die See mag noch rau sein in diesen Tagen,
das Wasser sehr kalt, die Wellen sehr hoch.
Doch bitt‘ ich euch, nicht zu verzagen
und Vertrauen zu eurem Kapitän zu haben.

Jetzt muss ich aber die Segel streichen
und euch Narren hier wohl weichen.
Ich hiss‘ die Fahne und beteuer‘:
Der Tanker-Schlüssel ist jetzt euer!

Rede von Andrea und Marco „Schwabenschelte“

Also, wenn ich das so richtig seh,
stehen wir hier goldrichtig im Pforzheimer Rathausfoyer.
Wir zwei gehören zu einem streng geheimen Netz,
zur Durchsetzung eines Schwabeneinwanderungsgesetz.

Doch sehe ich mich so um,
hier stehen ja lauter Pappnasen rum.
Genau wie im Bundestag,
709 Vollnarren vor einem Wahlauftrag.
Seit 4 Monaten wird dort sondiert,
und jetzt prüfen die Narrenkappen, ob es nochmal funktioniert.

Also, die Groko-Family will nochmal koalieren,
heißt, Mutti will, die SPD sich möglicherweise vielleicht doch lieber zieren.
Groko, das große Kot … also das geht schon an die Nieren,
will uns niemand mehr regieren?
Sind wir denn so schlimm,
dass nicht einmal die FDP mehr will?!
Die will sonst immer, das Jamaika-Aus nach wochenlangem Diskutieren,
und was heißt denn eigentlich Sondieren?

Ist das so etwas wie ein Swingerclub?
Ja, man lernt sich kennen, isst etwas und trinkt ein Schluck.
Leute, die sich vorher gar nicht kannten,
fühlen sich plötzlich vom anderen verstanden.
Man kommt sich näher, man tastet sich ab,
und dann platzte Linder der Sack!!!

Nein!, den gelben Säcken platzte der Kragen,
der Traum von Jamaika war urplötzlich zerschlagen.
Nein heißt heutzutage eben nein,
weiß jetzt auch Gert Hager im Nachhinein.

Dabei, es kam ja nicht einmal zum Stechen,
also, er musste vorher schon Boch den Sieg zusprechen.
Wo ist er denn überhaupt der neue Oberschwabe, ämmh Oberbürgermeister,
also der aus Epfendorf da von Boch angereister?
Ah da ist er ja, ich dachte schon er nahm vor uns reiß aus,
und versteckt sich im Schwabenland in Epfendorf zuhaus.

Ja Äpfeldorf, Epfendorf ist dort, wo die Äpfel noch auf den Bäumen wachsen
und sie politisches noch beim Frühshoppen bequatschen.
Wo übrigens auch ein alter Bahnhof steht,
an dem aber jeder Zug einfach vorüber geht.
Auch Busverkehr gibt’s kein im Epfendorfer Ländle,
dafür aber ein Mitfahrbänkle.
Ein bitte was? Ja ein Mitfahrbänkle, finanziert aus privaten Spenden,
geht der Epfendorfer sozusagen Trampen.

Und dann kommt der Mann auch noch aus Schwaben
und so etwas lassen wir zu uns nach Baden.

Närrisches Publikum, seit 250 Jahren sind die Kassen leer,
drum musste jetzt ein Schwabe her.

Aber was trieb denn nun diesen Boch nach Pforzheim hin,
war es vielleicht der Trichtinger Silberring?
Mit fast 7 kg ein wahrer Ring der Macht,
hat er Boch zur Goldstadt her gebracht?
Der Irrtum, er wär gar grandios,
statt Gold und Reichtum welch ein Übel,
es ziert die Stadt rostbraune Blumenkübel.
Kaum noch Uhren und Schmuckhandwerk,
dafür ein schlapper Schuldenberg.
Geht es eigentlich noch tiefer?

spekulativer.

Der Wahlausgang, er ist bekannt
jetzt sitzt Herr Epfendorf also im Amt,
und muss nun dafür blechen,
für seine üppigen Wahlversprechen…

Äh, nein, Herr Boch wird nun daran gemessen,
an seine großen Wahlversprechen.
Ja, er liefert, wie vor der Wahl publiziert,
wird nun die Brötchentaste installiert,
was der Pforzemer sicher bald verflucht,
wenn er vergebens nach der Dönertaste sucht.
Wohl dem, der es noch mag,
so ein Fladen mit Phosphat,
Ja was wäre Pforzheim ohne sein Dönerbuden?

ein einsamer Dicker zwischen Backstuben.

Derweil der Leerstand weiter expandiert,
wird halt das drum herum nun etwas aufpoliert.
Und da wir es so dicke haben,
auch die Oststadt könnte einen Neuanstrich vertragen.
Doch halt!, bei aller Dringlichkeit,
mir klingelt da etwas von wegen Bürgerentscheid?
War wohl ein kleiner Wahl-Versprecher? Nö, Herr Boch,
macht nix, das verstehn wir doch.

Ja, natürlich, also, jetzt mal unter uns, kurz nachgezählt,
jeder 4. hier hat doch die AfD gewählt.
Ja seid ihr denn noch g’scheit?
Nur ein Demokrat hat ein Recht auf Bürgerentscheid.
Ja das wäre doch sonst der blanke Wahn,
am Ende bauen die Pforzheimer am Schlossberg noch eine Autobahn.
Und dann die ewige Bruddelei,
dass Pforzheim nicht mehr sicher sei.
Pforzheim ist sicher, ja, steht im Polizeibericht
und Zahlen lügen nicht.
In diesem Bericht stehen die nackten,
alternativen Fakten.

Äh, was? Nein, in diesen Akten,
stehen unlügbare Fakten.
Ich frage mich allerdings, woher die das eigentlich wissen,
wenn die sich dauernd verpissen!?
Aber mal ehrlich, gelegentlich eine auf den Schnitz,
schadet auch mal nix.
Ja, Schluss mit der Nörgelei,
Pforzheimer ist sicher, es bleibt dabei.

Selbst am Bahnhof mit nacktem Hintern,
lässt es sich ungestört mal pimpern.
Da haben wir doch ganz andere Probleme als Gleisverkehr,
ja, es gibt in Pforzheim keine Bienen mehr.
Ja wo Summen sie denn alle hin bei Nacht und Tageslicht?
Zur Flaniermeile jedenfalls nicht.
Nicht mal dazu ist sie nutz,
an Schulen fällt derweil die Decke vom Putz.

Äh, was? Der Putz fällt von der Decke, ja noch und nöcher
werden aus Pforzheims Klassenzimmer Dreckslöcher.
Ja, Pforzheim und seine maroden Gebäude,
das sind die Probleme von heute.
Wer aber keine Kohle hat,
träumt lieber von Pforzheim als Weltkulturhauptstadt.

Ja, Pforzheim auf den ganz großen Bühnen,
präsentiert stolz seine Bauruinen.

Äh, nein, Pforzheim auf der großen Bühne,
präsentiert stolz Schmuck und Rubine.
Jaja, 2022 dann bei der Ornamenta,
vielleicht treffen wir dort den Christo gar.

Ja genau, der Mann, der alles schick und kompakt,
in ein riesen großes Zelt verpackt.
Nein, Pforzheim rettet auch das nicht mehr,
aber am Wartberg müsste eine Überdachung her.
Weil nämlich die Weltkulturhauptstadt,
bis dato kein Hallenbad mehr hat.
Diskutiert man im Rathaus nun die Möglichkeit,
einer Überdachung des Wartbergs zur Winterzeit.
Warum also nicht ums Verrecken,
ein Zelt übers Freibadbecken.
Hoffentlich gibt’s dann am Beckenrand,
im Winter wenigstens ein Glühweinstand.

Ja, liebe Narren, das ist Pforzheimer Boulevard,
politische Ergebnisse eines ganzen Jahr.
Während das Emma durch die Verlängerung taumelt,
wird im Rathaus fröhlich Eier geschaukelt.

Neubau, Abriss oder doch sanieren,
mit oder ohne Sauna zum Flanieren.
Freizeitbad oder doch ein ganz gemeines,
die Badkappen wissen doch nur eines.
Nichts von allem, was sie debattieren,
lässt sich im Finanzplan integrieren.

Närrisches Publikum, seit 250 Jahren sind die Kassen leer,
drum musste jetzt ein Schwabe her.

Ja liebe Narren, mangelnde Integration,
das ist das Problem dieser närrischen Diskussion.
Deshalb wäre doch ein Integrationsbad das Optimale,
Weltkulturhauptstadt Pforzheim in bester Lage,
das Ham Ham Emma Integrationale.

Ja, wer heute integriert,
kriegt morgen von Papa Staat den Hof saniert.

Äh, nein, wer heute integriert,
hat gestern schon in die Zukunft investiert.
Ja, sagt auch Mutti, Integration sichert Existenzen,
da gibt es keine Obergrenzen.
Darum, liebe Narren, wir schaffen das
und kämpfen um unser Recht auf Badespaß!

Epfendorf Karle!!!,
was wir brauchen, ist, dass Bad für alle.

Ob jung oder alt, groß und klein,
auch dick und dünn darf es sein.
Ob mit oder ohne Bart,
Pascha oder Zölibat.
Auch mit und ohne Busch darf es gerne sein,
denn wir lassen einfach alle rein.

Halt, MeToo’s sind außen vor, für die gelten Sonderzeiten,
Wegen unangemessenen Befummlichkeiten.
Dafür gibt’s dann drinnen,
auch extra Bademeisterinnen.
Denn da wo keine Titten,
auch kein Verstoß gegen gute Badesitten.

Närrisches Publikum, seit 250 Jahren sind die Kassen leer,
drum musste jetzt ein Schwabe her.

Liebe Narren, wir nähern uns der Entscheidung,
unsere alljährlichen närrischen Vollpfostenverleihung.
Alles hat ja seinen Preis,
auch unsere Eislaufhalle bewegt sich auf dünnem Eis.
Selbst der einst so stolze Ratskeller,
serviert künftig auf Pizzateller.
Ja, Pforzheim hat es schwer,
und deshalb sollen neue Gewerbeflächen her.
Aber woher diese Flächen holen,
ohne viel Wald dafür zu roden.
Doch neues Gewerbe genießt höchste Priorität,
heißt also, unwichtiger ist unsere Gesundheit und Luftqualität.

Und das zu Zeiten,
wo Feinstaubbelastung und Temperaturen steigen,
weil Stadthaushalt und Portemonnaie,
wichtiger sind als Winter und Schnee,
plant Pforzheim in der Gegenwart,
den Kahlschlag nun am Klapfenhardt.

Zugunsten eines Konzerns, der uns jahrelang belogen,
und mit Schummelsoftware beim CO2 Ausstoß betrog.
An alle verantwortlichen Posten,
dafür kriegt ihr den Närrischen Vollpfosten.

Närrisches Publikum, seit 250 Jahren sind die Kassen leer,
drum musste jetzt ein Schwabe er.

Ja, närrischen Freunde, nun seid ihr informiert,
was in Pforze so oder eben nicht passiert.
Noch einen Satz, eh ich es vergesse,
an die Jungs hier von der Lügenpresse.

Ihr solltet am Montag nur gutes von hier berichten
und auf fakenews ausnahmsweise verzichten.
Denn wir lesen auch nächstes Mal die Messe,
und dann kriegt dir was auf … Den Schnitz.

Hellau
(Andrea Leuze und Marco Nonnenmacher)

Über Besim Karadeniz 345 Artikel
Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.