Studie stellt Pforzheim ein durchschnittlich gutes Zeugnis aus

Umfangreiche Studie warnt von "Exklusionsgefahren in Groß- und Mittelstädten Deutschland. Pforzheim bei Breitbandanschlüssen sehr gut.

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Mit dem „Sozioökonomischen Disparitätenbericht 2019“ vergleicht eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung die Stadt- und Landkreise der Bundesrepublik im Bezug auf wirtschaftliche und gesellschaftliche miteinander. Bei dieser Studie zeigt sich, dass Pforzheim zwar in der Liga der „dynamischen Groß- und Mittelstädte“ in Deutschland mitspielt, aber vor allem nur durchschnittlich gute Werte mitbringt – mit Ausnahme bei der Verteilung von Breitbandanschlüssen ab 50 Megabit/Sekunde Bandbreite, bei der Pforzheim mit der Verteilung von Großstädten wie München, Berlin und Hamburg schon heute problemlos mithalten kann.

Dennoch warnt der Bericht in seinen allgemeinen Schlüssen von einer unter Druck geratenen Mittelschicht und damit vor einer „Exklusionsgefahr“, vor allem in den Groß- und Mittelstädten. Hier sind – auch in der Bewertung zu früheren Berichten – stärkere Driftbewegungen von unterschiedlichen Gesellschaftsbewegungen zu beobachten, die einer funktionalen Inklusion entgegenstehen.

Methodik der „fünf Räume“

In der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung werden die Kreise je nach Performance in fünf Räume kategorisiert:

  • Dynamische Groß- und Mittelstädte mit Exklusionsgefahr
  • Starkes (Um-)Land
  • Deutschlands Solide Mitte
  • Ländlich geprägte Räume in der dauerhaften Strukturkrise
  • Städtisch geprägte Regionen im andauernden Strukturwandel

Erwartungsgemäß bewegt sich Süddeutschland ausschließlich in den drei obersten Kategorien, wobei sich ein breites Band wohlständischer Kreise vom Großraum Karlsruhe/Mannheim nach München erstreckt.

Pforzheim als dynamische Groß- und Mittelstadt

Pforzheim zählt neben den Städten Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Stuttgart, Baden-Baden, Ulm und Freiburg zur Gruppe der „dynamischen Groß und Mittelstädten mit Exklusionsgefahr“, das Enzkreis zu „starkem Umland“.

DeutschlandMittelwert
aller
dynamischer
Groß- und
Mittelstädte
PforzheimEnzkreis
Altersarmut2,6 %4,2 %4,2 %1,1 %
Kinderarmut (in %)12,8 %18 %20,7 %5,2 %
Lebenserwartung80,6 Jahre80,6 Jahre81,1 Jahre82,5 Jahre
Erreichbarkeit von Hausärzten5,1 min3,5 min3,1 min3,1 min
Bruttogehälter3.148 €3.213 €3.056 €3.533 €
Kommunale Schulden pro Person1.721 €1.585 €
935 €464 €
Wahlbeteiligung75,8 %74,4 %69,4 %80,3 %
Breitbandanschluss79,6 %93,3 %97 %75 %
Gesamtwanderungssaldo
(Personen je 100.000 Einwohner)
-1,197,5-15,771,1
Hochqualifiziert Beschäftigte13,5 %21,4 %12,3 %13 %

Interpretationen der Werte

  • Altersarmut: Hier bewegt sich Pforzheim exakt auf dem Mittelwert für alle deutschen Groß- und Mittelstädte und höher als im Schnitt aller Kreise in Deutschland. Für das Enzkreis zeigt sich eine stark unterdurchschnittliche Altersarmut.
  • Kinderarmut: Fast gleiche Tendenzen, wie bei der Altersarmut, wobei Pforzheim leicht schlechter gegenüber dem Mittelwert aller Groß- und Mittelstädte abschneidet.
  • Lebenserwartung: Hier gibt es wenig Unterschiede außer dem interessanten Aspekt, dass im Enzkreis über ein Jahr länger gelebt wird, als in Pforzheim. Das Enzkreis schlägt sich hier sogar im Vergleich mit allen Kreisen, die als „starkes Umland“ bezeichnet werden, etwas besser als im dortigen Durchschnitt (82 Jahre).
  • Erreichbarkeit von Hausärzten: Die Erreichbarkeit von Hausärzten ist in Pforzheim und dem Enzkreis gleich und bewegt sich deutlich über dem Durchschnitt aller Kreise in Deutschland.
  • Bruttogehälter: Die durchschnittlichen Bruttogehälter sind in Pforzheim deutlich niedriger gegenüber dem Durchschnitt aller dynamischen Groß- und Mittelstädte. Auch gegenüber allen Kreisen in Deutschland sind die Bruttogehälter in Pforzheim niedriger. Besonders eklatant ist der Vergleich mit dem Enzkreis; fast 500 Euro mehr wird dort im Durchschnitt brutto verdient.
  • Kommunale Schulden: Trotz der angespannten Finanzlage der Stadt Pforzheim sind die kommunalen Schulden pro Personen mit 935 Euro pro Person rund ein Drittel niedriger als der Städtedurchschnitt.
  • Wahlbeteiligung: Die durchschnittliche Wahlbeteiligung ist in Pforzheim leicht niedriger als im Städte- und Bundesdurchschnitt, während sie im Enzkreis deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt.
  • Breitbandanschluss: Hier schlägt Pforzheim überdurchnittlich gut ab und gehört bundesweit zu den am besten ausgebauten Kreisen. Fast satte 20 % trennt den Bundesdurchschnitt von dem in Pforzheim. Und das Enzkreis ist mit 75 % noch weiter entfernt von den 97 % in Pforzheim.
  • Gesamtwanderungssaldo: Hier bewegt sich Pforzheim mit minus 15 Einwohnern pro 100.000 Einwohner nahe Null. Das bedeutet allerdings auch, dass Pforzheim derzeit bei weiterem keinen solchen Zustrom hat wie die stärksten Groß- und Mittelstädte Deutschlands; die Spitzenreiter verzeichnen hier deutlich über 1.500 Personen pro 100.000 Einwohner.
  • Hochqualifizierte Beschäftigte: Bei der Quote von hochqualifizierten Beschäftigten bewegen sich Pforzheim und das Enzkreis nahezu auf dem Bundesdurchschnitt, Pforzheim ist aber im Vergleich zu anderen Groß- und Mittelstädten eindeutig im Hintertreffen. Die besten Städte schaffen hier Werte über 40 %.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.