Pforzheim ist attraktiv – mit „Altlasten“

Screenshot des Teilhabeatlas Deutschland des Berlin-Instituts und der Wüstenrot-Stiftung

Umfangreiche bundesweite Studie zeigt interessante Fakten zwischen den Kreisen in Deutschland und der Region.

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Der heute vorgestellte „Teilhabeatlas“ des Berlin-Instituts und der Wüstenrot-Stiftung, in dem tatsächliche und gefühlte Lebensverhältnisse in allen Stadt- und Landkreisen Deutschlands miteinander verglichen werden, offenbart für Pforzheim und Enzkreis interessante Zahlen und Analysen, die vielen Pforzheimern bekannt sein dürften:

Versorgung

In Sachen Versorgung wurden in der Studie für alle Kreise zwei Werte ermittelt, für schnelles Internet und ein allgemeiner Versorgungsindex, der eine Kennzahl für die Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen wie Supermärkte, Ärzte, Schulen oder Haltestellen darstellen soll.

In Sachen schnelle Internetzugänge bewegt sich Pforzheim mit 96,95 % der Haushalte mit mindestens 50 MBit/s Internet-Bandbreite auf bundesweit höchstem Niveau mit Städten wie Regensburg (99,67 %) Köln (97,37 %), Hamburg (96,53 %) oder Leverkusen (98,44 %). In Baden-Württemberg ist Pforzheim Spitzenreiter. Das Enzkreis ist mit 71,04 % eher im bundesweiten Mittelfeld.

Beim allgemeinen Versorgungsindex ist Pforzheim ebenfalls in der höchsten Index-Liga mit der Indexzahl 6 von 6 möglichen. Landes- und bundesweit kann Pforzheim hier mit weit größeren Städten wie Berlin, Hamburg oder München mitspielen, die ebenfalls mindestens die Indexzahl 6 erreichen. Mit der Indexzahl 3 ist das Enzkreis ebenfalls im Mittelfeld.

Soziale Teilhabe

Bei drei Zahlen, die zur sozialen Teilhabe gehören, zeigen sich zumindest bei zwei Werten deutliche Unterschiede. So ist das Einkommensniveau in Pforzheim mit 22.882 Euro pro Person und Jahr am unteren Ende im süddeutschen Raum und wird nur noch von ländlichen Regionen unterschritten. Selbst im Enzkreis wird mit rund 24.800 Euro im Durchschnitt 2.000 Euro mehr verdient. Zum baden-württembergischen Spitzenreiter, dem Landkreis Heilbronn mit 32.366 Euro besteht ein Unterschied von fast 10.000 Euro Einkommen pro Jahr.

Das allgemein niedrigere Einkommen zeigt sich daher auch in den durchschnittlichen Steuereinnahmen pro Person, die in Pforzheim bei rund 895 Euro liegen (Enzkreis 988 Euro).

Mit 81 Jahren Lebenserwartung bewegt sich Pforzheim auf hohem Niveau. Tatsächlich wird im Enzkreis aber durchschnittlich 1,4 Jahre länger gelebt, im Hochschwarzwald gar ganze zwei Jahre.

Wirtschaftliche Teilhabe

Bei der wirtschaftlichen Teilhabe zeigt sich vor allem bei der Quote der Hartz-IV-Empfänger mit 12 % ein deutliches Problem, in Baden-Württemberg die höchste Quote und in Süddeutschland nur übertroffen von den bayerischen Städten Hof und Schweinfurt. Mit 3,47 % zeigt sich ein krasser Unterschied zum Enzkreis, das mit seiner Quote wiederum bundesweit zu den besten Kreisen gehört.

Bei den Schulabbrechern ist Pforzheim mit rund 8,4 % im hinteren Mittelfeld und das Enzkreis mit 10,7 % gar der zweitschlechteste Kreis in Baden-Württemberg.

Pforzheim ist dennoch attraktive Großstadt

Generell gehören süddeutsche Städte in Sachen Wanderung zu den großen Gewinnern, auch im bundesweiten Vergleich. Bei den 18- bis 29-Jährigen gab es zwischen 2013 und 2017 ein gewaltiges Zuwanderungsplus von über 40 % in Pforzheim zu verzeichnen – ein süddeutsches Spitzenergebnis. Das Enzkreis schwächelt bei diesem Vergleich erstaunlicherweise deutlich mit einem Wanderungssaldo von minus 1,8 % für den gleichen Zeitraum.

In der zentralen Auswertung wurden alle Stadt- und Landkreise einer Clusterbewertung unterzogen und in sechs verschiedene Gruppen eingeteilt: Reiche Großstadt oder Speckgürtel, Attraktive Großstadt, Großstadt mit Problemen, Erfolgreiche ländliche Region, Ländliche Region mit Problemen, „Abgehängte“ Region. Während das Enzkreis sogar zu den erfolgreichen ländlichen Regionen Deutschlands zählt, die sich im übrigen vornehmlich im süddeutschen Raum befinden, ist Pforzheim immerhin, ähnlich wie Karlsruhe, Mannheim und Freiburg, eine „attraktive Großstadt“, in der die „Teilhabechancen gut sind und Menschen vor vereinzelten Hürden stehen“.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.