Schon alles vorbei mit Corona? (Nein.)

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Das teilweise Ende des "Lockdowns" im täglichen Leben macht Hoffnung. Es ist aber mit großer Sicherheit noch nicht das Ende der Corona-Pandemie.

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Sechs Wochen „Lockdown“ zehren an den Nerven. Den einen beschleicht der Lagerkoller, der andere ist schwer genervt vom Home Office und der andere ist urlaubsreif aufgrund sechs Wochen Kinderbetreuung. Hinter jedem Menschen steht ein Drama und man muss es sich immer wieder vor Augen halten: Noch Anfang dieses Jahres hätte kaum einer ahnen können, was für Dramatik die letzten Wochen rund um den Globus gelaufen ist.

Und auch noch läuft. Denn auch wenn nun nach und nach der „Lockdown“, der weitgehende „Winterschlaf“ des öffentlichen Lebens, hier und da aufgehoben wird, sind wir noch lange nicht am Ende der Corona-Pandemie. Und wir sollten es auch keinesfalls einfach so glauben.

Denn tatsächlich gibt es immer noch Neuinfektionen und das Potential für gewaltige Infektionsketten, was man nicht zuletzt in der ab April grassierenden Infektionswelle in der Mitarbeiterschaft bei Müller Fleisch gesehen hat. Von derzeit etwas über 800 bestätigten Infektionsfällen in Pforzheim und Enzkreis gehen allein rund 300 Infektionen aus dieses Konto (eingerechnet in diesen 300 Fällen auch Fälle, die offiziell im Kreis Calw registriert sind).

Die jetzige Eindämmung kann daher nur ein Zwischenschritt sein und sollte tunlichst auch als solche angesehen werden. Erst jetzt werden Kinder und Jugendliche wieder nach und nach in größeren Zahlen in Kitas und Schulen gehen, erst jetzt haben viele Geschäfte wieder geöffnet und trotz aller Vorsicht, die viele Menschen immerhin im täglichen Leben walten lassen, gibt es viele, viele unbekannte Variablen in dieser Rechnung. Und spätestens wenn im Herbst wieder die übliche Krankheitssaison anfangen wird, beginnt mit großer Wahrscheinlichkeit der richtige Ernst der Lage. Wenn wir bis dahin wieder lockergelassen haben, könnte es zu einer zweiten, erheblich größeren und erheblich schlimmeren zweiten Welle kommen.

Jetzt zu sagen „Ist doch alles gut gegangen und nun muss auch mal Schluss sein mit diesem ganzen Corona“, ist zu früh und einfältig. Nur weil wir es geschafft haben, innerhalb weniger Tage in einen „General-Winterschlaf“ zu gehen und von Anfang an viele Corona-Tests durchgeführt haben – was letztlich alles auch durch eine gute Informationspolitik flankiert wurde, haben wir ähnliche Verhältnisse wie in Italien, Spanien, Großbritannien oder den USA vorerst vermeiden können. Schon heute verweisen viele internationale Experten auf Südkorea und Deutschland, wenn es um die Frage geht, wie einer Pandemie am sinnvollsten entgegengetreten werden kann.

Machen wir etwas daraus. Und geben wir vor allem diesen höchst wertvollen Vorsprung nicht einfach so wieder auf.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.