Ausstellung „Risikogruppen“ im Alfons-Kern-Turm

Plakate zur Ausstellung "Risikogruppen" im Alfons-Kern-Turm

Dokumentarfilmerin Yulia Lokshina reflektiert in ihrer Ausstellung über "andere" Risikogruppen der Gesellschaft. Ausstellung bis Anfang August.

(Lesezeit: 3 Minuten)

Besuchsverbote in Seniorenheimen und Krankenhäusern, Maskenpflicht, Kampagnen die zum Zuhausebleiben aufrufen – die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zielen darauf ab, vor allem besonders gefährdete Menschen, die „Risikogruppen“ zu schützen. Die Corona-Pandemie rückt jedoch auch andere Gruppen in den Fokus, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Situation besonders getroffen werden und offenbart so die Defizite unserer Gesellschaft. Das aktuelle Beispiel sind die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in deutschen Schlachtbetrieben, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen zwar schon seit Längerem bekannt sind, nun aber ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

In der Ausstellung „Risikogruppen“ vom 3. Juli bis 2. August 2020 im Alfons-Kern-Turm („A.K.T;“) in Pforzheim reflektiert die Dokumentarfilmerin Yulia Lokshina über diese „anderen“ Risikogruppen unserer Gesellschaft. „Die Ausstellung zeigt verschiedene Filme und Videoarbeiten, die sich mit gesellschaftlichem Zusammenleben und Fragen nach Rechtsstaatlichkeit, Gesellschaftsstruktur, Glauben, Ökonomie, Konsum und sozialer Fairness beschäftigen. Der Begriff ‚Risikogruppen‘ wurde in den letzten Wochen sehr aufgeladen, und wir hatten das Gefühl, dass wir diesen Begriff noch einmal öffnen und schauen sollten, welche Risikogruppen es in unserer Gesellschaft noch gibt und wer eigentlich welche Form von Risiko trägt“, erklärt Lokshina.

Das Motiv der „Risikogruppen“ zieht sich thematisch durch die Filme von Yulia Lokshina. Sie zeigen Risikogruppen unterschiedlicher Art und machen sie sichtbar: von den Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter, die in „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ (2020) die ständig wachsende Fleischindustrie beliefern, bis hin zu den Opfern chemischer Entlaubungsmittel in „After War“ (2018).

„Ereignisse wie die Corona-Pandemie führen uns gesellschaftliche Probleme vor Augen, die schon länger bestehen, mit denen wir uns aber arrangiert haben. Umso deutlicher zeigen sich jetzt die Folgen dieser Versäumnisse. Das war für uns der Anlass, in der Ausstellung durch die Filme von Yulia Lokshina unsere gegenwärtige Definition von Risikogruppen zu hinterfragen“, erläutert Janusz Czech, künstlerischer Leiter des A.K.T; „Gerade die große Aufmerksamkeit um den Film „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ macht deutlich, welchen wichtigen Beitrag Kunst leisten kann, um gesellschaftliche Fragestellungen zu diskutieren“, ergänzt Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim.

Yulia Lokshina, geboren 1986 in Moskau, studiert seit 2011 Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Ihre Film- und Videoarbeiten beschäftigen sich mit der Interferenz sozialer Umgebungen und ihrer Protagonisten. Im Rahmen ihrer Arbeit am Forum Internationale Wissenschaft Bonn entstehen parallel audiovisuelle Projekte an der Schnittstelle von Film und Wissenschaft sowie Vorträge und Publikationen zum Dokumentarischen. „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist ihr Diplomfilm.

Daten zur Ausstellung

Datum: 3. Juli 2020 bis 2. August 2020
Digitale Vernissage: Donnerstag, 2. Juli 2020, 19 Uhr via zoom, Link unter www.akate.de

Öffnungszeiten: Donnerstag & Freitag, 15 bis 19 Uhr, Samstag 15-21 Uhr, Sonntag 11-19 Uhr

Ort: A.K.T; Theaterstraße 21 75175 Pforzheim

(Pressemitteilung Stadt Pforzheim)

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