Müller Fleisch setzt bei Neubau des Tiefkühl-Hochregallagers auf ein Miteinander mit Birkenfeld

Im Bau befindliches Tiefkühl-Hochregallager von Müller Fleisch in Birkenfeld

Unternehmen möchte sein vollautomatisches Tiefkühl-Hochregallager in der ersten Jahreshälfte 2021 in Betrieb nehmen. Investition auch ein Zeichen der "jahrzehntelangen Standorttreue".

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Es sind gewaltige Dimensionen, die das 30 Millionen teure und vollautomatisch arbeitende Hochregallager aufweist, das Müller Fleisch bis Mitte nächstes Jahr zum Einsatz bringen möchte: Auf nur 2.000 Quadratmetern Fläche, die immerhin von einer 1,5 Meter dicken Bodenplatte gebildet wird, soll ein Hochregal mit 90 Metern Länge, 20 Metern Breite und 30 Metern Höhe aufgebaut werden. Das wiederum hat zwölf Stockwerke und soll bis zu 9.200 Kühlcontainer einlagern können, jeder immerhin bis zu 600 Kilogramm schwer.

Lagern will Müller Fleisch hier zukünftig Fleischprodukte, um unabhängiger von Jahreszeiten zu sein und internationale Märkte bedarfsgerecht zu bedienen. Geschäftsführer Stefan Müller hat da auch ein anschauliche Argumentation, denn beispielsweise werden im Sommer deutlich mehr Fleischwaren nachgefragt, die sich grillen lassen.

Müller-Fleisch-Geschäftsführer Stefan Müller

Man unterstreiche mit dem Neubau in Birkenfeld die „jahrzehntelange Standorttreue und die Verantwortung für die Region“, so Müller Fleisch gegenüber Medienvertretern. „Wir stehen fest zu unserem wichtigsten Standort hier in Birkenfeld, auch wenn es in der jüngeren Vergangenheit nicht immer einfach war“, so Geschäftsführer Stefan Müller. „Wir kommunizieren offen und transparent und wünschen uns im Interesse unserer Belegschaft, der Familien und unserer Geschäftspartner, dass diese Offenheit auch in einer objektiven Berichterstattung mündet.“

Diskussionen um Lärmemissionen

Kern von vielen Diskussionen rund um Erweiterungen ist die spezielle Lage im Brötzinger Tal, bei der das Unternehmen auf gleich zwei Seiten von Wohngebieten eingerahmt wird – im Westen von Birkenfeld und im Südosten von der Herrenstriet-Siedlung, die zu Pforzheim gehört. Gesetzliche Vorgaben sehen vor, dass zwischen Wohn- und Industriegebiet eine einvernehmliche Regelung über Lärmemissionen getroffen werden muss. Hier gehen freilich die Vorstellungen auseinander, denn die ursprünglich von Birkenfeld geforderten Grenzwerte von 55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts bewegte Müller Fleisch zu einem Widerspruch beim Regierungspräsidium.

Grundlage einer Einigung sind nun Emissionswerte von tagsüber 60 Dezibel und nachts von 45 Dezibel. Klingt nach wenig, erfordert aber dennoch von Müller Fleisch erhebliche zusätzliche Investition bei der Lärmdämmung von Klimaanlagen und der Errichtung von Lärmschutzwänden zur Herrenstriet-Siedlung hin. Maßnahmen, die Müller Fleisch auch als Entgegenkommen betrachtet sehen will. „Den Birkenfelder Bewohnerinnen und Bewohner war in den vergangenen 50 Jahren bewusst dass es eine Bundesstraße, eine Bahnlinie und das Industriegebiet gibt. Wir sind an einem guten Miteinander interessiert und setzen auf gegenseitiges Verständnis. Dazu gehört aber auch, dass wir hier weiterhin produzieren können und die festgelegten Grenzwerte von unseren Nachbarn akzeptiert werden.“

Daher könne man sich nicht auf Emissionswerte einlassen, die ausschließlich für Wohngebiete gelten. „Das Miteinander, das entstanden ist, muss auch bleiben“, so Müller, zumal das Unternehmen deutlich früher am Standort existierte, als die Herrenstriet-Siedlung. „Wenn einer weiteren Zersiedelung in Deutschland etwas entgegen gesetzt werden soll, dann geht das nur wenn bereits bestehende Industrieflächen effizient, nachhaltig und zukunftsfähig genutzt werden. Dazu gehören eben auch der von uns geplante Ausbau und die Erweiterung hier bei uns im Brötzinger Tal.“

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.