Zukunft neuer Gewerbegebiete weiter in der Luft

Zweiter "Runder Tisch Gewerbeflächen"

Weiterhin keine Tendenzen für Gewerbegebietsstandort Klapfenhardt oder Ochsenwäldle. Weitere Untersuchungen bis Sommer 2019.

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Wer sich Hoffnungen darauf gemacht hatte, dass im Frühjahr – so wie im letzten Jahr vage angekündigt, eine Entscheidung für den Standort Klapfenhardt oder Ochsenwäldle für ein neues Pforzheimer Gewerbegebiet gefällt werden könnte, wurde spätestens beim gestrigen zweiten „Runden Tisch Gewerbeflächen“ enttäuscht, an dem rund 25 Personen unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Peter Boch teilnahmen.

Joachim Müller vom Vermessungs- und Liegenschaftsamt gab in seinem Vortrag die Auskunft, dass erste umfangreiche Untersuchungen mit externen Unternehmen gemacht wurden und aus hydrogeologischer und verkehrsrechtlicher Sicht bei beiden untersuchten Gebieten keine größeren Bedenken bestünden. Im Bereich Ochsenwäldle gebe es in einem Teilbereich die Problematik unterirdischer Wasserläufe, die in diesen Bereichen allerdings nur Tiefbauarbeiten beträfen. Für Klapfenhardt rechne man intern, dass der nördliche Teil des Planungsgebietes möglicherweise deshalb als Gewerbegebiet nicht genehmigt werden könne, da dieser Bereich an FFH-Gebiete („Flora-Fauna-Habitat“) grenze und in Sachen Wasserschutz für Ersingen relevant sei. In beiden Gebieten müssen bei der Realisierung eines Gewerbegebietes zusätzliche Ampelanlagen gebaut werden, grundsätzlich sei aber ein prognostizierter Anstieg des Autoverkehrs um 6.600 Autos in beiden Gebieten verträglich.

In Sachen Artenschutz wurden ebenfalls Untersuchungen durchgeführt, allerdings müssen jetzt Teilbereiche weiter untersucht werden, die im Falle von Fledermausarten, Amphibien und Käfer bis in den Juli 2019 dauern können. Danach sollen alle in Gutachten gesammelten Daten in geordneter Form veröffentlicht und dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt werden. Ebenso sollen ab Mittwoch die Präsentationen, die beim Runden Tisch die Basis der Vorträge waren, auf der Website der Stadt veröffentlicht werden.

Weiterhin starke Einwände gegen Klapfenhardt

Schon der Umstand, dass ein Gewerbegebiet Klapfenhardt zu großen Teilen von FFH-Gebieten umrahmt ist, verböte eigentlich eine gewerbliche Nutzung, so Kritiker der Bürgerinitiative Nord. Zudem sei der dortige Wald älter als angegeben. Besonders befürchte man, dass die endgültige Entscheidung über ein Gewerbegebiet nur durch die Stadtverwaltung getroffen werden könnte und Bedenken gegen Klapfenhardt da dann möglicherweise unter den Tisch fallen.

Dem widersprach OB Boch, der weiterhin den Weg der Entscheidung so skizziert, dass alle Gutachten – darunter auch Gutachten von Fachleuten, die von Klapfenhardt-Gegnern in Auftrag gegeben wurden – in eine Gesamtbetrachtung einfließen sollen und die wiederum die Basis für eine Gemeinderatsvorlage werden soll.

Kurzer Disput zur Wirtschaftsförderung

In einem Vortrag beschrieb WSP-Geschäftsführer Oliver Reitz, wie zukünftig Unternehmen ausgewählt werden könnten, die sich für Flächen auf dem Gewerbegebiet „Südlich am Hohberg“ und das zukünftige Gewerbegebiet Klapfenhardt bzw. Ochsenwäldle interessieren. Man wolle mehr darauf achten, dass Unternehmen zum bestehenden Gewerbeumfeld passen und Synergien mit bereits angesiedelten Unternehmen möglich seien.

Ebenso wolle man mit Werkzeugen der Trendfortschreibung entwickeln, welche Unternehmen besonders zukunftsträchtig sein könnten, um solchen Unternehmen und Ansiedlungen in einer Bewertungsmatrix einen höheren Stellenwert geben zu können. Neben weiteren Bewertungspunkten wie z.B. Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, Flächenverbrauch und Architektur könnten so einheitliche Bewertungen gemacht und gleichzeitig ansiedlungswillige Unternehmen motiviert werden, entsprechende Vorgaben zu berücksichtigen.

Stadtrat Hans-Ulrich Rülke (FDP/Freie Wähler) äußerte harsche Kritik am „Vorschreiben von Zusammenarbeit“ von Unternehmen. Eine gewisse Steuerung sei okay, aber weitere Kategorisierungen befand Rülke als „starken Tobak“. Gäbe es noch keinen Titel für den Plan des WSP, würde er „Fünfjahresplan“ dafür vorschlagen.

Im Gegenzug antwortete Stadtrat Ralf Fuhrmann (SPD) mit seinem ersten Gedanken zu Reitz‘ Vortrag: „Warum machen wir das nicht schon immer so?“ Eine Selbstverpflichtung sei deshalb schon zwingend, weil „Schüler uns zeigen, dass sich etwas ändern muss“. In eine ähnliche Richtung äußerste sich auch Markus Wexel als Vertreter der IHK Nordschwarzwald, der befand, dass die Pläne sehr stark den Gedanken der IHK entsprechen würden, so wie sie von der IHK angedacht würden.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.