Stipendiaten für „Designers in Residence“ 2021 stehen fest

"Designers-in-Residence"-Stipendiaten 2021: Marina Aleksashina, Caio Mahin, Naama Levit (Fotos: privat)

Stipendiaten werden ab April für drei Monate in Pforzheim wohnen und an ihren künstlerischen Projekten arbeiten.

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Freiheit, um eigene Ideen auszuprobieren, finanzielle Unabhängigkeit und ein breites Netzwerk an Kreativschaffenden – mit dem Stipendium „Designers in Residence“ in Pforzheim erhalten drei internationale Nachwuchsdesigner erneut die Möglichkeit, von April bis Juni 2021 im EMMA-Kreativzentrum Pforzheim an einem Projekt ihrer Wahl zu arbeiten. „Designers in Residence“ wird seit 2016 von der Stadt Pforzheim in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim und dem Design Center Baden-Württemberg ausgeschrieben. Aus über 270 Bewerbungen aus 51 Ländern wählte die Jury Marina Aleksashina aus Russland, Caio Mahin aus Brasilien/Portugal und Naama Levit aus Israel/USA aus.

„Für junge Designer ist es extrem wichtig, sich drei Monate lang nur auf ihr eigenes Projekt fokussieren zu können, wozu ihnen sonst der Freiraum fehlt. Daher haben wir uns auch bewusst dafür entschieden, den Stipendiaten den Aufenthalt in Pforzheim trotz der erschwerten Bedingungen durch die COVID19-Pandemie zu ermöglichen“, sagt Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim.

Die Modedesignerin Marina Aleksashina aus Russland möchte nicht nur reine Designobjekte schaffen, sondern erzählt mit ihren Kollektionen Geschichten und arbeitet gesellschaftliche Themen auf. Während ihres Stipendiums möchte sie sich mit der Auferlegung von Rollen und der Übertragung von Erwartungen durch Kleidung beschäftigen, und zwar durch die Vermischung von Attributen aus Militärkleidung und Karnevalskostümen, mit denen Kinder sich als Erwachsene verkleiden.

Am Ende der drei Monate möchte sie ihre Arbeit in Form einer Installation, eines Videos und Animationen präsentieren. „Marina Aleksashina hat durch ihr starkes Portfolio überzeugt, das zeigt, wie sie konzeptgesteuerte und politische Themen sehr verständlich und emotional umsetzt. Ein spannender Aspekt war zudem, dass sie einen Schritt weiter gehen und nicht nur Kleidungsstücke präsentieren möchte“, begründet Amelie Gaydoul die Entscheidung der Jury.

Die Schmuckstücke des brasilianischen Schmuckdesigners Caio Mahin transportieren sowohl eine sehr persönliche Geschichte als auch eine politische Botschaft: Caio Mahins erste Erfahrungen mit Schmuck waren sehr schmerzhaft: In Brasilien aufgewachsen, äußerte er als 9-jähriger Junge den Wunsch, sich die Ohren piercen zu lassen. Daraufhin drohte sein Vater, ihm selbst mithilfe einer rostigen Gartenharke ein Ohrloch zu stechen. Die weibliche Aura des Schmucks wurde für Caio Mahin so zur Gefahr, repräsentierte jedoch gleichzeitig sein tiefstes Bedürfnis nach einer Ausdrucksform. “Caio Mahin ist ein junger Künstler, der schon früh mit den Härten des Lebens konfrontiert wurde und aufgrund seiner persönlichen Orientierung harscher Kritik, auch aus dem Elternhaus, ausgesetzt war. Er kreiert Schmuck, der die Betrachter mit Gesellschaftskritik an unverändert aktuellen Themen wie Rassismus und Sexismus konfrontiert, gleichzeitig aber auch besänftigt und vermittelt”, so Jurymitglied Sam Tho Duong.

Das dritte Stipendium erhält Naama Levit aus Israel, die in New York lebt und arbeitet. Sie beschäftigt sich mit aktuellen Konzepten des „zu Hause“ und des privaten Raums und stellt Fragen nach Mobilität, Nomadentum und Identität. Während ihres Aufenthaltes in Pforzheim möchte sie eine interdisziplinäre „nomadische Installation“ schaffen, mit Objekten, Schmuck, Möbeln und Materialien, die Vertrautheit hinterfragen. Dazu sammelt sie Materialien, dokumentiert Formen und Räume und beobachtet, welche persönlichen Gegenstände die Menschen in ihrer Umgebung am Körper tragen.

„Naama Levit geht an ihre Arbeit völlig unvoreingenommen heran, lässt sich vom Moment der Begegnung mit Materialien inspirieren und schafft mit ihre Kreativität eine erstaunliche Vielfalt an phantasievollen Objekten. Sie steht allen Techniken mit Offenheit und Neugierde gegenüber“, erläutert Jurymitglied Stefan Lippert.

Die drei Designer werden von April bis Juni 2021 in Pforzheim wohnen und im EMMA-Kreativzentrum Pforzheim an ihren Projekten arbeiten. Für den Zeitraum des Stipendiums erhalten die Designer eine kostenlose Unterkunft sowie eine monatliche finanzielle Förderung. Darüber hinaus können die Stipendiaten die Infrastruktur und die Angebote der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim im Rahmen des Stipendiums nutzen. Im Anschluss werden die Ergebnisse in Ausstellungen im EMMA – Kreativzentrum sowie im Design Center Baden-Württemberg, Stuttgart präsentiert.

(Pressemitteilung Stadt Pforzheim, bka)

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