Buch zu 100 Jahren Wartbergsiedlung veröffentlicht

Stellen das Buch zum 100-jährigen Jubiläum der Wartbergsiedlung vor, von links: Dr. Daniel Schulz (Landesamt für Denkmalpflege), Dr. Christoph Timm (ehemaliger städtischer Denkmalpfleger), Reinhard Meier (Leiter städtische Sanierungsstelle), Bürgermeisterin Sibylle Schüssler. (Foto: Stadt Pforzheim/Ljiljana Berakovic)

Denkmalgeschützte Wartbergsiedlung gilt als bauhistorisch wertvolles Zeugnis des Siedlungsbaus in der Weimarer Republik.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Die Wartbergsiedlung im Nordosten der Stadt Pforzheim unterhalb des Wartbergs feiert 100-jähriges Bestehen und gilt als Paradebeispiel für den Siedlungsbau in der Weimarer Republik zwischen 1918 und 1933. Eine Vielzahl von experimentellen und wegweisenden Siedlungen am Rande von Städten stammen aus dieser Zeit. Ein weiteres Beispiel ist hier die Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin, die eine ganz ähnliche Siedlungsstruktur verfolgt.

Zur Erbauungszeit der Siedlung lag das 270 Ar große Gelände außerhalb des bisher erschlossenen Stadtgebietes inmitten von Feldern, Äckern und Weinbergen. Bedingt durch die große Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg und die geringe private Bautätigkeit wurde mit Hilfe der gemeinnützigen Baugesellschaft Pforzheim-Stadt, der heutigen Pforzheimer Bau und Grund, die Wartbergsiedlung errichtet. Ziel war es, neuen erschwinglichen und lebenswerten Wohnraum für Familien bereit zu stellen und den Weg zum Eigenheim zu eröffnen. Die Wartbergsiedlung ist also ein gutes Beispiel, wie schon vor 100 Jahren durch genossenschaftliche Finanzierung und öffentliche Förderung hochwertiger und gemeinnütziger Wohnungsbau entstehen konnte und gleichzeitig eine neue Qualität des Wohnens für Menschen geschaffen wurde.

Kennzeichen der Wartbergsiedlung sind trotz einiger Veränderungen bis heute die verbreiteten Schindelfassaden, Kalksteinsockel, Sprossenfenster, Klappläde, Holzzäune, umrahmt von viel Grün. Die meisten Häuser sind als Doppelhaushälften konzipiert und bieten auch heute noch selbst einer größeren Familie erstaunlich viel Wohnraum, weshalb die Wartbergsiedlung als beliebte Wohngegend gilt und gleichzeitig ein Stück Stadtgeschichte erzählt.

Die Wartbergsiedlung ist seit 1995 durch eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung geschützt, wodurch auch sichergestellt wird, dass die Häuser – sofern noch nicht geschehen – in ihr originales bauzeitliches Erscheinungsbild zurückgeführt werden. „Unterschiedliche Haustypen, die verschiedenfarbig gestaltet waren, sorgten für diese Gleichförmigkeit – aber nicht Uniformität! Die Siedlung wirkt nicht genormt, und es gab durchaus Raum für eigene Kreativität“, erläutert Daniel Schulz vom Landesdenkmalamt.

Anlässlich dieses Jubiläums hat die Stadt Pforzheim ein Buch veröffentlicht, um dieses besondere Ereignis zu feiern. „Uns ist es ein großes Anliegen, diese besondere Wohnqualität und den einheitlichen Charakter der Wartbergsiedlung zu erhalten, und ich denke, wir können Vieles aus der Wartbergsiedlung auf die heutige Zeit übertragen“, erläutert Bürgermeisterin Sibylle Schüssler. Mitgewirkt an der Veröffentlichung haben auch Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung, die Texte und Fotomaterial beigesteuert und sich für Interviews zur Verfügung gestellt haben. Sibylle Schüssler dankt darüber hinaus dem Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart, insbesondere dem Oberkonservator Daniel Keller und Gebietsreferent Dr. Daniel Schulz, für die inhaltliche und finanzielle Unterstützung.

Das vorliegende Buch soll die baulichen und städtebaulichen Qualitäten der Siedlung aufzeigen und vermitteln – nicht nur den Eigentümern, sondern allen am Wohnungsbau interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Es gewährt Einblicke in die architekturgeschichtliche Bedeutung der Wartbergsiedlung als kulturelles Erbe der 1920er Jahre in Pforzheim und in die Weiterentwicklung dieses Wohnquartiers bis in die Gegenwart. Es finden sich darin nicht nur Daten und Fotos aus den Archiven, sondern auch aktuelle Aufnahmen des Fotografen Winfried Reinhardt und die Beiträge und Erinnerungen einzelner Bewohnerinnen und Bewohner. Das Buch kann über den örtlichen Buchhandel oder den Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher (Telefon 07251 36703-0, www.verlag-regionalkultur.de) zum Preis von 22,50 Euro bezogen werden.

(Pressemitteilung Stadt Pforzheim, bka)

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