Sonderimpfkampagne kommt nur schleppend in Gang

Impfung (Symbolbild) Foto: CDC on Unsplash

Erst rund 400 Portionen des Sonderkontingentes von 10.000 Impfdosen verimpft. Offenkundig Vorbehalte gegen Impfstoff von Astra-Zeneca.

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Die Verimpfung des Sonderkontingentes an 10.000 zusätzlichen Impfdosen, die das Land Baden-Württemberg unter anderem dem Stadtkreis Pforzheim zugeteilt hat, um die Impfquote zu heben, läuft schleppend. Auf Nachfrage teilt die Stadt mit, dass erst rund 400 Impfdosen aus dem Sonderkontingent verimpft werden konnten – obwohl seit Montag jeden Tag im Pforzheimer Impfzentrum bis zu 400 Impfdosen für erwachsene Personen mit Wohnsitz in Pforzheim ohne Voranmeldung zur Verfügung stehen.

„Natürlich können wir mit der Resonanz in der Bürgerschaft nicht zufrieden sein, obwohl wir bereits durch den Verzicht auf die Terminvergabe sehr niederschwellig agieren“, so Pressesprecher Philip Mukjerhee. Man werde nun die Werbung „intensivieren“ und Anzeigen schalten, sowie in unterschiedlichen Sprachen versuchen, „nochmals unterschiedliche Communities mit Infos zu erreichen“.

Schon im Laufe der Woche wurden mehrere mobile Impfaktionen angekündigt, beispielsweise in den Familienzentren, in der Moschee und Kirchengemeinden, in der Nordstadt, im Bürgerhaus Buckenberg, bei den SV Kickers, beim Internationalen Bund, in den Ortsteilen, oder bei der Stadtmission. Diese Sonderaktionen werden mit hohem Aufwand von einem interdisziplinären Team aus Mitarbeitern des Jugend- und Sozialamtes und der Feuerwehr koordiniert und teilweise auch direkt unterstützt. Das ist insbesondere bei großen mobilen Impfaktionen erforderlich.

Darüber hinaus sei die Stadt mit „zahlreichen sachkundigen Partnern im Gespräch“ und tausche sich auch mit der Stadt Heilbronn und dem Sozialministerium aus. Auch Heilbronn hat eine ähnlich niedrige Impfquote im Verhältnis zu den dort lebenden Einwohnern.

Um die so genannte Herdenimmunität zu erreichen und die Corona-Pandemie dadurch in Schach zu halten, dass der Virus weniger infizierbare Wirte vorfindet, ist es nach Expertenmeinung notwendig, dass 80 % der Bevölkerung immun ist, also entweder geimpft oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind. Die Impfquote in Baden-Württemberg liegt derzeit bei 32,6 % für vollständig geimpfte Personen und bei 49,6 % für Personen mit einem teilweisen Impfschutz aufgrund der noch fehlenden zweiten Impfung.

Impfstoff von Astra-Zeneca unbeliebt

Als einer der Hauptgründe gilt bei vielen Impfaktionen der vermeintlich unsichere oder angeblich weniger wirksame Impfstoff von Astra-Zeneca, der auch Basis des Sonderkontingentes für die Kreise mit niedriger Impfquote ist, nicht nur in Pforzheim.

Zumindest bei der Wirksamkeit steht nach aktuellen Untersuchungen der Corona-Schutzimpfstoff von Astra-Zeneca den anderen Impfstoffen nur wenig nach, auch bei der ursprünglich in Indien entdeckten Delta-Variante, die als ansteckender und gefährlicher gilt, als die bisher in Deutschland verbreitete Alpha-Variante („britische Variante“). Nach Angabe der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schütze eine vollständige Impfung mit dem Wirkstoff von Astra-Zeneca zu etwa 60 % vor systematischen Erkrankungen und – ähnlich wie auch die anderen Corona-Schutzimpfstoffe – zu 92 % vor krankenhauspflichtigen, schweren Verläufen, so dass bei geimpften Personen eine Covid-19-Erkrankung üblicherweise mit keinen oder nur milden Symptomen verläuft.

Entscheidend für einen vollständigen Impfschutz mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff sind beide Impfungen, wobei die zweite Impfung rund drei Monate nach der ersten gegeben wird. Über die Verfügbarkeit eines zweiten Termins müssen sich jedoch Impflinge keine Sorgen machen, da in Impfzentren nach der ersten Impfung auch gleich ein verbindlicher Termin für die Zweitimpfung vereinbart wird. Diese zweite Impfung ist dabei sehr wichtig, da erst mit der zweiten Impfung der vollständige Impfschutz aufgebaut werden kann.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.