Pforzheim und Stadtteil Würm feiern „Goldene Hochzeit“

Würms Bürgermeister Heinrich Saur und Pforzheims Oberbürgermeister Dr. Willi Weigelt unterzeichnen 1971 die Eingliederungsvereinbarung (Foto: Stadt Pforzheim)

Offizielle Jubiläumsveranstaltung kann nicht stattfinden. Jubiläumsausstellung im November geplant.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Goldene Hochzeit zwischen Würm und Pforzheim – heute vor 50 Jahren wurde Würm Ortsteil der Stadt Pforzheim: Was die Bürgerinnen und Bürger in freier Selbstbestimmung am 14. März 1971 entschieden hatten, wurde am 31. März besiegelt und am 1. September per Gesetz rechtswirksam.

Die 1970 auf den Weg gebrachte Verwaltungsreform Baden-Württemberg zeichnete für die Gemeinde Würm bereits früh auf, dass sie nicht selbständig bleiben können würde. Da erschien es von Vorteil, durch freiwillige Zusammenschlüsse dem Gesetzgeber zuvorzukommen. Erste Gespräche mit den nächsten Nachbargemeinden auf Verwaltungs- und Gemeinderatsebene verliefen wenig ermutigend, sodass der Würmer Gemeinderat beschloss, mit der Stadt Pforzheim über einen Zusammenschluss auf freiwilliger Basis zu verhandeln. Auch Pforzheim bekundete großes Interesse, zumal eine solche Vergrößerung auf dem Weg zur Großstadt von besonderer Bedeutung war.

Trotz massiver Einwände des Landratsamtes kamen die Verhandlungen zügig voran. Bei der der Bürgerabstimmung im ehemaligen Grundbuchraum im Erdgeschoss des Rathauses Würm sprachen sich schließlich 87,4 Prozent für die Vereinigung Würms mit der Stadt Pforzheim aus, die Wahlbeteiligung lag bei 70,7 Prozent. Nach der Beschlussfassung in den beiden Gemeinderäten konnten so Würms Bürgermeister Heinrich Saur und Pforzheims Oberbürgermeister Dr. Willi Weigelt die Eingliederungsvereinbarung unterzeichnen.

Als ursprünglicher Termin für die Eingliederung war der 1. Juli 1971 vorgesehen gewesen. Da der baden-württembergische Landtag das notwendige Gesetz allerdings nicht rechtzeitig verabschiedet hatte, musste der Termin auf den 1. September verschoben werden. Dennoch konnten sich die Pforzheimer „Jungbürger in spe“ ab dem 1. Juli über eine Verbesserung der Verkehrsanbindung in die Stadt freuen: Neben den gelben Omnibussen der Bundespost fuhr nun der blauweiße „Vierer“ der Städtischen Verkehrsbetriebe Pforzheim bis in den Ort hinein.

Mit der Eingliederung Würms wuchs die Einwohnerzahl Pforzheims am 1. September 1971 auf einen Schlag um 1.997 Personen auf nunmehr rund 94.000 Einwohner. Das bisherige Ortschild „Würm – Landkreis Pforzheim“ wich dem neuen Ortsschild „Pforzheim – Stadtteil Würm“. Eigenhändig tauschten Bürgermeister Heinrich Saur und Oberbürgermeister Dr. Willi Weigelt um 9 Uhr die Ortschilder aus, begleitet vom Vers des Würmer Bürgers Heinz Bühler: „Wir sind jetzt Goldstadtbürger mit besonderem Gehalt. Wir sind die Pforzemer im Würmer Wald.“

Mit einem großen Fest feierten „neue“ und „alte“ Pforzheimerinnen und Pforzheimer die Eingemeindung am 17. September 1971 im Festzelt auf dem damaligen Freigelände neben dem Sportplatz, dem heutigen Standort der Würmtalhalle.

In den weiteren Jahren schlossen sich dem Beispiel Würms noch weitere Gemeinden an: Zum 1. Januar 1972 folgte zunächst Hohenwart, zwei Jahre darauf Büchenbronn und zum Jahresanfang 1975 Huchenfeld. Abgerundet wurde die Gebietsreform durch die Eingliederung Eutingens zum 20. September 1975.

Seither haben sich die Ortsteile wie auch die Stadt Pforzheim weiter entwickelt. Würm ist zwischenzeitlich auf rund 3.000 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen, insgesamt zählt Pforzheim knapp 128.000 Menschen. Die Ortsteile sind in der glücklichen Lage, mit einer örtlichen Verwaltung, Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher und ehrenamtlichen Ortschafträten ein großes Stück Selbstverwaltung bewahren zu haben, und können sich dabei auf eine starke Ortsgemeinschaft mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Organisationen und Kirchen stützen.

Ausstellung im November geplant

Leider kann eine Jubiläumsveranstaltung aufgrund der Pandemie nicht wie im Veranstaltungskalender geplant am 18./19. September stattfinden. Dafür wird es von Freitag, 5., bis Sonntag, 7. November 2021, eine Jubiläumsausstellung in der Würmtalhalle geben. Anlässlich dieser Ausstellung sucht die Ortsverwaltung Würm noch Zeitzeugnisse in Bild, Film, Ton oder Text und freut sich, wenn noch das eine oder andere aus den privaten Archiven auftaucht, das der Ausstellung zur Verfügung gestellt werden könnte. Die Ortsverwaltung Würm ist telefonisch unter 07231 39-1323 oder per E-Mail an ov-wuerm@pforzheim.de zu erreichen.

(Pressemitteilung Stadt Pforzheim)

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.