Polizei warnt vor weiterentwickeltem „Enkeltrick“

Falsche Polizeibeamte setzen Mutter mit angeblicher Notlage ihres Sohnes unter Druck und erbeuten großen Geldbetrag. Polizei gibt Hinweise.

(Lesezeit: 5 Minuten)

Von einer besonders perfiden Masche des „Enkeltricks“ warnt das Polizeipräsidium Pforzheim aktuell. Hierbei gaukeln Anrufer ahnungslosen Menschen am Telefon vor, dass ein naher Verwandter in akuten Geldnöten sei und der Angerufene eine größere Summe Geld bezahlen müsse, um den nahen Verwandten aus seiner angeblichen Misere auszulösen.

„Mama, Mama, helf mir, bitte helf mir!“

Mit diesen Worten haben üble und skrupellose Täter es ein weiteres Mal geschafft, jemanden mithilfe der bekannten Betrügermasche „falscher Polizeibeamter“ um mehrere Tausend Euro zu bringen. Die im Raum Pforzheim wohnhafte Geschädigte hatte im Laufe des Mittwochs einen Anruf erhalten, bei dem sich einer der Betrüger als ihr Sohn ausgegeben und mit keuchender Stimme die flehentlichen Worte geäußert hatte.

Kurz danach übernahm ein angeblicher Polizist oder eine andere, angebliche Amtsperson das Telefonat und erklärte, der Sohn habe im Elsass einen tödlichen Unfall verursacht. Um nicht jahrelang ins Gefängnis zu müssen, brauche er sofort eine Kautionszahlung von mehreren Tausend Euro. Die Täter setzten im weiteren Verlauf durch geschickte Gesprächsführung die Geschädigte derart unter psychischen Druck, dass sie letztlich einen hohen Betrag aus ihrem Bankschließfach holte.

Wie von den Betrügern angewiesen, fuhr sie dann mit einem Taxi nach Hagenau im Elsass, wo sie das Geld an einen angeblich zur Entgegennahme Beauftragten übergab. Die Täter erzählten ihr, dass ihr Sohn nun bald freigelassen werde. Wieder zuhause telefonierte die Geschädigte dann mit ihrem echten Sohn und der Betrug flog auf.

Auffällig an der Vorgehensweise der Täter ist in diesem Fall, dass sie die Geschädigte relativ weit von ihrem Wohnort bis ins Elsass lotsten, um die Tat durchzuführen.

Vorsicht bei unbekannten Anrufern, die sich nach Verwandten erkundigen

Die Ermittler des Polizeipräsidiums arbeiten intensiv und mit hohem Engagement an der Aufklärung unterschiedlichster Arten von Betrugsdelikten. Damit Bürger jedoch erst gar nicht Opfer entsprechender Betrüger werden, weist das Polizeipräsidium erneut auf folgende Verhaltenstipps bei entsprechenden Telefonanrufen hin:

  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich ein angebliches Familienmitglied am Telefon nicht selbst mit Namen meldet. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen zu nennen. Achtung: Angebliche Polizeibeamte melden sich in der Regel zwar selbst mit Namen, jedoch mit einem falschen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahestehenden Personen.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110.
  • Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
  • Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen, zum Beispiel Polizisten, den Dienstausweis.
  • Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.
  • Bewahren Sie Ihre Wertsachen, z.B. höhere Geldbeträge und andere Wertgegenstände, nicht zuhause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.
  • Echte Polizeibeamte rufen niemals unter „110“ an, bitten Sie niemals um Geldbeträge oder Schmuck und verwahren niemals Geld oder andere Wertgegenstände für Bürger.
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.
  • Sind Sie bereits Opfer eines Enkeltricks oder eines „falschen Polizeibeamten“ geworden, zeigen Sie die Tat unbedingt bei der (echten) Polizei an. Dies kann der Polizei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, andere Personen entsprechend zu sensibilisieren und die Täter zu überführen.
Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.