Wer braucht in der Politik schon Fakten, wenn es auch Memes tun?

Ausschnitt eines Facebook-Posts von Hans-Ulrich Rülke

Hans-Ulrich Rülke zeigt eindrucksvoll, dass man in Social Networks politischen Diskurs auch gänzlich ohne Fakten machen kann.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Im schnellen Heraushauen von Beiträgen in Social Networks ist Hans-Ulrich Rülke, FDP-Fraktionsvorsitzender im Landtag Baden-Württemberg und Pforzheimer Stadtrat, bekanntlich recht flott unterwegs. Und klar, das Posten in sozialen Netzwerken hat, im Gegensatz zu nachhaltiger Politik, den Charme, dass schon morgen vergessen ist, was heute durch die Timeline lief. Da kann man offenkundig auch etwas hemdsärmeliger, etwas sportlicher, etwas männlicher daherkommen. Und bekanntermaßen macht das Auto besonders männlich und das ganz sicher noch etwas stärker, wenn hinten am Auspuff möglichst dunkle Wolken ausströmen.

Diesen Eindruck der Sicht kann man jedenfalls haben, wenn man sich hin und wieder anschaut, was auf Rülkes Facebook-Seite so durchläuft. Da muss dann auch mal die Umweltaktivistin Greta Thunberg für einen Rülkeschen Fallrückzieher herhalten, so wie am Montag:

Facebook-Post von Hans-Ulrich Rülke (Screenshot: Facebook)

Inhaltlich zusammenfassend: Informationsgehalt nahe Null, so wie es sich für ein Bild, das vor allem für Wutbürger, Querdenker, AfD-Wähler und vieles mehr gedacht ist, eben gehört. Ein so genanntes „Meme“, also ein Inhalt, der sich, geistreich hin oder her, in erster Linie im Internet verbreiten soll, ohne Anspruch auf Wahrheit. Und der in der Zwischenzeit auch eine Vielzahl an Reaktionen ausgelöst hat, sowohl positive, als auch negative. Und das ist dann wohl auch das Ziel gewesen, nämlich das populistische Anheizen von warmer Luft.

Denn dass Greta Thunberg gesagt haben soll, sie fordere Elektroautos, ist nach Recherchen der Deutschen Presseagentur nicht belegt. Und die Suggestion von Kinderarbeit bei der Kobaltgewinnung ist zumindest erklärungsbedürftig, da nach Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe rund 80 Prozent des Kobalts im Kongo industriell abgebaut wird und lediglich die restlichen 20 mutmaßlich unter fragwürdigen Umständen gewonnen werden. Und natürlich wird in dieses Meme auch nicht einbezogen, dass mit dem Bau von immer mehr Hochleistungsakkus auch ein entsprechender Recyclingmarkt wächst, der einen Großteil der verbauten Rohstoffe wieder zurückgewinnen kann.

Alles unwichtig in einem Meme, es zählt der Effekt und nicht der Fakt. Da passt nahtlos auch ein Instagram-Post von Hans-Ulrich Rülke aus dem Jahr 2020 dazu:

Auch weitgehend Nonsens, denn auch ein moderner Dieselmotor schafft es bei der Betrachtung der gesamten Umweltverträglichkeitskette nicht vor Elektroautos. Schon allein beim Wirkungsgrad schneidet ein Dieselmotor mit rund 40 % – also nur 40 % der Leistung aus der Dieselverbrennung landet in der effektiven Bewegungsenergie – deutlich schlechter ab als ein Elektroauto, das 70 bis 90 % schafft. Von den Einsparpotentialen des Klimagases Kohlendioxid bei der Nutzung von Ökostrom ganz zu schweigen.

Und ja, auch das besondere Steckenpferd mit den so genannten „E-Fuels“, also den vermeintlich umweltschonenden synthetischen Kraftstoffen, ist kaum mehr als eine Mogelpackung. Während der Wirkungsgrad im Auto ähnlich schlecht bleibt, wie beim Verbrennen von fossilen Brennstoffen kommen hier noch gravierende Energieverbräuche bei der Herstellung der E-Fuels dazu. Noch ineffizienter als mit fossilen oder gar mit synthetischen Kraftstoffen kann man ein Auto gar nicht mehr fahren.

Aber ist ja auch kein Meme, mit dem man im Häuserkampf in den Social Networks einen Blumentopf gewinnen könnte.

Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.