Doch noch ein Rettungsversuch um Galeria Kaufhof in Pforzheim?

Pforzheimer Stadtrat Reinhard Klein

Stadtrat Reinhard Klein sieht nach Mails von Galeria-Verantwortlichen "Hoffnung auf Weiterbetrieb" auf nur noch drei Stockwerken.

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Schon die Räumlichkeit des Pressegespräches erzeugte Verwirrung. Während Stadtrat Reinhard Klein ursprünglich in den Kleinen Sitzungssaal zu einem Pressegespräch um die Galeria Kaufhof einlud, leitete heute morgen dann ein schnell geschriebener Wegweiser in das Besprechungszimmer der Gruppierung um. Die Nutzung des Kleinen Sitzungssaales sei Klein für das Pressegespräch „verwehrt“ worden.

Nicht weniger überraschend ist dann auch das, was Klein zu berichten hat. Und zwar habe Reinhard Klein, der nach eigenen Angaben bereits seit 2020 „in Kontakt mit der Konzernleitung“ sei, Ende März Kontakt mit der Geschäftsführung der Warenhauskette Karstadt-Kaufhof in Essen aufgenommen und am 29. März eine Videokonferenz mit Vorstandsvorsitzenden Miguel Müllenbach und dem Leiter der Immobilien gesprochen. In diesem „aufschlussreichen Gespräch“, so Klein, habe man „übereinstimmend“ festgestellt, dass ein Weiterbetrieb der Filiale möglich sei. Dabei solle sich die Galeria Kaufhof aus dem Untergeschoss verabschieden und nur noch Erdgeschoss, sowie die erste und zweite Etage belegen. Auf diese Weise hätte man dann im Untergeschoss Platz für einen Lebensmittelhandel, der wiederum dann Mieter in der Immobilie werden müsste. Auch hierzu habe Klein mit einem „Geschäftsführer eines großen Lebensmittelkonzern“ telefoniert, der eine Ansiedlung prüfen und die Räumlichkeiten anschauen wolle.

Ergebnisloses Treffen mit OB und WSP – Stadt sieht kein Mandat bei Klein

Einen Tag nach der Videokonferenz mit den Verantwortlichen bei Karstadt-Kaufhof habe Klein dann ein Gespräch mit Oberbürgermeister Peter Boch und WSP-Direktor Oliver Reitz geführt. Dieses Gespräch empfand Klein als „sehr frustrierend“. „Von beiden“, so Klein, „kam keine Bereitschaft, sich aktiv an der Rettung zu beteiligen.“ Zudem seien weitere Gespräche abgelehnt worden. Aus diesem Grund mache Klein „die Bitte öffentlich“, dass sich OB Boch mit der Bürgerliste respektive Klein und der Konzernleitung „an einen Tisch“ setze „und alles dafür zu tun“, dass die Galeria Kaufhof „erhalten bleibe“. Klein höre auch aus weiteren Mails mit Unternehmensverantwortlichen, dass angeblich „Hoffnung auf einen Weiterbetrieb“ bestehe.

Ein Sachverhalt, den die Stadt deutlich anders sieht, wie eine Reaktion auf eine Anfrage von uns dokumentiert. Man sei „in direktem Kontakt sowohl mit der Leiterung der Galeria Karstadt-Kaufhof, als auch mit den aktuellen Eigentümern der Immobilie sowie möglichen Projektentwicklern, die sich speziell in die Nachfolgenutzung klassischer Warenhäuser einbringen könnten“. Im Bezug auf Kleins Aktivitäten sei man bei der Haltung, dass es „keinen weiteren Sinn mache, Gespräche zu kommentieren, die Herr Klein geführt hat.“ Klein handele „offensichtlich völlig auf eigene Rechnung“ und auch sein Pressegespräch sei „mit überhaupt niemandem“ abgestimmt gewesen. Überdies habe er „kein Mandat“, für die Stadt oder die Stadtspitze zu sprechen und war „selbstverständlich“ auch in keine Gespräche der Stadt oder des WSP mit das Galeria eingebunden. „Herrn Kleins Intentionen mögen gut sein,“ so Stadt-Pressesprecher Philip Mukherjee, „sein Agieren schadet aber vermutlich mehr, als es nutzt.“

Klein reagiert auf Vorwürfe der Stadt

In einer Pressemitteilung vom Karfreitag antwortet Reinhard Klein auf die Äußerungen der Stadt. „Es ist für mich nicht überraschend, dass die Stadtverwaltung so vehement auf die Gespräche und deren Ergebnisse mit Galeria reagiert. Denn es ist ihnen überhaupt nicht daran gelegen, das Kaufhaus Galeria in der jetzigen Form, wenn auch reduziert, zu erhalten“, so Klein. Das sei aus seiner Sicht für ihn deutlich aus dem Verhalten des Oberbürgermeisters und von WSP-Direktor Oliver Reitz. „Ich habe auch an keiner Stelle behauptet, ein Mandat der Stadt zu haben. Wir sind immer als Bürgerliste aufgetreten und der Schriftwechsel fand mit dem Kopfbogen der Bürgerliste statt“, so Klein auf den Hinweis in der städtischen Pressemitteilung auf eine fehlende Mandatierung von Klein. Zudem sei Boch über ein Pressegespräch informiert gewesen, so Klein weiter.

Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.