Vorsicht, Telefonbetrüger!

Auch Pforzheimer Telefonanschlüsse werden von großangelegten Betrugsversuchen nicht verschont. Betrüger gehen inzwischen regelrecht ausgefeilt an ihre „Arbeit“, um ahnungslose Angerufene über den Tisch zu ziehen. Die Polizei warnt vor solchen Betrügereien, auch jetzt wieder. Wir erklären Ihnen einige der derzeit gängigsten Betrugsmaschen.

Der Enkeltrick

Die mit Abstand perfideste Betrugsmasche spielt mit der Angst um Angehörige. Ein Unbekannter ruft an und gibt vor, ein Verwandter zu sein. Bevorzugt werden ältere Mitmenschen angerufen, deren Telefonnummern aus Telefonbüchern anhand „alt“ klingenden Vornamen gesammelt werden. Trickreich wird dabei zu Beginn des Anrufes versucht, dem Angerufenen einen Vornamen aus dem Familienkreis herauszulocken, den der Betrüger dann im Verlauf der weiteren Gespräche trägt.

In diesen Anrufen geht es immer nach der gleichen Masche: Der angebliche Verwandte sei in eine plötzliche Notlage geraten und brauche dringend Bargeld, das doch der Angerufene bitte vorstrecken möge. Das würde dann von einem Bekannten des angeblichen Verwandten direkt abgeholt werden. Hat der Angerufene nicht genügend Bargeld im Haus, solle er das doch bitte sofort bei seiner Bank abheben. Mitunter setzen Betrüger ihre Opfer unter gehörigen Druck. Hier gilt: Misstrauisch sein, mit Anrufen bei den echten Verwandten oder Freunden gegenprüfen, ob der Verwandte tatsächlich in einer Notlage steckt und sich in keine Diskussionen mit den Betrügern einlassen.

Vertrags- und Abofallen

Sozusagen der Evergreen unter den Betrugsmaschen ist der Versuch, Opfer zum telefonischen Abschluss von Verträgen oder Abonnements zu bewegen. Diese müssen zwar immer schriftlich bestätigt werden und jeder Privatkunde (!) hat ein gesetzliches Rücktrittsrecht, dennoch sind solche telefonischen Vertrags- und Abofallen mehr als ärgerlich, da sie in der Regel einen großen Kündigungsaufwand mit sich bringen.

Betrüger erfinden für Fallen allerlei Ideen und Geschichten. Angeblich habe man etwas gewonnen und müsse den Gewinn nur bestätigen. An anderer Stelle wird vorgegeben, vom lokalen Energieversorger zu sein und man möge die Zählerstände telefonisch durchgeben. Das Opfer soll dabei am Ende dazu gebracht werden, zu einem neuen, angeblich günstigeren Anbieter zu wechseln.

Der EDV-Support

Eine ebenfalls trickreiche Betrugsmasche setzt auf Computerbesitzer, die inzwischen weltweit systematisch von größeren Callcentern aus angerufen werden. Hier behauptet der Betrüger, ein Supportmitarbeiter eines Softwareherstellers zu sein. Man habe entdeckt, dass vom Computer des Opfers aus angebliche Viren oder ähnliche Geschichten versendet würden.

Das Ziel des Betrügers ist es, das Opfer dazu zu bringen, sich eine angebliche Reparatursoftware aus dem Internet herunterzuladen, mit der der angebliche Supportmitarbeiter den Rechner des Opfers prüfen könne. Bei dieser Software handelt es sich üblicherweise um Fernsteuerungssoftware, die dem Betrüger nach erfolgreicher Installation dann volle Kontrolle über den Rechner gibt. Und dieser Fernzugang wird dann dazu genutzt, auf den Rechner selbst Schadsoftware zu installieren.

Die angebliche Verlängerung von Google-Angeboten

Eine relativ neue Betrugsmasche richtet sich an Unternehmen, die in der Suchmaschine Google Ihr Unternehmen mit einem selbst gepflegten Beitrag präsentieren, meist in Form eines Eintrages in Google Maps. Diese Einträge sind üblicherweise von Google kostenlos.

Betrüger nutzen die Unkenntnis von Unternehmern aus, um dem Opfer die Geschichte zu erzählen, dass dieser Eintrag unbedingt sofort kostenpflichtig verlängert werden müsse, da er sonst gelöscht würde, damit dann angeblich auch alle Bezüge des Unternehmens in der Suchmaschine.

Goldene Regeln beim Verdacht auf Telefonbetrug

  • Ruhe bewahren, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und machen sie das auch klar. Betrüger merken, wenn ihnen ein Opfer auf den Leim geht und setzen genau da an.
  • Erwähnen Sie beim Enkeltrick oder bei anderen Betrugsversionen, in denen sich der Anrufer höchstwahrscheinlich als jemand anderes tarnt, dass Sie die Identität des Anrufers bzw. dessen Authentizität erst einmal mit einem eigenen Anruf überprüfen wollen. In der Regel brechen Betrüger das Gespräch sofort ab.
  • Spielen Sie nicht die Polizei und legen Sie keine falschen Fährten! Wenn Sie im Telefonbuch mit kompletter Anschrift aufgeführt sind, könnten Komplizen, die eigentlich für das Abholen von Betrugsgeldern abkommandiert sind, involviert werden.
  • Wenn Sie vorsichtig sein wollen, sollten Sie Ihren Telefonanbieter bitten, Ihre Telefonnummer aus den Telefonverzeichnissen dauerhaft herauszunehmen. Bei privaten Anschlüssen empfiehlt sich, zumindest die Anschrift entfernen zu lassen.

 

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.