Können Sie auch mein Smartphone segnen, Frau Quincke?

Am Dienstag dürften in der Kirche San Matteo im sizilianischen Marsala eine Menge Handys und Smartphones klingeln. Denn der dortige Pfarrer Alessandro Palermo hat angekündigt, just an diesem Tag, der Tag der heiligen Lucia, so viele Handys und Smartphones wie möglich zu segnen. Der Grund ist dabei erstaunlich weltlich: Die Besitzer der gesegneten Geräte möglichen den richtigen Umgang mit ihrem Gerät lernen und das dann ganz offiziell mit der Hilfe Gottes.

Drei schnelle Fragen an Christiane Quincke, Pfarrerin und Dekanin der evangelischen Kirche in Pforzheim. Sie nutzt Facebook mit eigenem Profil und bloggt seit 2012 regelmäßig Inhalte ihrer Vorträge und Gottesdienste. Das schnelle Interview fand dann auch kurzerhand via Facebook-Chat statt.

PF-BITS: Hallo, können Sie auch mein Smartphone segnen, Frau Quincke? 🙂

Christiane Quincke: Ich könnte schon. Aber ich würde es nicht tun.

PF-BITS: Kann man überhaupt solche Gegenstände segnen? Und was bedeutet das dann für den Gegenstand?

Christiane Quincke: Wir Evangelischen segnen in der Tat keine Gegenstände, die Katholiken tun sich leichter damit (die Anglikaner übrigens auch. Handysegnen ist in London auch der Hit. Dahinter steckt das „Arbeitsgeräte“ segnen, damit die Arbeit auch gesegnet ist.) Das Anliegen dahinter kann ich aber nachvollziehen: einen Gegenstand (z.B. ein Haus, ein Feuerwehrauto etc.) in den richtigen Gebrauch stellen und dafür Gott um Hilfe und Beistand zu bitten. Damit dieser Gegenstand dann eben auch „segensreich“ wirkt. Nur dann segne ich aber eher die Menschen, die diesen Gegenstand benutzen und erbitte für sie, dass sie ihn „gut“ nutzen. Aber damit mache ich keinen Gegenstand moralisch, weil er gar nicht moralisch sein kann. Er ist so moralisch oder unmoralisch wie seine Nutzer/innen es sind.

PF-BITS: Kommt es denn häufiger vor, dass Ihnen die Frage nach einer Segnung eines Gegenstandes gestellt wird?

Christiane Quincke: Nein, das kommt sehr selten vor. Eine Haussegnung wurde schon erbeten. Oder aus Russland kommt die Tradition, einen Ring zur Taufe ins Taufwasser zu legen und dann zu segnen. Das kommt hin und wieder vor. Wenn solche Bitten an mich herangetragen werden, segne ich immer die Menschen und beziehe das Symbol (Haus, Ring etc.) mit ein.

PF-BITS: Vielen Dank für das kleine Interview.

(Das Interview führte Besim Karadeniz.)

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.