Online-Weckdienst für den Ritter und Nachsitzen fürs Prinzenpaar

Mit närrischer Kopfbedeckung und Eierlikör im Faschingsbecher der Belrem-Gilde: der Veranstaltungsfotograf feiert im heimischen Wohnzimmer. (Foto: selfIXi )

Dass in diesem Jahr alles etwas anders verläuft, daran hat sich in der Zwischenzeit jeder gewöhnt. Das gilt auch für die alljährliche Erweckung des Ritter Belrem.

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Auf das Richten der Fotoapparate und Bereitstellen der Stative zum Mitnehmen konnte unser Fotograf verzichten, ebenso brauchte er keine warme Kleidung, denn an diesem Freitag (zu allem Übel auch noch der 13.) musste er sich nicht in die Kälte begeben, sondern einfach gemütlich daheim vor dem Computer sitzen bleiben.

Wecken ohne gemeinschaftliches Rufen

Die Belrem-Gilde aus Dillweißenstein hat sonst immer zur Eröffnung der Faschingskampagne in den Schulhof der Grundschule bei der Nagoldhalle eingeladen, um dort mit Bürgerinnen und Bürgern sowie vielen Mitgliedern befreundeter Vereine mit Musik und närrischer Unterhaltung in geselliger Runde in die fünfte Jahreszeit zu starten.

Normalerweise tritt dann Renate Rauser als Zauberin auf und nach ein paar geheimnisvollen Zauberschwüren folgen mehrmalige gemeinschaftliche Rufe „Belrem erwache“. Begleitend dazu werden Böllerschüsse aus der Kanone „Die grausame Barbara“ abgefeuert. Dann dauert es nicht mehr lange, bis der Ritter Belrem (Gildemeister Jörg Müller) gemeinsam mit seiner Lieblichkeit Suleima (Maite Sancho) auf der Bildfläche erscheint und das närrische Volk begrüßt.

In diesem Jahr allerdings dürfen keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden und so haben sich die kreativen Köpfe der Belrem-Gilde etwas einfallen lassen und die feierliche Erweckung ins Internet verlegt. In dem Live-Video war dann auch wieder Zauberin Renate zu sehen, in schummrigem Fackellicht begrüßte sie die etwa 40 Zuschauer auf den Höhen der Burgruine Kräheneck. Nach einem kurzen Zauberspruch und mit pyrotechnischer Unterstützung trat der alte Belrem samt seiner Suleima in Erscheinung und auch das Böllern der grausamen Barbara war aus dem Tal zu hören.

Video der Erweckung des Ritter Belrem am 13. November 2020 (Video: Belrem-Gilde)

Nun begann der Ritter, gemeinsam mit seiner Suleima, die Sage der Herren von Weißenstein aus dem 13. Jahrhundert zu verlesen, eine spannende Geschichte über die damalige Reise in den Orient.

Sagenfigur im Wetterbericht

Einen versteckten Hinweis gab der Ritter in seiner Rede:

„Der Belrem war ein Wüterich, doch glücklich wurd‘ er damit nicht.
Kommt auch noch so manches Tief, der Belrem wettert für euch, dann geht nix schief!“

Im anschließenden Interview bestätigte Jörg Müller, dass die Belrem-Gilde eine Wetterpatenschaft übernommen hat und das zweite Tiefdruckgebiet mit dem Buchstaben B im Jahr 2021 den Namen „Belrem“ tragen wird.
„Wir tippen, dass es um den 25. Februar 2021 klappen könnte, das wäre dann kurz nach Aschermittwoch.“

Auch bei den Schnecken wird verlängert

Auch bei der Leutrum-Garde in Würm gab es eine Premiere und man verlegte eine ursprüngliche Präsenzveranstaltung ins Internet, hat doch hier das amtierende Prinzenpaar Laura I. (Hüllwegen) und Daniel I. (Vollmer) kurzerhand die Prinzenpaarverabschiedung am Freitag, dem 13. November 2020 abgesagt und die Amtszeit verlängert, bis ein neues Paar gewählt werden kann.

Manfred Ott, Gastgeber bei den alljährlichen Prunksitzungen in der Würmtalhalle, ärgerte sich ein klein wenig, dass er jetzt „endlich mal sein Jacket zubekommt und dann die Kampagne einfach ausfällt“ und übergibt dann an das Prinzenpaar, welches in seiner gereimten Verlängerungsrede versprochen hat, auch weiter für das Narrenvolk da zu sein.

Schneck-Auf und Dill-Wei-Ho!

Leutrum-Prinzenpaar Laura I. (Hüllwegen) und Daniel I. (Vollmer) zusammen mit dem Moderator der Prunksitzungen Manfred Ott
Über Björn Fix 228 Artikel
Björn Fix (bf), Jahrgang 1970, passionierter Fotoreporter und ständiger Mitarbeiter bei PF-BITS seit der ersten Stunde. Als gut informierter, zuverlässiger und gern gesehener Zuschauer und Beobachter ist er vor allem zuständig für aktuelle und "fixe" Berichterstattungen aus der Region.