Kundgebung gegen „Querdenker“ und für Zusammenhalt in der Pandemie

Kundgebung "#zusammenhalten" am 5. Dezember 2020 am Marktplatz Pforzheim

200 Teilnehmer vor Ort und rund 250 Zuschauer im Web verfolgten Kundgebung zum Zusammenhalten in der Zeit der Pandemie.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Nichts war dem Zufall überlassen am Samstag bei der Kundgebung „#zusammenhalten“ am Marktplatz: Die rund 200 Teilnehmer der Kundgebung hatten neben der Maskenpflicht auch streng einen Abstand zueinander zu beachten, die mit roten Punkten auf dem Boden gekennzeichnet waren. Um auch Menschen teilhaben zu lassen, die aus Pandemiegründen nicht vor Ort sein wollten, wurde die Kundgebung live ins Web gestreamt und dort zeitweise von über 250 Zuschauern verfolgt.

Als Schulterschluss zwischen Organisationen, Parteien, Vereinigungen, Unternehmen und Einzelpersonen verstand man die Kundgebung, die von Rednern aus Politik, Wirtschaft und Kirche gestaltet wurde und sich als Aktion verstand, um ein Zeichen für die Demokratie und das Zusammenleben zu setzen. Rund Dreiviertel der Bevölkerung trügen trotz fast neun Monaten Corona-Beschränkungen die Maßnahmen mit und heute wolle man „dieser Mehrheit Gesichter und Stimmen geben“.

In ihren Grußworten unterstrichen Politiker der Region diese Haltung: „In diesen Tagen ist es wichtig, ein Ausrufezeichen zu setzen“, so Gunther Krichbaum (CDU). Nicht die lautesten hätten auch automatisch Recht und es werde dann unappetitlich, „wenn sich Querdenker mit Rechtsradikalen gemein machen und die keine Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen.“

Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit ist zulässig,“ so Hans-Ulrich Rülke (FDP), „aber es ist falsch, zu behaupten, diese Krankheit sei ungefährlich“. Regierungspolitik könne man kritisieren, „aber es ist eben falsch, dass in diesem Land versucht wird, eine Diktatur zu errichten.“ Stefanie Seemann (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte in ihrem Grußwort, dass Meinungsfreiheit Grenzen habe: „Sie endet da, wo andere Menschen verleumdet, gefährdet oder verhetzt werden, denn auch Respekt vor dem Leben Anderer ist ein Verfassungsgrundsatz.

Dr. Thushira Weerawarna, Chefarzt am Siloah St. Trudpert Klinikum, berichtete mit berührenden Beispielen aus dem immer kritischen Leben von Patienten in der Intensivstation. „Medizinisch stellen wir uns der Herausforderung mit großem Engagement, all unserem Wissen, Können und all uns zur Verfügung stehenden Mitteln“, so Weerawarna. „Eine Herausforderung, die wir alle annehmen, weil es unser Beruf, Berufung und Verpflichtung gegenüber Ihnen ist.“ In dieser schwierigen Phase helfe es aber niemandem, das Corona-Virus zu verharmlosen oder sogar zu verneinen. Man müsse jetzt gemeinsam handeln und an einem Strang ziehen. „Das Virus darf uns nicht spalten. Wir sind alle relevant, wir kämpfen alle zusammen und es wird auch klappen – zusammen“, so Weerawarna.

Daniela Eberle leitet den Corona-Intensivbereich am Siloah St. Trudpert Klinikum und sprach die häufig gestellten Argumente an, in denen Covid-19 als Krankheit und Todesursache in Frage gestellt würden. „Viele von unseren Patienten sind zwar schon älter“, so Eberle in ihrer emotionalen Rede, „aber sie standen mitten im Leben, sind auf Reisen gegangen und haben sich ehrenamtlich engagiert“. Fakt sei, dass „90 % unserer Corona-Verstorbenen ohne Corona jetzt noch nicht gestorben wären – sie hätten bestimmt noch ein paar Jahre gehabt und hätten ein schönes Leben haben können“.

Als Vertreter der Hochschule Pforzheim sprach Professor Dr. Dirk Wenzel den vermeintlichen Spagat zwischen Wirtschaft und Gesundheit an: „Zu Beginn der Pandemie wurde teilweise von politischen Führern in Brasilien und der USA die These vertreten, man müsse wählen, ob man die Gesundheit der Menschen oder die Wirtschaft retten wolle. Diese These wird heute von Ökonomen völlig abgelehnt. Es sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.“ Ebenso pochte Martin Kunzmann, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg, auf das Gebot der Solidarität untereinander. „Wir sind mehr“, so Kunzmann überzeugt.

Musikalisch untermalt wurde die rund einstündige Kundgebung von Andrea Matthias Pagani, Sänger am Stadttheater Pforzheim und von Musiker Matthias Hautsch.

Kundgebung zum Nachschauen

Das Bündnis „Pforzheim nazifrei“ hat den Livestream auf seinem YouTube-Kanal archiviert.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.