Narren „trotzen den Vorschriften“ und gehen online

Von links: Rainer Engel (KGHo), Jana Scharnofske und Vera Sakal (beide PFG) und rechts Brauerei-Chef Michael Ketterer. In zweiter Reihe Hartmut Seifried (Gugge-Gaiße) und auf der Treppe Sabrina Gehring (Ketterer).

Der diesjährige geplante Narrengottesdienst kann nicht als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden, aber die Narren wissen sich zu helfen.

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Lange musste man nicht überlegen, bis man sich zu einem Online-Narrengottesdienst entschloss. Mit Pfarrerin Heike Reisner-Baral fand man schon in den letzten zwei närrischen Kirchenveranstaltungen die ideale Partnerin, welche Gottesdienst und Faschingsfreunde sozusagen unter eine Narrenkappe bringen konnte. Sie wurde in Weil am Rhein geboren, ist mit der Fasnet groß geworden und feiert gerne auch mal einen Gottesdienst der anderen Art.

In Zusammenarbeit mit den Guggen-Gaiße aus Kieselbronn, den Kräheneck-Hexen aus Dillweißenstein, der Leutrum-Garde aus Würm, den Bü-Hoi Cravallos aus Büchenbronn und der Pforzheimer Faschingsgesellschaft PFG wurde ein Gottesdienst erarbeitet, der sich an sämtliche Regeln halten kann, denn die Teilnehmer befinden sich wie die Zuschauer in heimischer Kulisse. Lieder, Gebete und Texte werden per Übertragungstechnik eingespielt und zu einer etwa einstündigen Glaubensfeier zusammengefügt, ergänzt mit zusätzlichen Videoeinblendungen der Gruppen und dem Auftritt eines Stargastes vom Bodensee. Die Feier beginnt am kommenden Sonntag, dem 14. Februar 2021 um 11:11 Uhr online auf der Videoplattform YouTube.

Oder auch hier in diesem Fenster, ab Sonntag:

Brauerei unterstützt finanziell

Da eine solch aufwendige Online-Veranstaltung nicht ohne Kosten zu stemmen ist, hat man nach Unterstützern gesucht und wurde bei Michael Ketterer fündig. Dieser beschloss, zusätzlich zum regelmäßig stattfindenden Rampenverkauf neben seinen Bierspezialitäten am „Schmutzigen Donnerstag“ auch noch Berliner für diesen guten Zweck zu verkaufen.

Je zwei Mitgliedern der teilnehmenden Vereine übernahmen den Verkauf der frittierten und gezuckerten Leckereien, die gerne zur Faschingszeit verzehrt werden. Am Abend waren 220 Berliner an die Kunden gebracht, die Einnahmen kommen dem ersten Online-Narrengottesdienst am Sonntag zu Gute.

Huchenfelder Rathaus wird im virtuellen Sturm eingenommen

Dass auch andere Narren kreative Ideen haben während der Faschingslosen Zeit, zeigte sich an den „schönsten Hexen auf der Welt, den Keibelhexen aus Huchenfeld“. Sie haben den Rathaussturm, der normalerweise am „schmutzigen Donnerstag“ unter Beteiligung vieler Schaulustiger stattfindet, kurzerhand per Video stattfinden lassen und in einem aufwendig witzig produzierten Film die Ortsvorsteherin Sabine Wagner entmachtet. In unterschiedlichen Ausschnitten zeigen die Keibelhexen, wie sie sich die Arbeit im Rathaus vorstellen.

Die Keibelhexen aus Huchenfeld reißen die Macht an sich.

Anders Fasching gefeiert wird auch in Dillweißenstein. Der traditionelle Umzug wurde abgesagt und Erinnerungen finden nur in den drei Schaukästen des Bürgervereins statt. Diese wurden von Mitgliedern liebevoll mit kleinen Schneemännern und Faschingsfotos dekoriert.

Somit entfällt ja auch eigentlich die Verbrennung des Schneemannes. Allerdings wurde in der Vergangenheit von Jörg Müller, Gildemeister der Belrem-Gilde Dillweißenstein, immer wieder kommuniziert, dass er an der Tradition der Schneemann-Verbrennung festhalten möchte, sprach beim Interview allerdings in Rätseln beziehungsweise ließ sich keine genauen Informationen herauslocken. Es seien allerdings schon Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt worden für eine Böller-Erlaubnis für die „Grausame Barbara“.

Ob und wie am Dienstag die närrische fünfte Jahreszeit beendet wird, ist noch unklar. Selbst auf die Frage, ob eventuell ein Schneemann in Teddygröße angezündet wird, hüllte sich Jörg Müller in schelmisches Schweigen.

Schaukasten zum Fasching 2021 in Dillweißenstein
Über Björn Fix 242 Artikel
Björn Fix (bf), Jahrgang 1970, passionierter Fotoreporter und ständiger Mitarbeiter bei PF-BITS seit der ersten Stunde. Als gut informierter, zuverlässiger und gern gesehener Zuschauer und Beobachter ist er vor allem zuständig für aktuelle und "fixe" Berichterstattungen aus der Region.