Gesundheitsamt gibt zweifelhafte Empfehlung für weniger PCR-Tests

Nasenabstrich Symbolbild (Foto: Mufid Majnun, Unsplash.com)

Mit in Bürger-Teststellen via Schnelltest getestete Personen sollen zugunsten "Ressourcenschonung" auf PCR-Test verzichten.

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In einer Mitteilung plädiert das Gesundheitsamt Pforzheim/Enzkreis dafür, in der derzeitigen Corona-Pandemie die Zahl der genaueren PCR-Tests zu „reduzieren“ um auf diese Weise „Ressourcen zu schonen und Hausärzte zu entlasten“. „Aktuell ist ein PCR-Corona-Test meist weder medizinisch noch epidemiologisch notwendig“, so Dr. Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts Pforzheim/Enzkreis. Ein offizieller Antigen-Schnelltest reiche meist „völlig“ aus, um eine Infektion zu erkennen, PCR-Tests sollten daher nur dann durchgeführt werden, „wenn ein Arzt oder eine Ärztin dies für erforderlich hält“.

Letztlich gebe es keine Verpflichtung der Ärzteschaft, Tests durchzuführen, auch wenn in der Testverordnung ein Anspruch auf die Durchführung eines PCR-Tests nach einem positiven Antigentest vorgesehen ist.

Fehlender PCR-Test auf Kosten der Corona-Warn-App

Problematisch ist das Plädoyer des Gesundheitsamtes für Nutzer der Corona-Warn-App. Zwar können in aktuellen Versionen der Corona-Warn-App auch Antigen-Schnelltestergebnisse hinterlegt werden, wenn diese von entsprechenden Bürger-Teststellen als importierbarer QR-Code bereitgestellt werden. Genau daran hapert es aber.

Tatsächlich versehen viele Bürger-Teststellen ausgestellte Schnelltest-Ergebnisse oft nicht automatisch mit einem QR-Code für die Corona-Warn-App. Während einige Bürger-Teststellen einen entsprechenden QR-Code zumindest auf Nachfrage ausstellen, sieht es bei neu eingerichteten Bürger-Teststellen gänzlich düster aus, da bereits seit einigen Monaten keine neuen Bürger-Teststellen in das Zertifikatssystem für die Corona-Warn-App aufgenommen werden. Ärgerlicherweise gibt es keinerlei einheitliche Kennzeichnung für Bürger-Teststellen, die noch entsprechende QR-Codes bei Antigen-Schnelltestergebnisse ausstellen und auch die Übersichtskarte der Corona-Warn-App ist keine echte Hilfe (mehr), da hier durch fehlende Datenpflege noch eine Vielzahl an Teststellen angezeigt werden, die längst nicht mehr existieren.

Im Zweifelsfall entsteht so eine reichlich groteske Situation: Eine getestete Person hat ein positives Testergebnis ohne QR-Code für die Corona-Warn-App und kann diese Warnmöglichkeit für Kontaktpersonen nicht nutzen. Auf unsere Nachfrage hin schreibt die Pressestelle des Landratsamtes Enzkreis, dem das Gesundheitsamt Pforzheim/Enzkreis zugeordnet ist, dass entsprechende Teststellen, die bei Antigen-Schnelltests keinen QR-Code ausstellen, über das Schnelltestportal der App gemeldet werden sollen.

Die Betreiber des Schnelltestportals geben zusätzlich den Hinweis, dass sich Personen, die bei einer nicht aufgeführten Teststelle ein positives Testergebnis erhalten haben, sich per E-Mail oder telefonisch bei der Hotline der Corona-Warn-App melden sollen.

Vorher fragen oder lieber gleich PCR-Test

Die einzig gangbaren Wege für Personen, die durch einen Antigen-Schnelltest ein positives Testergebnis erhalten, kann daher auch weiterhin nur sein, einen PCR-Test – der durch die derzeit geltende Fassung der Testverordnung des Bundes (TestV) auch gesetzlich zugesichert ist – bei einer entsprechend ausgestatteten Teststelle durchführen zu lassen. Üblicherweise erhalten Testpersonen schon bei Durchführung des Abstriches ein Formular mit einem QR-Code für die Corona-Warn-App, der den Abruf des Testergebnisses ermöglicht und dadurch im Falle eines positiven Testergebnisses auch die Warnung an Kontaktpersonen via Corona-Warn-App zuverlässig ermöglicht.

Baut man auf einen Antigen-Schnelltest, ist vorheriges Fragen bei der Bürger-Teststelle, ob auch ein QR-Code für die Corona-Warn-App ausgestellt wird, dringend zu empfehlen, um eine Warnung durch eine eventuell installierte Corona-Warn-App nicht zu verzögern.

Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.