Dramatischer Reitunfall findet Weg in internationale Medizinfachpresse

Zwei Jahre nach dem Reitunfall empfängt Dr. Jonas Apitzsch, Chefarzt Radiologie, seine Patientin Laura Pintauer und ihre Mama Suzana Pintauer gemeinsam mit seiner Assistenzärztin, Nour Maalouf, im Helios Klinikum Pforzheim (Foto: Helios Klinikum Pforzheim/Dr. Michael Klopp)

Bei den Vorbereitungen zu einem Reitabzeichen ist die damals 10-jährige Laura Pintauer in ihre Reitgerte gestürzt. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, dass Laura damit für einen bis dato noch nie in der medizinischen Fachliteratur veröffentlichten Fall sorgte.

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Vor zwei Jahren, am 25. Oktober 2020 half die damals zehnjährige Laura bei den Vorbereitungen für das bevorstehende Reitabzeichen. Auf dem Weg, eine Striegelbürste zu holen, stürzte sie in ihre Dressurgerte, welche sie in der Hand hielt. Da Laura kurz bewusstlos war und verwaschen gesprochen hat, fuhr Mama Suzana Pintauer direkt mit ihrer Tochter in die Kinderambulanz des Helios Klinikum Pforzheim.

Die Kinderärzte des Helios Klinikum Pforzheim nahmen Laura Pintauer mit einer Schwellung am Auge, ähnlich einem Insektenstich, auf. Nach der Erstversorgung überwiesen die Kinderärzte zur Abklärung der Augenverletzung das sonst nicht beeinträchtigte Mädchen in eine Augenklinik, wo die Verletzung am Auge mit Antibiotikum versorgt wurde. Zurück in der Helios Kinderklinik traten weitere Symptome wie Fieber, Sehstörungen, Schwindel und Übelkeit auf, sodass der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Kai Siedler, ein Schädel-MRT anordnete.

Das bildgebende Diagnoseverfahren zeigte einen für alle Beteiligten unerwarteten Befund: Einen langen Stichkanal von der rechten Augenhöhle ausgehend bis hinein in das Gehirn. Die sofortige interdisziplinären Besprechung zwischen den Kinderärzten, Radiologen und Neurologen ergab, dass sich das Mädchen beim Sturz die Dressurgerte bis ins Kleinhirn gestoßen und aus Reflex wieder herausgezogen hatte. Um eine Infektion oder einen verbliebenen Fremdkörper im Hirn angemessen behandeln zu können, wurde Laura daraufhin sofort in eine Kinderklinik mit neurochirurgischer Abteilung verlegt. Dort konnte sie schließlich ohne operativen Eingriff therapiert werden.

Ein Fall für die internationale Medizinliteratur

Ein solch einzigartiger Fallbericht wurde bisher noch nie in der Weltliteratur publiziert. Deshalb entschieden die Radiologen im Einverständnis mit Familie Pintauer, nachdem die Behandlung der Patientin erfolgreich abgeschlossen war, die Krankengeschichte inklusive der MRT-Bilder als Fallbericht zu veröffentlichen. Diese anspruchsvolle Aufgabe übernahm unter der Anleitung von Chefarzt Dr. Apitzsch die Assistenzärztin der Radiologie, Frau Nour Maalouf.

Da dieser Fall neue wissenschaftliche Erkenntnisse bringt, ist es den Spezialisten gelungen, ihren Artikel in der Fachzeitschrift „Radiology Case Reports“ zu platzieren.

Zwei Jahre nach dem Reitunfall waren Frau Pintauer und ihre Tochter Laura zu Besuch am Helios Klinikum Pforzheim. Heute reitet die inzwischen 12-Jährige nicht mehr, spielt jedoch – ohne jegliche motorische Einschränkung – Fußball. „Es ist ein Wunder, dass Laura keine bleibenden Schäden davongetragen hat. Zwei Millimeter versetzt hätte Laura ihren Sehnerv getroffen oder sogar die innere Halsschlagerader. Dann wäre sie nicht mehr hier“, erklärt Dr. Jonas Apitzsch, Chefarzt Radiologie und Nuklearmedizin.

Gemeinsam mit Dr. Apitzsch hat Laura erstmals ihre MRT-Bilder angeschaut. „Mir war nicht bewusst, dass mir etwas so Schlimmes passiert ist, die Bilder zeigen mir jetzt wie knapp das alles war“, erzählt Laura nachdenklich und neugierig zugleich. Ihre Neugierde zeigt, dass dieses Erlebnis Lauras Zukunft geprägt hat, denn sie möchte später Medizin mit der Fachrichtung Neurologie oder Unfallchirurgie studieren.

Quelle(n): pm

Besim Karadeniz
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