Ehrenamtliche Pilzexpertin im Helios Klinikum im Einsatz

Ehrenamtliche Pilzexpertin im Helios Klinikum im Einsatz, von links: Pilzexpertin Ilse Schopper, Bergüzar Demirdelen (Oberärztin) Foto: Helios Klinikum Pforzheim/Alexandra Jahnke

Kleiner Patient konnte aufgrund der Pilzbestimmung der Expertin richtig behandelt werden.

(Lesezeit: 4 Minuten)

„Die Eltern haben sich genau richtig verhalten“, berichtet Oberärztin Demirdelen. Sie haben den Pilz, von dem ihr Sohn abgebissen und sich daraufhin mehrfach erbrochen hatte, mit in die Kinder-Notfallambulanz am Helios Klinikum Pforzheim gebracht. Der kleine Junge zeigte zwar keine Anzeichen einer schweren Vergiftung, bei Pilzen sei aber immer Vorsicht geboten: „Gerade hochgiftige Exemplare lösen erst nach mehreren Stunden oder gar Tagen Symptome aus“, erklärt die Oberärztin. Die Einschätzung einer Fachperson sei daher „kolossal wichtig“.

Über die Giftnotrufzentrale in Freiburg/Breisgau unter 0761 19240 wurde den Ärzten Ilse Schopper aus Zaberfeld-Michelbach im Kreis Heilbronn vermittelt. Sie ist eine von rund 500 ehrenamtlichen Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und bei Notfällen zum Teil bis in den Raum Calw unterwegs. Als sie gegen 23 Uhr im Helios Klinikum Pforzheim ankommt, kann sie den Pilz eindeutig als Karbolchampignon oder auch Karbol-Egerling identifizieren – ein schwach giftiger Pilz, der dem Speisechampignon zum Verwechseln ähnlich sieht, jedoch Magen-Darm-Beschwerden auslöst. Durch die Gabe von Aktivkohle konnte dem Zweijährigen geholfen werden. „Aktivkohle schmeckt unseren kleinen Patienten zwar überhaupt nicht,“ so Demirdelen, „aber sie bindet Giftstoffe und verhindert, dass noch mehr davon vom Körper aufgenommen werden.“  Nach einer bis zwei Wochen bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr seien bei dem kleinen Jungen keine Auswirkungen mehr zu erwarten.

Schnelles Handeln bei Beschwerden erforderlich

Ob schwachgiftig oder tödlich – bei Beschwerden nach Pilzverzehr ist schnelles Handeln angezeigt, denn hochgiftige Pilze führen an Organen wie Niere oder Leber zu irreparablen Schäden. „Von Erbrechen und Durchfall über Krampfanfälle und Schläfrigkeit bis hin zu Gelbsucht sind unterschiedlichste Symptome denkbar“, erklärt Oberärztin Demirdelen. Gerade bei Kindern gilt dann: „Ruhe bewahren, Giftnotruf anrufen und wenn möglich, Pilze oder Erbrochenes mitbringen“, betont sie. Neben Aktivkohle würden auch Magenspülungen, entkrampfende Medikamente oder das passende Antidot, also ein Gegengift, eingesetzt. Hierbei stimmen sich die Mediziner stets eng mit der Giftnotrufzentrale ab.

Die gute Nachricht ist: „Pilzvergiftungen wie die unseres kleinen Patienten kommen nur etwa ein- bis zweimal pro Jahr vor und gehen überwiegend glimpflich aus“, so Demirdelen – auch dank der Unterstützung durch ehrenamtliche Sachverständige wie Ilse Schopper. „Ihr Einsatz ist ihr nicht hoch genug anzurechnen – dafür wollten wir uns einfach bedanken.“

Für Ilse Schopper ist dieser Einsatz nicht der erste in diesem Jahr, aber einer der ernsteren. „Wir haben ein starkes Pilzjahr, gerade Giftchampignons landen häufig in den Körben“, weiß die Expertin. Viele Sammler schicken Bilder ihrer Pilze oder kommen zur kostenlosen Korbkontrolle bei ihr zu Hause vorbei. „Aktuell können das auch mal zehn Kontrollen am Tag sein“, berichtet die Rentnerin, die auch Führungen und Kurse anbietet. Das Thema Pilze sei aktuell richtig in, aber: „Die Leute nehmen das Sammeln oft zu leicht“, beobachtet sie. Etwa acht tödlich giftige Pilze wachsen in den hiesigen Wäldern, wie die Knollenblätterpilze oder einige Schirmlinge. Allzu oft entdecke Sie auch bei erfahrenen Sammlern solche Exemplare. „Es gibt leider keine Faustregel für giftige Pilze“, erklärt Schopper. Auch am Geschmack seien ungenießbare Sorten nicht zu erkennen – im Gegenteil: „Gerade die hochgiftigen Knollenblätterpilze sind sogar wohlschmeckend.“ Häufig sind es auch verdorbene oder zu wenig gegarte Pilze, die zu Vergiftungen führen. Ilse Schopper empfiehlt, zur Sicherheit immer eine Korbkontrolle durchführen zu lassen.

Auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie kann der nächstgelegene Pilzsachverständige gefunden werden: www.dgfm-ev.de

Quelle(n): pm

Besim Karadeniz
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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.