Sachlicher Waldspaziergang im Waldgebiet Ochsenwäldle

Nach dem “Waldspaziergang” im Waldgebiet und dem möglichen Gewerbegebiet Klapfenhardt im Juni war nun das Waldgebiet Ochsenwäldle Ziel interessierter Bürger und Vertretern der Stadt.

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“Dappe mal los?” fragte Markus Haller, Leiter des Amts für Umweltschutz, nach einer kurzen Begrüßung durch Oberbürgermeister Peter Boch motiviert in die Gruppe der etwa 50 Interessierten. Sie waren der samstagnachmittäglichen Einladung der Stadt für den “geführten Waldspaziergang” ins Waldgebiet Ochsenwäldle, gefolgt. Bereits im Juni führte die erste Auflage dieser Bürgertour in das Waldgebiet Klapfenhardt. Beide Waldgebiete werden als Standorte für ein mögliches Gewerbegebiet geprüft.

Haller übernahm als ausgewiesener Fachmann die fachliche Führung der Gruppe zu einem Rundkurs westlich der ehemaligen Erddeponie und südlich der ehemaligen Nike-Station. Letztere ist, so Haller, ausdrücklich nicht in den Gewerbegebietsplanungen vorgesehen, da diese dem Bund gehöre und zudem als Rückzugsgebiet für geschützte Tiere außerordentlich wichtig für den Naturschutz sei.

Die etwa 60 Hektar große Prüffläche erstreckt sich nördlich und mit einer kleineren Teilfläche südlich der Landesstraße 1135, die als Fortführung der Wurmberger Straße von Pforzheim nach Wurmberg führt. Für dieses Waldgebiet gilt im Gegensatz zum Waldgebiet Klapfenhardt, dass es Staatswald und im Besitz des Landes Baden-Württemberg ist. Daher müsse dieses Waldgebiet vom Land zunächst gekauft werden, wozu man auch bereits in Gesprächen sei. Auch für die Abholzung dieses Gebietes müsse ein Waldausgleich an anderer Stelle geleistet werden.

Ein Teil des Baumbestandes des Ochsenwäldles ist noch relativ jung. Das merkte Haller in der ersten Station des Waldspazierganges am nordwestlichen Ende der ehemaligen Erddeponie an. “Insgesamt ist der Bereich deutlich jünger,” so Haller, “weil der Tornado 1968 hier eine Schneise durchgezogen hat.” Ein großer Teil der Waldbestände im Ochsenwäldle seien deshalb rund 50 Jahre alt, da nach dem Tornado aufwendig aufgeforstet wurde. Die ehemalige Erddeponie wiederum wurde zu einem großen Teil nach deren Schließung nicht aufgeforstet. Auch auf die Belange des Wildes müsse man Rücksicht nehmen; aus diesem Grund sei die Prüffläche von den ursprünglichen 65 Hektar auf die jetzigen 60 Hektar reduziert worden.

Auch für das Ochsenwälde gelte in der Prüfphase dasselbe, wie für Klapfenhardt, wie Boch anmerkte: “Wir sind vom Gemeinderat damit beauftragt worden, dass bei beiden Gebieten sämtliche naturschutz- und forstrechtlichen Belange abgeklopft werden.” Die Prüfungen – darunter auch bereits konkrete Planungen für den naturschutz- und forstrechtlichen Ausgleich – würden bis Ende des Jahres, möglicherweise bis Anfang nächsten Jahres dauern und dann in aufbereiteter und erläuterter Weise dem Gemeinderat vorgelegt.

“Wenn wir als Stadt und ich es nicht machen müsste, würden wir keine Eingriffe tun”, so Boch zu den aufgekommenen Fragen, warum die derzeitigen Flächen für Gewerbegebiete in der Planung seien. In Sachen der Flächengrößen sei man noch nicht festgelegt; der Zweck der Prüfungen sei auch, die nutzbare Fläche der möglichen Gewerbegebiete zu prüfen, so dass es am Ende auch durchaus sein könne, dass in den Empfehlungen deutlich kleinere Gewerbeflächen herauskommen.

“Es macht kein Spaß, immer zu sagen, er kann sich bei uns nicht ansiedeln und geht dann woanders hin.”

Auf die Frage einer Bürgerin, wie denn die Vergabe von Gewerbeflächen geplant sei, antwortete Boch, dass er sowohl bereits in Pforzheim ansässige Unternehmen dabei berücksichtigt sehen, aber auch offen sein wolle für Unternehmen, die sich neu in Pforzheim ansiedeln wollten. Aus beiden Richtungen gebe es konkrete Anfragen für Gewerbeflächen. Die Frage, ob die Gewerbegebiete auch für industrielle Unternehmen als Industriegebiete genutzt würden, verneinte Boch.

„Geführter Waldspaziergang“ im Waldgebiet Ochsenwäldle, von rechts im Bild: Markus Haller, Amt für Umweltschutz; Gemeinderat Hans-Ulrich Rülke; Oberbürgermeister Peter Boch

Zu der Frage, ob Gewerbeflächen überhaupt nötig seien, war Boch eindeutig in seiner Haltung. “Worst case” sei für ihn, wenn am Ende eine Situation entstünde, dass keine der beiden in der Diskussion stehenden Flächen entwickelt würden und ein Unternehmer abgewiesen werden müsste: “Wir haben jetzt die Situation, in die eine Stadt dieser Größenordnung nicht kommen darf, nämlich dass ich gar nichts anbieten kann. Es macht kein Spaß, immer zu sagen, er kann sich bei uns nicht ansiedeln und geht dann woanders hin. Das ist nicht toll.”

Er sehe neue Gewerbeflächen als einen Schritt, der deutlich über die Amtszeiten des Oberbürgermeisters und Gemeinderäte hinausgehen müssten, “20, 30 oder 100 Jahre”. Auch im Hinblick als Oberzentrum sehe Boch die Verpflichtung, für den Gewerbegebietsbedarf der Region mitzudenken.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.