Kritik zum Lärmschutzgutachten zum A8-Ausbau

In zwei Pressemitteilungen sehen die FDP-Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Rülke (Pforzheim) und Erik Schweickert (Enzkreis) sowie die SPD-Gemeinderatsfraktion das von der Stadt vorgestellte Lärmschutzgutachten zum Enztal-Ausbau der A8 kritisch.

Rülke und Schweickert kritisieren, dass bei der Durchsicht des Gutachtens die Experten der Bürgerinitiative „Leise A8“ auf „gravierende Fehler“ gestoßen seien. Die Stadt Pforzheim gehe im aktuellen Gutachten von 27.873 pro Tag vorbeifahrenden LKW aus, während die Bürgerinitiative auf Basis der Zahlen der eigenen Zählstelle von 32.000 LKW ausgehe, der TÜV gar von 38.000 LKW. Auch beim Nicht-Güterverkehr gebe es massive Differenzen, da die Stadt hier von 77.143 PKW ausgehe, der TÜV aber von 110.000 PKW. „Beim Gutachten der Stadt mit den zu nieder angenommenen Verkehrsmengen bringen die Lärmschutzwälle rund 3 dB(A) Lärmreduzierung. Dieser Effekt wird bei den tatsächlich höheren Verkehrsmengen dann noch mehr Wirkung für Eutingen und Kieselbronn entfalten“, so Rülke.

Wenn das Nadelöhr Enztalquerung 2025 beseitigt ist, gehen die beiden liberalen Abgeordneten davon aus, dass der Güterverkehr exorbitant ansteigen wird, insbesondere nachts. Dies wird vom Gutachten der Stadt Pforzheim jedoch konsequent ausgeblendet. Rülke kritisiert die Tatsache, dass der Gutachter der Stadt Pforzheim bei der Berechnung der Verkehrsmengensteigerung ab 2025 nur den baden-württembergischen Durchschnittswert von 1 % pro Jahr angesetzt hat. Denn schon heute beträgt unter den jetzt vorhandenen Bedingungen die tatsächliche Steigerungsrate in der Enztalquerung rund 2 %.

„Menschenschutz vor Artenschutz“

Die SPD-Gemeinderatsfraktion beklagt sich in einem Schreiben von Fraktionsvorsitzendem Ralf Fuhrmann an Oberbürgermeister Peter Boch und Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler ebenfalls darüber, dass einige der wohl getroffenen Annahmen hinter den realistisch zu erwartenden Entwicklungen zurückblieben. Das vorgelegte Gutachten zum Lärmschutz gehe davon aus, dass weitere Lärmschutzmaßnahmen an der A8 keine relevante Minderung der Belastung für die Menschen bringen wird und somit eine Erhöhung der Lärmschutzwälle entfallen können.

Die SPD Fraktion fordere die Verwaltung deshalb auf, in den Vorberatungen in den Fachausschüssen und im Gemeinderat Vertreter der Initiative „Leise A8“ und andere Fachleute als fachkundige Bürgerinnen und Bürger zu den Beratungen hinzuzuziehen, damit die Gemeinderäte das Ergebnis des Gutachtens richtig einschätzen und bewerten können.

Man brauche in der SPD Fraktion für eine richtige, nachhaltige Bewertung des vorgelegten Gutachtens weitere fachliche Bewertungen.

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