Warum selbstverständlich auch Kinder streiken dürfen, Herr Papesch

Ist bei "Fridays for Future" Platz für Populismus und darf man das Engagement der jungen Menschen kleinreden? Keinesfalls.

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Reaktion von Roland Papesch mit einem „Like“ auf ein Veranstaltungsposting zur „Fridays for Future“ Demonstration auf der Facebook-Seite von PF-BITS

Selbst FDP-Mann und FDP-Europawahlkandidat für Pforzheim und das Enzkreis, Roland Papesch, selbst 26 Jahre jung, fand es dann am Ende doch gar nicht so schlecht und setzte ein Like unter ein PF-BITS-Bild von der zweiten „Fridays for Future“-Demonstration. Das erstaunte auch deshalb unsere Redaktion, weil Papesch noch vergangenen Sonntag eine recht durchwachsene Meinung zu den Demonstrationen auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte.

„Innovationen retten das Klima, nicht das Schulschwänzen“, so Papesch einleitend. Wenn sich junge Menschen zusammenfänden, um sich für die Verbesserung unserer Gesellschaft einzusetzen, fände er das gut. „Viel zu oft werden Jugendliche nicht an Ihren inhaltlichen Aussagen, sondern an deren Alter gemessen. Dies ist einer modernen, toleranten und aufgeklärten Gesellschaft nicht würdig. Allerdings war es noch nie eine besonders clevere Idee, der Schule fernzubleiben. Es ist immer einfach, für den Atom- und Kohleausstieg und gleichzeitig für mehr E-Mobiliät zu sein.“ Und weiter: „Neue Technologien, Entwicklungen und Ideen sind uns näher als jedwede Verbote. Diese werden jedoch in den Klassenzimmern, Hörsälen und Laboren dieser Welt entwickelt, nicht Freitagmittags auf der Straße!

Sehr geehrter Herr Papesch, auf ein Wort:

  1. Die Einleitung ihres Facebook-Artikels ist sicher geschickt gewählt und eine griffige Darstellung einer Situation, die dann aber doch einmal näher geprüft werden sollte. Denn „Schulschwänzen“ (oder wie eine große Pforzheimer Tageszeitung eine Pressemitteilung mit einer Unterstützungserklärung der evangelischen Kirche mit dem groben Titel „Unterstützung für Schulschwänzer“ einleitete) bezeichnet ein unentschuldigtes Fehlen vom Unterricht, was bei vielen Demonstrationsteilnehmern nach eigenen Aussagen nicht der Fall war. In vielen Schulen herrschte im Vorfeld der Demonstration der Konsens, dass Schüler an der Demonstration ausnahmsweise teilnehmen könnten, wenn sie eine entsprechende Entschuldigung ihres/ihrer Erziehungsberechtigten vorweisen konnten.
  2. Niemand spricht von „Verboten“ und niemand mag ernsthaft behaupten, dass jede Entwicklung – besonders im Umweltschutz – rein aufgrund Innovation und Freude an der Technik entstand. Ein gutes, zentrales Beispiel ist das das Verbot von bleihaltigem Benzin und die Einführung des Katalysators. Beides schaffte es vor allem durch gesetzgeberischen Druck an die Tankstellen und in die Autos und dann kam in den 1980er Jahren von der Autoindustrie lange Zeit erst einmal nichts kluges zu diesem Thema.
  3. Der Klimaschutz geht alle an, ausnahmslos. Dazu gehören Politiker, Schüler, Erwachsene, Linksautonome, Autofahrer und auch alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten. Es stellt sich nicht die Frage, bis zu welchen Temperaturen wir die Erde weiterhin aufheizen können, sondern es muss sich die Frage stellen, wann wir damit aufhören und zwar möglichst schnell.
  4. Kinder als eine Personengruppe darzustellen – so wie es Ihr Parteivorsitzender Christian Lindner getan hat und wie Sie es auch zumindest anklingen lassen – die aufgrund ihres Alters und ihrer Naivität doch lieber in die Schule gehen sollten, anstatt „Professionelle“ bei ihrer Arbeit zu stören, ist wenig hilfreich und populistisch. Denn diese jungen und naiven Menschen sind die, die auf einem Planeten leben müssen, den ihre vorherigen Generationen ausgebeutet haben.

Herzliche Grüße und sehr gern mit dem Angebot, eine Antwort von Ihnen in einem eigenen PF-BITS-Artikel zu veröffentlichen,

Ihr Besim Karadeniz

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.