Briefwechsel zwischen Katja Mast und Müller Fleisch

Müller Fleisch verweist auf die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben und Standards.

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Mit einem Brief an Katja Mast, der nachträglich veröffentlicht wurde, haben die beiden Geschäftsführer Martin und Stefan Müller auf die Forderungen reagiert, die Katja Mast in einem zu unterzeichnenden Aufruf an das Unternehmen gestellt hat. In diesem Aufruf, der in der Zwischenzeit von über 770 Personen unterzeichnet worden ist, wird unter anderem gefordert, dass sich das Unternehmen für die „Wohnverhältnisse ihrer Beschäftigten unabhängig von der Art des Vertragsverhältnisses“ einsetzen und „alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen entstehen, zu übernehmen“.

Auf die Forderungen reagierten letzte Woche die beiden Geschäftsführer in einem dreiseitigen Brief (vollständig nachzulesen auf der Website von Müller Fleisch) an Mast. Das Unternehmen erfülle „grundsätzlich alle gesetzlichen Vorgaben und Standards“ und habe auch die Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Fleischwirtschaft unterzeichnet, in der auch auf den Umgang mit Beschäftigten von Werksvertragsfirmen eingegangen werde. Man übernehme Verantwortung, könne dies aber nur im gesetzlichen Rahmen tun. Die Einhaltung der Mindeststandards obliege nicht Müller Fleisch und der Gesetzgeber untersage dem Unternehmen, Einblick in die Privaträume seiner Räume zu halten. Dennoch werde man „zeitnah“ mit Dienstleistern und den Vermietern von Wohnraum Gespräche führen, „um auf notwendige Verbesserungen hinzuweisen“.

Zum Thema einer vollständigen Kostenübernahme antworten die Geschäftsführer, dass man der Verantwortung gegenüber der Region nachkomme und sich in einer Übereinkunft mit der Stadt Pforzheim, dem Enzkreis und dem Landkreis Calw „freiwillig an den Kosten für die Quarantäne-Einrichtung zu beteiligen“. Zudem biete man freiwillige Leistungen wie ergänzende Transferfahrten, „Gesundheitschecks wie z.B. Fiebermessen [..], regelmäßige Essenspakete und Mahlzeiten zur gesicherten Versorgung der Mitarbeiter in den Gemeinschaftsunterkünften.

Ferner zeigen sich die Geschäftsführer erstaunt darüber, von Masts Aufruf „in den sozialen Medien“ zu erfahren, „mit dem Sie [Katja Mast, Anmerk. d. Red.] gegen unser Unternehmen Stellung beziehen und für eine breite Unterstützung Ihres konfrontativen Angriffs gegen Müller Fleisch werben“. Man habe von einer „Politikerin, die für die Region im Deutschen Bundestag wichtige politische Entscheidungen auf den Weg bringt“, erwartet, vor einer „öffentlichen Kampagne“ zunächst das Gespräch zu suchen.

Mast reagiert

Den Vorwurf, dass Müller Fleisch von den Fragen Masts auf Facebook erfahren habe, weist Mast in einem Antwortschreiben (genauer Wortlaut auf der Website von Katja Mast) entschieden zurück: „Ich habe Ihnen am 28. April 2020 persönlich geschrieben. Mein Schreiben hat selbstverständlich die im Aufruf befindlichen Fragen enthalten.“ Ebenfalls weist sie den Vorwurf eines „konfrontativen Angriffs und einer Kampagne“ zurück.

Masts politische Kernforderung sei, dass das Unternehmen eine Verantwortung für die Unterbringung Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trage, weil das Geschäftsmodell darauf beruhe. „Und wenn Sie dies genauso sehen würden wie ich, wären Sie ja auch selbst Mieter der Sammelunterkünfte, denn dann könnte der Arbeitsschutz diese kontrollieren“, so Mast. Diese Forderung adressiere sie nicht ausschließlich an Müller Fleisch, sondern diese gelte für die gesamte Fleischwirtschaft und alle weiteren Bereiche, wo Beschäftigte als Saisonkräfte in Sammelunterkünfte wohnen.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über zwanzigjährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.