Zu schade, um es wegzuwerfen – App rettet Lebensmittel

Foto: Too Good To Go

Unter dem Motto "Rette gutes Essen" vermittelt ein Berliner Startup via Smartphone-App noch frische Lebensmittel an Schnäppchenjäger.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Als berufstätiger Single hat Marcel Rockstroh oft wenig Zeit und Muße, zu Hause den Herd anzuwerfen. Ständiges so genanntes Convenience Food in Form von Fertiggerichten ist allerdings auch nicht seine Sache und so stellt sich regelmäßig die Frage: Was gibt es heute auf den Esstisch? Für heute Abend immerhin ein Vollkornbaguette mit Tomaten-Mozzarella, ein Schinken-Käse-Croissant, ein normales Croissant und einen Schokodonut. Und das für 3,50 Euro.

Eine Bestellung via App „Too Good To Go“ (Foto: privat)

Viele Verkaufsstellen von Lebensmitteln haben schon nachmittags ein Problem: Für den Tag sind vorab eine bestimmte Menge von Lebensmitteln eingeplant und auch zubereitet worden, die jedoch nicht verkauft werden konnten. Nun bliebe die „klassische“ Lösung: Wegwerfen. Und genau das passiert weltweit in gigantischen Mengen.

Laut einer Studie der Universität Stuttgart aus dem Jahre 2019 werden in Deutschland jährlich rund 13 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Jeder Bundesbürger kommt da im Durchschnitt auf eine Menge von rund 85 Kilogramm Nahrung, die oft noch nicht einmal den Verkaufsprozess überlebt. Oftmals geht es dabei gar nicht um die Frage, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist, sondern vielmehr darum, ob es noch frisch genug ist, als frisch zu gelten.

Screenshot der App „Too Good To Go“

Der virtuelle Marktplatz von „Too Good To Go“ versucht, dieser Verschwendung etwas engegenzusetzen. Nutzer können sich in der App gemäß des eigenen Standorts in einer Umkreissuche Hersteller und Verkäufer von Lebensmitteln anzeigen lassen, die auch aktuell Lebensmittel zu verkaufen haben. Das können im Falle eines Pforzheimer Großhändlers – zur besonderen Freude von Kindern – Speiseeis in Großhandelsgrößen zur Hälfte des eigentlichen Preises sein, aber auch fertig zubereitete Lebensmittel wie belegte Brötchen oder Kontingente von zu verkaufenden Zutaten sein, die üblicherweise täglich noch mit eingeplant werden.

Der Clou von „Too Good To Go“ ist, dass auch gleich der Reservierungs- und Verkaufsprozess vollständig in der App passiert. Wer ein Angebot in Anspruch nehmen will, bezahlt es in der App sofort und kann dann im Zeitraum, an dem die Lebensmittel abgegeben wird, seine „Magic Bag“, also die Tüte mit den gekauften Lebensmitteln, direkt und unkompliziert beim Anbieter abholen.

Angebot in Pforzheim noch ausbaufähig

Während es in Großstädten wie Karlsruhe und Stuttgart schon mehrere Dutzend Anbieter gibt, ist das Angebot in Pforzheim noch dünn gesät. Neben dem Fischhändler Nordsee sind noch der Tankstellenshop deli2go der Shell-Tankstelle in Birkenfeld dabei, der Großhändler Gastromaster Aldinger und die italienische Bäckerei Panifico San Calogero in der Nordstadt. Eine gewisse Schnelligkeit und Spontanität ist also gefragt, oder auch mal ein Blick über die Stadtgrenzen Pforzheims hinaus.

Für Anbieter gibt es in der App im Hilfecenter einen Bereich mit Informationen darüber, wie auch Anbieter mitmachen und wie Nutzer potentielle Anbieter vorschlagen können. Bekanntlicherweise regelt die Nachfrage das Angebot.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.