Warum nun mit zwei Impfstoffen geimpft wird

Impfung (Symbolbild) Foto: CDC on Unsplash

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission für ein "heterologes" Impfschema löst viele Fragen aus. Ein paar Antworten.

(Lesezeit: 5 Minuten)

Der Pharmahersteller Astra-Zeneca hat es nicht leicht: Zuerst war der hauseigene Corona-Schutzimpfstoff „Vaxzevria“ genauso von Lieferengpässen geplagt, wie die Konkurrenz und dann kamen Berichte über seltene Nebenwirkungen hinzu. Dinge, die am Vertrauen kratzen und Verwirrung schaffen.

Ein weiteres Kapitel in dieser unendlich wirkenden Geschichte kam letzte Woche auf mit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für ein so genanntes „heterologes Impfschema“, wenn die Erstimpfung mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff durchgeführt wurde. Sprich: Die geplante Zweitimpfung nach einer ersten Astra-Zeneca soll nach dem Rat der Impfexperten ein mRNA-Impfstoff sein, wie die von Biontech („Comirnaty“) oder Moderna („Spikevax“).

Kapitulation oder Vorteil?

Nun könnten sich Kritiker vollends bestätigt wissen: Der Astra-Zeneca ist „schlecht“ und löst auch bei Menschen über 60 Jahren Nebenwirkungen aus und daher wird sicherheitshalber auf einen mRNA-Impfstoff gewechselt. Doch so einfach ist es nicht.

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission bezieht sich nämlich darauf, dass nach aktuellen Studienergebnissen die Impfantwort nach einem heterologen Impfschema – also zuerst der Impfstoff von Astra-Zeneca und danach zur Zweitimpfung von Biontech/Moderna – „deutlich überlegen“ sei.

Diese Feststellung – und das ist auch sehr wichtig zu wissen – wird vor allem aus Beobachtungen gespeist, dass nach einer Impfung mit der ersten Dosis die Wirkung der derzeitigen Impfstoffe gegenüber der Delta-Variante („indische Variante“) des Sars-CoV-2-Virus herabgesetzt zu sein scheint. Und zwar unabhängig vom verwendeten Impfstoff bei der Erstimpfung. Erst nach der Zweitimpfung und einer vollendeten Immunisierung scheinen die Impfungen gleichwertig vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen.

Aus den Beobachtungen, dass nach der Erstimpfung der Immunschutz gegenüber der Delta-Variante des Corona-Virus schlechter zu sein scheint, ergibt sich die vorsorgliche Empfehlung, mit einem mRNA-Impfstoff als zweite Impfung die Grundimmunisierung abzuschließen. Der Gedanke hierbei ist eben, dass dieser Wechsel des Impfstoffes eine bessere Immunisierung auslöst.

Ist eine Zweitimpfung mit Astra-Zeneca nun schlechter?

Genau das sagt diese Empfehlung und die Mitteilung der STIKO, nachzulesen auf der Website des Robert-Koch-Instituts, nach derzeitiger Faktenlage eben nicht, sondern man vermutet, dass die Impfantwort nach der zweiten Impfung mit einer anderen Impfstoffgruppe deutlich besser ist.

In einfachen Worten übersetzt: Zwei Impfungen mit Astra-Zeneca sind nachweislich nicht schlecht, aber weil nach der ersten Impfung mit Astra-Zeneca die Impfwirkung gegen die Delta-Variante geringer zu sein scheint, soll die Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna erfolgen, dann könnte es möglicherweise noch besser sein.

Was muss ich tun, wenn ich schon einen Zweit-Impftermin habe?

Grundsätzlich nichts, denn die Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird von den Bundesländern für die Durchführung der Impfkampagne berücksichtigt. Ab dem heutigen Montag (aber auch schon in den letzten Tagen) steht es Impflingen bei der zweiten Impfung frei, welchen Impfstoff sie verabreicht bekommen wollen.

Daraus ergibt sich für Pforzheimer derzeit ein besonderer Vorteil: Da Pforzheim aus dem Kontingent des Landes Baden-Württemberg 10.000 Dosen des Impfstoffes von Astra-Zeneca zugeteilt bekommen hat und dieses Sonderkontingent unkompliziert und derzeit ohne Terminreservierung im Impfstoff verimpft wird, kommt man als Person mit Wohnsitz in Pforzheim sehr schnell zur ersten Impfung und gleichzeitig zu einem Nachfolgetermin mit dem Biontech- oder Moderna-Impfstoff, da dies automatisch beim ersten Impftermin bestätigt und reserviert wird.

Besser warten, bis neue Impfstoffe kommen?

Das macht bei der jetzigen Situation wenig Sinn, da die vorhandenen Impfstoffe nach vielen ersten Studienergebnissen einen nachweislichen Schutz bieten und keine „Einbahnstraßen“ sind. So wie es auch bei vielen Impfungen gegen andere Krankheiten üblich ist, genügt es in den meisten Fällen, bei Bedarf für einen Impfschutz gegen eine veränderte Variante des Virus mit einer „Booster“-Impfung nachzureichen, die im Volksmund „Auffrischung“ genannt wird.

Das kennen Sie beispielsweise von einer Impfung gegen die Krankheit FSME, die beispielsweise durch Zecken übertragen wird und in Süddeutschland inzwischen recht häufig durchgeführt wird. Das erstmalige Impfschema erfordert drei Impfungen in Abständen. Danach ist jedoch nur noch eine Auffrischung nach einer bestimmten Zeit erforderlich, um den Impfschutz aufrechtzuerhalten.

Wen frage ich, wenn ich unsicher bin?

Kurzum, wie immer: Ihren Hausarzt oder auch den Impfarzt, beispielsweise bei einer Impfung in einem Impfzentrum.

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Besim Karadeniz (bka), Jahrgang 1975, ist Autor und Erfinder von PF-BITS seit 2016. Er ist beruflich selbstständiger Web-Berater und -Entwickler. Neben PF-BITS betreut er mehrere weitere Online-Projekte und kann auf einen inzwischen über 25-jährigen Online-Erfahrungsschatz zurückblicken. Neben der technischen Betreuung von PF-BITS schreibt er regelmäßig Artikel und Kolumnen und ist zuständig für den Kontakt zu Partnern und Autoren.